02.11.2018 - 15:22 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Altern: Tango und Vergesslichkeit

100 Jahre Freistaat wird auch von der AOVE mit ihrem Konzept "Alt werden zu Hause" gefeiert - mit einem besonders rührendem und gleichzeitig amüsantem Programm.

Michaela Bergmann, die Rektorin der Grund- und Mittelschule Schnaittenbach, liest vor einem begeisterten Publikum „Der flambierte Mann“ von Peter Zeindler.

Wenn Franz Schuberts Ständchen erklingt, wird in die Melodie vieles hinein interpretiert: Passionierte Liebe, Verabschiedung oder auch Erinnerung. Genau das spiegelten die Gesichter des entzückten Publikums wider. Schubert ist freilich nicht die einzige klangvolle Darbietung an diesem Abend im Kulturstadl Schnaittenbach. Violinistin Ulrike Straub und Pianist Wolfgang Herrneder sind stadt- und landkreiseigene Virtuosen, die nicht nur Seniorenherzen höher schlagen lassen. In ihrem Repertoire an diesem Abend finden sich Jean Delphin Alard und die Polonaise von Rieding, ein Tango und der Spanische Tanz von Moritz Moszkowski.

Für die Musikalische Lesung mit heiteren und besinnlichen Geschichten rund ums Alter haben sich Waltraud Lobenhofer und ihr Team zehn Kurzgeschichten ausgesucht, um das Älterwerden auch von der humorvollen Seite zu zeigen. Dabei stellt sich heraus: Auch eine junge Frau kann von der betagten in Sachen Gatten-Diplomatie viel lernen. In "Der flambierte Mann", gelesen von Michaela Bergmann, nutzt die Ehefrau die Vergesslichkeit ihres Herzblattes schamlos aus, um um eine neue Küche reicher zu werden. Anruf beim Metzger inklusive.

Bürgermeister Josef Reindl, der "Alt werden zu Hause" das unverzichtbare Sternenprojekt für die Kommunen nennt, liest "Altes Eisen" von Ilse Gräfin von Bredow. Ab wann gehört man eigentlich zum alten Eisen? Wenn im Bus ein halbes Dutzend Jugendliche aufstehen, um den Platz anzubieten. Oder wenn der Arzt zum Abschied sagt: "Wir sehen uns dann im nächsten Quartal wieder."

Das Alter habe aber auch viele Vorteile: Für Gedächtnisschwund sei das Verständnis der Allgemeinheit groß. Und niemand könne wissen, ob das angeblich Vergessene tatsächlich jemals als Kenntnis vorhanden war. Auch Pfarrer Josef Irlbacher und Anneliese Pilarski verleihen ihre Stimmen an kurze Geschichten. Wenn die Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach sich für ihre Senioren etwas einfallen lässt, bleibt es selten bei den Alten. Mit viel Herz arbeiten Waltraud Lobenhofer und Katja Stiegler an generationsübergreifenden Veranstaltungen, die Abwechslung und Freude in den Alltag aller bringen. Den Erfolg bestätigt die große Nachfrage.

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