22.10.2018 - 20:05 Uhr
SchmidgadenOberpfalz

"Stoppelhopser vom Odelacker"

Ballonfahren ist nicht nur Genießen der Stille in luftiger Höhe, sondern teilweise harte Arbeit vor dem Start. Und dann heißt es erneut mit Anpacken, wenn alle wieder sicheren Boden unter den Füßen haben.

von Autor GFRProfil

"Wir stehen auf eure Hilfe", so der Sepp, Mitarbeiter des Flugzentrums Bayerwald, "denn wir sind nur zu Zweit und unser Korb, in dem bis zu 18 Personen Platz haben, wiegt so knapp eine Tonne". Rund 12500 Kubikmeter Luft soll das Fassungsvermögens des Ballons haben und wenn die Luft auf bis zu 100 Grad aufgeheizt wird, geht es schnell aufwärts. Auf etwa 1600 Metern Höhe steuert der Schorsch, der Eigentümer des Flugzentrums Bayerwald, seinen Ballon. Der Inhaber des Berufspilotenscheins - die Voraussetzung einen Ballon fahren zu dürfen - ist seit gut 20 Jahren im Geschäft. Und dann gleich noch eine Grundregel für alle Ballonfahrer, man duzt sich.

Alle müssen mithelfen, den Korb vom Hänger zu heben und die Ballonhülle als gut 60 Meter langen Schlauch aus dem Transportsack zu ziehen. Zwei leistungsstarke Ventilatoren blasen binnen weniger Minuten den Ballon mit Kaltluft auf, die dann mit den Gasbrennern erhitzt wird. Der Ballon stellt sich langsam in seiner gesamten Größe auf. Alle steigen ein. Dann kommt sofort der Hinweis auf die Landung, „bei der wir uns mit dem Rücken zur Fahrtrichtung an den Halteschlaufen festhalten und in die Hocke gehen“, was nach gut einer Stunde Fahrt perfekt funktioniert.

Ursprünglich war die Ballonfahrt von Schmidgaden aus Richtung Amberg geplant, denn im Flugwetterbericht war Ostwind angekündigt. Aber da es meistens anders kommt, als man denkt, herrscht nahezu Flaute. Der Schorsch versucht es weiter oben, aber wieder nur Windstille, nur im Schneckentempo schwebte der Ballon dahin, nicht Richtung Amberg, sondern mehr die Richtung Schwarzenfeld. Als nach knapp über einer Stunde an die Landung zu denken ist, heißt es nach Hochspannungsleitungen Ausschau halten, denn da will er nicht reinfahren. So schwebt der Ballon langsam tiefer und tiefer, in gut 100 Metern über Knölling hinweg, um dann auf einem Acker sanft aufzusetzen.

Ausgestiegen wird nur nach Weisung des Piloten, so der Schorsch, der sich dann mitsamt Korb und Ballon in die angrenzende Wiese ziehen lässt. Der Ballon fällt in sich zusammen, wird wieder zu einem Schlauch zusammengepresst und verstaut. Der Schorsch verteilt einige Bierchen und schließlich erhebt er alle Mitreisenden in den Adelstand der Balloner, wobei der Adelstitel mit „mutiger Stoppelhopser vom Odelacker“ sicher nicht die Türen zum deutschen oder europäischen Hochadel öffnen wird.

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