21.05.2020 - 18:30 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

Schutt beschäftigt die Behörden

Bauschutt an einem Weiher ablagern? Das ist natürlich verboten. Ein Fall in Trisching zeigt, welche Kreise ein solches "Haufwerk" ziehen kann.

An der Uferböschung dieses Weihers nahe der Autobahn A 6 war der Schutt eingebaut..
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ist ein Haufen Bauschutt nun ordentlich entsorgt oder nicht? Das treibt einen Mann um, der mit einem Hinweis das Landratsamt auf den Plan rief. Nahe der Autobahn A6 bei Trisching hat der Naturfreund, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, im August 2018 den Haufen Bauschutt entdeckt - abgekippt an einer Weiherböschung. Mit Bildern belegte er, dass da ein Abraumhaufen samt Bitumenresten, gebrochenen Pressspanplatten und Betonbrocken abgelagert wurde.

Die technische Gewässeraufsicht des Wasserwirtschaftsamts nahm den Weiher in Augenschein und bestätigte die Meldung. Der Eigentümer des Weihers, von dem der Schutt auch stammte, wurde zur Beseitigung aufgefordert. Der bestätigte dem Amt schließlich, der Haufen sei entfernt, Entsorgungsnachweis inklusive.

So weit, so gut? Erstmal nicht. Denn der Schutt lag immer noch am Weiher, wie der Naturfreund entdeckte. Im Oktober 2018 kontrollierte die Behörde noch einmal. Ergebnis: Der Haufen war noch am Gewässer. Der Entsorgungsnachweis musste also falsch gewesen sein. Wieder folgte die Aufforderung, den Schutt zu entsorgen. "Außerdem wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet", teilte Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamts, auf Nachfrage mit. Wegen der illegalen Ablagerung. Das Bußgeld habe "im höheren dreistelligen Bereich" gelegen, so Prechtl. Eine Strafanzeige wegen des offenbar falschen Entsorgungsnachweises gab's dagegen nicht. Das ist zumindest erstaunlich, schließlich liegt der Verdacht nahe, dass das Amt mit dem Nachweis getäuscht werden sollte. Das Landratsamt sei nicht Strafverfolgungsbehörde, äußert sich dazu Prechtl. Einen Betrugs-Tatbestand könne das Amt nicht erkennen, "mangels eines Vermögensschadens". Dem "Beschwerdeführer" sei es freilich unbenommen, Anzeige zu erstatten.

Immerhin wurde der Schutthaufen nach der zweiten Aufforderung im November 2018 abgeräumt - samt erneutem Entsorgungsnachweis. Da lagerte das Material tatsächlich auf der Hofstelle des Weiher-Eigentümers. Die Zwischenlagerung begründete er dem Landratsamt damit, dass die entsprechende Entsorgungsanlage über den Winter geschlossen habe. Schließlich wurde dem Amt laut Prechtl im März 2019 ein "plausibler Beleg" vorgelegt, dass das Aushubmaterial in der Anlage entsorgt worden sei.

Der Naturfreund glaubt das nicht. Er ist sich sicher, dass der Haufen nach wie vor neben der Maschinenhalle des Weiher-Eigentümers liegt. Vom Gegenteil kann ihn auch nicht überzeugen, dass ein Landratsamtsmitarbeiter im Juli 2019 das "Haufwerk" an der Halle in Augenschein nahm. Entdeckt hat er laut Prechtl einen kleineren, mit Unkraut bewachsenen Haufen Humus und ein "Sand-Kies-Gemisch". Gegen die Ablagerung sei nichts einzuwenden. "Eine Verwechslung des Haufwerks mit dem beschwerdegegenständlichen Bodenaushub ist (...) nicht nur wegen der Größenrelationen, sondern auch wegen der Materialstrukturen ausgeschlossen", heißt es aus dem Landratsamt. Der "abfallrechtliche Vorgang" ist damit abgeschlossen.

Für den Mann, der den Fall ins Rollen brachte, noch nicht. Er ist sich sicher, dass der Schutt vom Hof nicht entsorgt wurde. Er hat beim Landratsamt mehrmals insistiert, bislang anonym. Dienstaufsichtsbeschwerde? "Das wäre der nächste Schritt", sagt er. Einen Nachweis zu führen, dass genau der Schutt vom Weiher jetzt noch neben der Halle liegt, dürfte allerdings schwierig sein.

Im Schutt fanden sich reichlich Stoffe, die nicht in die Natur gekippt werden dürfen.
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