15.06.2019 - 00:05 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

"Samba, Samba, die ganze Nacht"

Bei Sambo oder Tango ist für viele Hobby-Tänzer Schluss. Das sieht sich die Mehrheit lieber bei "Let's dance" im Fernsehen an. Doch inzwischen grassiert das Tanzfieber auch im Landkreis, auf Profis kommt viel Arbeit zu

Voll konzentriert widmen sich die Kursteilnehmer in Schmidgaden den Schrittfolgen von Cha-cha-cha oder Samba.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Glamouröse Roben und Lichteffekte können nicht immer ablenken. Der Blick geht auf die Beine, wenn Promis bei der RTL-Tanzshow "Let's dance" übers Parkett fegen - und beim Finale am Freitagabend schauten auch Tausende vor den Fernsehgeräten ganz genau hin. Beim Tanzkurs in Schmidgaden ist es Alexander Daucher, der zehn Tanzpaaren auf die Schuhe schaut, und nicht nur auf die Schuhe. Wer hier tanzt, tritt allerdings nicht gegen eine Konkurrenz an. Seine "Gegner" sind der Rhythmus und Schrittfolgen, die über "zwei rechts, eins links" weit hinaus gehen.

Während sich im Erdgeschoss des Schmidgadener Pfarrheims der Gebetskreis trifft, sorgt im ersten Stock Rose Laurens via Musik-Konserve mit "Africa" für den Rhythmus zum Cha-Cha-Cha. Jeans und Freizeithemd, T-Shirt und Shorts genügen fürs Training. Der frühere Turniertänzer Alexander Daucher hat noch schnell die Schuhe gewechselt, bevor er mit Tanzpartnerin Heidi Egelkraut ein paar Schritte wiederholt, und dann zum Schwerpunktthema "Samba" überleitet, weil dieser Mittwochabend mit moderaten Außentemperaturen aufwartet. Ein leises Stöhnen geht durch den Saal, es scheint beliebtere Tänze zu geben. Aber lernwillig sind alle hier, egal ob es um "Damen-Solo", "Promenade", "Hockey Stick" oder den "Wischer" geht. "Bei allem, was auf den Buchstaben a endet, beginnt der Herr mit rechts, das gilt auch für den Walza", wirft der Tanzlehrer als Tipp in die Runde. Und schon geht es los mit "hoch, tief, hoch, immer aus den Knien raus". "Wenn Männer führen, tun sie nichts anderes, als die Dame aus dem Gleichgewicht zu bringen", scherzt Daucher und macht vor, wie die Richtung auch ohne "Arm-Auskugeln" vorgegeben wird.

Paartanz-Inseln

Sind es Shows wie "Let's Dance", die das schweißtreibende Üben ungewohnter Rechts- und Links-Drehungen wieder in Mode kommen lassen? "Die haben sicher dazu beigetragen, aber eigentlich ist das Tanzen schon etwas früher wieder in geworden", hat Daucher festgestellt und führt das vor allem auf die soziale Komponente zurück. "Die Leute haben das Tanzen für sich entdeckt, weil sie da Zeit, Spaß und Nähe miteinander haben." Mangels geeigneter Tanzorte beschränkt sich das Vergnügen aber oft auf die Tanzschule, "weil man sonst eigentlich kaum irgendwo Latein oder Standard tanzen kann". Selbst auf den Faschingsbällen werde inzwischen fast nur noch Disco-Fox gespielt. "Vielleicht einmal ein Walzer, und das war's", sagt der Schmidgadener, der sein Trainingsangebot vor eineinhalb Jahren mit 10 Paaren gestartet hat. Inzwischen sind es 23, und der Kursleiter sieht sich nach einem Tanzsaal um. Als "Alleinstellungsmerkmal" wertet er den Umstand, dass er die Lizenz hat, auch Tanz-Abzeichen wie Bronze, Silber oder Gold zu vergeben. "Die Leute haben Spaß, und das ist das Sahnehäubchen obendrauf", so seine Überzeugung.

Fleißig getanzt wird inzwischen auch in Schwandorf, wo Anna und Stefan Theuerl vor acht Jahren eine Tanzschule eröffnet haben. Ihr Angebot kommt an. "Wir bauen gerade", berichtet Anna Theuerl im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Mindestens drei Tanzsäle sollen im September in der Gutenbergstraße eröffnet werden, dort wo früher eine Diskothek ihr Publikum gefunden hatte. "Supergerne" werde in Schwandorf schon seit geraumer Zeit getanzt, meint Theuerl und führt das auf das lockerere Konzept der Schwandorfer Einrichtung zurück.

Kleine Häppchen

Die Choreographie werde eher "in kleinen Häppchen serviert, so dass man das auch gleich anwenden kann". Für die Teilnehmer stünden pro Woche mehrere Tanztermine zur Auswahl. "Das gibt keinen Stress, wenn man eine Einheit verpasst hat", macht sie deutlich und setzt bei dem Angebot auf Nachhaltigkeit. Statt verbissenes Üben ist Freizeitgestaltung in netter Atmosphäre angesagt. "Die Leuten kommen früher, trinken etwas und bleiben gern länger", hat die Tanzlehrerin festgestellt.

Auch Alexander Daucher gönnt seinen Paaren gern mehr Zeit. Statt der üblichen 60 Minuten darf die Tanzstunde gerne doppelt so lange dauern. Immerhin 45 Minuten sind schon um, als er eine Pause verkündet. "The Coffee Song" ist gerade verklungen, die Tänzer trinken lieber Wasser als Kaffee - und die Knie können sich vom Hoch-tief-Hoch beim Samba erholen.

Alexander Daucher und seine Tanzpartnerin Heidi Egelkraut zeigen auf, welche Fehler bei der Haltung noch auszumerzen sind.
Info :

Tanzen ohne Partner

Weil sich grundsätzlich mehr Frauen als Männer fürs Tanzen interessieren gibt eine Option jenseits des Paartanzes. So bietet beispielsweise der Frauenbund Oberköblitz unter der Leitung von Gerda Schön zweimal wöchentlich einen TOP-Kurs an. TOP steht für "Tanzen ohne Partner". Line Dance ist dann der Tanz der Wahl: Die Tänzer stehen in einer oder in mehreren Reihen und versuchen sich synchron in diversen Schrittfolgen. In Pfreimd (dienstags um 15.30 Uhr; Vereinsräume der Landgraf-Ulrich-Halle) und in Nabburg (montags um 15 Uhr in der kleinen Nordgauhalle) bietet Monika Strehl Seniorentanz an, allerdings ist dort Pause bis nach den Ferien. Der Schwerpunkt liegt hier auf Country-Musik und Folklore, die Ausrichtung ist international. "Oft verlagert sich das Interesse am Tanzen auch in die Sportvereine", hat Strehl festgestellt und erinnert an Trends wie Zumba (Kombination aus Aerobic und Tanz) oder den Volkstanz, der in letzter zeit durch Kirwa-Veranstaltungen wieder populärer sei. Ob nun Paartanz oder Line Dance, für die Kursleiterin mit Ausbildung beim Bundesverband Seniorentanz steht fest: "Für mich ist Tanzen die beste Medizin und Lebensfreude pur."

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