30.10.2019 - 16:42 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Wildwochen in Schmidmühlen: Respekt vor Natur und ihren Geschöpfen

Die Hubertusmesse des Heimat- und Kulturvereins in Schmidmühlen ist alljährlich auch der Wildwochen-Auftakt. Neben der Kulinarik rückt dabei vor allem Dankbarkeit in den Mittelpunkt.

Eine heimische Jagdstrecke war bei der Hubertusmesse des Heimat- und Kulturvereins in der Pfarrkirche St. Ägidius am Altar zu sehen.
von Paul BöhmProfil

Reicht gedeckt sind die Erntetische in diesen Tagen, vor allem wenn man einen Streifzug durch die Gastronomie macht. Die Herbstzeit ist auch Erntezeit und zugleich auch Wildwochenzeit. Heuer werden sie in der 39. Auflage in Schmidmühlen durchgeführt.

Ein würdevoller Auftakt dafür war am vergangenen Wochenende die Hubertusmesse des Heimat- und Kulturverein in Schmidmühlen zu Ehren der verstorbenen Mitglieder des Vereins gewesen. Die Hubertusmesse ist aber auch zugleich das kulinarische Jagdsignal für die weithin bekannten Wildwochen in Schmidmühlen und das schon bereits seit fast vier Jahrzehnten.

Umrahmt wurde der Gottesdienst vom Männergesangverein Liederkranz mit Dirigent Johann Bruckmüller un den Jagdhornbläsern aus Burglengenfeld unter der Leitung von Hornmeisterin Ilona Rothballer.

Um die Streckenlegung mit heimischem Wild kümmerte sich die Schmidmühlener Jägerschaft um Karl Fochtner, Philipp Pirzer und Johann Schmid zusammen mit Dr. Markus Perpeet vom Bundesforstamt.

Es ist die sechste Jahreszeit, so schwärmen die Menschen: Denn die Herbstzeit ist auch die Erntezeit mit reichhaltigen Genüssen aus der Natur. Zum bunten Herbst im Hirschwald zählen vor allem die Wildwochen in Schmidmühlen als kulinarisches Aushängeschild, auch wenn es in den vergangenen Jahren doch die eine oder andere Veränderung gegeben hat.

In der Pfarrkirche St. Ägidius legte die heimische Jägerschaft eine Jagdstrecke am Altar. Die Hubertusmesse des Heimat- und Kulturvereins ist der Auftakt für die Wildwochen in Schmidmühlen

Ob Reh, Hirsch, Wildschwein, Ente oder Fasan aus dem heimischen Fluren und Wäldern – es ist alles zu haben. Dazu auch Gerichte für Vegetarier, mal mit Pilzen, Waldpreiselbeeren oder vielen anderen Variationen aus dem herbstlichen Garten.

Stilvoll wie es sich für die Jahreszeit geziemt, prägen in diesen Tagen üppige Wildgerichte die Speisekarte im Goldenen Lamm, im Gasthof Lindenhof sowie im Dorfgemeinschaftshaus in Winbuch und im Landgasthof Lautenschlager in Eglsee. Sie sind die Wildwochen-Akteure in diesem Jahr.

Ob es herzhafte Hirschkalbsteaks sind, ein gebratener Rehrücken, ein Jungschweinebraten in deftiger Wildschwammerlsoße oder herzhaft gewürzte Fasanenbrüstchen, ein Wild-Grillteller, eine saftige Wildroulade oder einfach nur Rahmschwammerl mit frischen Salaten – es sind freilich noch viel mehr typische Wildgerichte, aus denen man in diesen Tagen zum schlemmen auswählen kann. Nicht umsonst sagt man dazu: „Sich den Herbst schmecken lassen“.

So hat der Begriff „Kirche und Wirtshaus“ auch in den Herbsttagen seine Gültigkeit nicht verloren. Vor dem Genuss haben die Schmidmühlener auch heuer wieder den Dank an den Schöpfer und seine vielfältige Natur gestellt.

