Der Amerikaner und die junge Frau aus Trisching sind Freunde geworden.Als Sabrina Rohrwild und ihr Lebensgefährte Florian Plail im Herbst dieses Jahres nach Kansas fliegen, werden sie unfreiwillig zu "VIPs": Das Paar landet auf dem Airport in Kansas City, geht bei laufenden Kameras die Gangway hinunter. Sabrina gibt ein Interview. Es macht sie fast verlegen, so im Mittelpunkt zu stehen. Alex Talbott und seine Frau Jamie haben Sabrina eingeladen, um Danke zu sagen - für das geschenkte Leben.
Alles beginnt recht unspektakulär im Jahr 2014. Sabrina Rohrwild ist als Jugendleiterin der Nabburger Wasserwacht mit ihrem Team zur Aufsicht am Steinberger See eingeteilt. In Wackersdorf läuft die Typisierungsaktion für den leukämiekranken fünfjährigen Lennard. Die Wasserwachtler lassen sich Blut abnehmen, die Spender stehen ab dem Zeitpunkt in der DKMS-Datei, in der weltweit alle verfügbaren Knochenmarkspender gelistet sind. Monate später kommt der Anruf: Sabrinas Zellen würden für einen Patienten "passen".
Kontaktsperre
Der Pieks in Wackersdorf bekommt eine andere Dimension: Neben ausführlichen Infos schickt die DKMS ein Blutentnahme-Set für den Hausarzt, um hier letzte Sicherheit zu bekommen. Sabrina weiß nichts über den möglichen Stammzellenempfänger, alles läuft anonym. Erst nach zwei Jahren kann ein Kontakt hergestellt werden - wenn beide es wollen. Es folgen unzählige Telefonate mit DKMS-Mitarbeitern, die sich "wirklich toll kümmern", über mögliche Nebenwirkungen aufklären, den Lohnausfall der Erzieherin regeln und sogar mit der Chefin sprechen. Dann ein Gesundheitscheck in der Frankfurter DKMS-Klinik. Sabrina Rohrwild bekommt Spritzen und Wachstumshormone mit nach Hause, die die Zellproduktion anregen. Am 18. Mai 2015 ist es dann soweit: In einem zweitägigen Klinikaufenthalt wird der jungen Frau Blut mit den gesunden Stammzellen abgenommen. Sabrina Rohrwild weiß nur so viel: Der Empfänger ist ein 27 Jahre alter Amerikaner.
Schicksalshafter Tag
Der Kurier wartet schon im Krankenhaus, damit die Spende so schnell wie möglich zum Patienten ins Kansas-City-Cancer-Center kommt. Am 20. Mai erhält er Sabrinas Blut. Empfänger ist der damals 27-jährige Zahnarzt Alex Talbott. "Es sagt immer, der 20. Mai ist sein neuer Geburtstag", lacht Sabrina. Sie würde wieder so handeln. "Die Spende, das war für mich eine Kleinigkeit, für ihn überlebenswichtig. Da kann man doch nicht Nein sagen".
Gemeinsam im Stadion
Als die Kontaktsperre im Sommer letzten Jahres aufgehoben wird, kommt der erste Kontakt über Alex Talbotts Ehefrau Jamie zustande. Sie ist "unheimlich dankbar, dass ihr Mann lebt". Jamie erzählt von der Familie, Hobbys und dem Zahnarztstudium ihres Mannes. Facebook, Whatsapp, Facetime, Telefonate: Die beiden Paare mögen sich. Alex Talbott lädt seine Spenderin und ihren Lebensgefährten ein, nach Joplin, einer Kleinstadt in Missouri, eineinhalb Stunden südlich von Kansas City.
Das Programm ist dicht gedrängt: Golfen, Fischen, Tontaubenschießen, Familientreffen, gemeinsame Ausflüge. "Das war eine schöne Zeit", erzählt Sabrina Rohrwild. Es geht zu einem Baseballspiel gegen die Kansas City Royals. "Alex wusste, dass wir uns das wünschen". Gemeinsam besuchen die beiden Paare auch das Kansas City Cancer Center. Von den Ärzten und Schwestern werden sie überschwenglich empfangen. Es gibt Kuchen und ein Krankenhaus-Set: T-Shirt, Bade-Ente, Tasse und Kugelschreiber. Anrührend auch ein Kirchenbesuch mit der religiösen Familie Talbott. Die Kirchengemeinde will die Deutsche, die Alex Talbott half zu überleben, unbedingt kennenlernen. Als er im Krankenhaus lag, haben alle für ihn gebetet.
Der Abschied nach einer Woche fällt schwer. "Das war, als ob wir uns schon lange kennen", fasst Sabrina Rohrwild zusammen. "Das gemeinsam Erlebte wird mich mein Leben lang begleiten. Uns verbindet viel". Nun werden Pläne geschmiedet. "Alex und Jamie kommen im Sommer nach Trisching", freut sich die 24-Jährige. "Auch ein Grund, mein Englisch wieder aufzufrischen".
















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