Zusammen mit Pater Ernst Kusterer vom Salesianerkloster Ensdorf feierte man in der Pfarrkirche St. Ägidius den Gottesdienst. „Zusammen mit der Jägerschaft gedenken wir des Schutzpatrons, des Heiligen Hubertus“. Zur Hubertusmesse selbst meinte Pfarrer Kusterer, dass die Jagd nicht zerstörerisch sein darf. Wir Menschen müssen uns in den Dienst des Schöpfers, der Menschen und der Natur gleichermaßen stellen lassen. „Die Jäger die ich kennengelernt habe, habe ich immer als sehr verantwortungsvoll und naturverbunden empfunden, die ihre Arbeit sehr zuverlässig und vernünftig tun“. Von ihnen können wir viel über den Umgang mit der Natur und der Umwelt lernen.

Gott hat uns die Erde anvertraut, sie ist eine Leihgabe, die wir alle hegen, pflegen und nutzen, aber nicht ausnutzen sollen. Nur wenn wir im Einklang mit der Natur und nicht rücksichtslos über unsere Verhältnisse leben, ist die Schöpfung so, wie sie sich Gott erdacht hat, nämlich gut. „Wir tragen Verantwortung für diese Welt und alles Leben auf ihr. Indem wir dies zumindest versuchen zu tun, ehren wir den Schöpfer im Geschöpfe“.

Der Mensch ist deswegen die Krone der Schöpfung, weil wir den Tieren, Pflanzen und untereinander einen Lebensraum ermöglichen sollen. Leider ist aus dieser Krone eine Dornenkrone geworden, die die Natur und Umwelt, des Zusammenlebens von Mensch und Tier bluten lässt.

Die Jagdhornbläser aus Burglengenfeld mit ihrer Leiterin Ilona Rothballer (links) umrahmten zusammen mit dem Männergesangverein den Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Ägidius.

Oft wird auch jegliches Leben zum Konsummittel, zum Gebrauch und zum Wegwerfen. Darin haben die Tierschützer mit ihrer Kritik recht, sagte der Geistliche. Wenn die Jagd nicht zerstörerisch sein soll, muss sie sich in den Dienst nehmen lassen: in den Dienst der Natur, in den Dienst der Menschen, in den Dienst Gottes gleichermaßen.

„Wir brauchen Mut und Stärke, um uns für die Werte einzusetzen, für die es sich lohnt zu kämpfen – nämlich mit friedlichen Mitteln“. Wir sind alle Jäger der Humanität, des Miteinanders, der Demokratie und der Gemeinschaft in Kirche und Welt.

Aus dem Leben des Heiligen Hubertus erzählte er, dass er vermutlich um 655 in Toulouse geboren wurde und 727 der Überlieferung nach in der Nähe von Brüssel starb. Nach einem beeindruckenden Erlebnis mit einem Hirsch erkannte er erst, dass alle Lebewesen Geschöpfe göttlichen Ursprungs sind. Darüber sollten wir Menschen nachdenken.

Der Männergesangverein Liederkranz gestaltete zusammen mit den Jagdhornbläsern aus Burglengenfeld das Standkonzert am Marktplatz.
Info:

Beteiligte Gastronomie

Der Gasthof Lindenhof widmet sich bei den 39. Wildspezialitätenwochen bis zum 10. November erlesenen Wildgerichten. Am Samstag, 9. November, ist ab 18 Uhr zu einem Wildtag im Dorfgemeinschaftshaus in Winbuch eingeladen. Anmeldungen werden unter 09474/1001 bei Familie Spies erbeten.

Am Sonntag, 3. November, gibt es einen Wildtag im Gasthaus Lautenschlager in Eglsee. Von 11 bis 12.30 Mittagstisch und ab 18 Uhr Abendtisch. Anmeldungen bei Familie Lautenschlager in Eglsee unter 09474/263.

Das Goldene Lamm in Schmidmühlen ist am Donnerstag, 31. Oktober, ab 18 Uhr und an Allerheiligen ab 17 Uhr zum Wildessen geöffnet. Weitere Öffnungszeiten beim Goldenen Lamm sind am Samstag, 2. November, ab 18 Uhr und am Sonntag, 3. November, ab 11.30 Uhr. Auch hier wird um vorherige Anmeldung gebeten.

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