20.04.2020 - 14:00 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Coronavirus schweißt Schnaittenbacher Familie zusammen

Die fünfköpfige Familie Gallner aus Schnaittenbach ist vom Coronavirus betroffen. Die sonst sehr aktive Familie befindet sich in Quarantäne zuhause und meistert dort ihre Ausnahmesituation.

Die Familie Gallner meistert die gemeinsame Quarantänezeit daheim dank eines gut strukturierten Tagesablaufs und eines großen Hauses mit Garten.
von Adele SchützProfil

Regina Gallner arbeitet als Zahnarzthelferin, ihr Mann Andreas ist Küchenchef im St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg. Von den drei Kindern geht der achtjährige Paul schon zur Schule, Franz mit sechs und Greta mit vier Jahren besuchen die örtliche Kindertagesstätte St. Vitus. Die Großeltern leben mit im Haus und teilen sich auch den großen Garten mit den Jungen.

Als Schule und Kindertagesstätte am 16. März geschlossen wurden, war es für Regina Gallner selbstverständlich, dass sie zuhause bei ihren Kindern blieb und nicht mehr arbeitete. „Für die Kinder war es herrlich, von Schule und Kita daheim bleiben zu können und zusätzlich die Mama ganz für sich zu haben“, sagt Regina Gallner. Einige Zeit später bekam sie jedoch nachts Schweißausbrüche, und beim Mittagessen merkte sie, dass sie Geschmacks- und Geruchssinn verloren hatte. Ein Coronatest beim Hausarzt fiel positiv aus, worauf die ganze Familie sofort unter häusliche Quarantäne gestellt wurde.

„Ein gut strukturierter Tagesablauf war für uns vom ersten Tag der Quarantäne an das A und O, um die Zeit gemeinsam nicht nur zu meistern, sondern gut zu verbringen, sinnvoll zu gestalten und ein Stück weit auch zu genießen“, betont Regina Gallner heute. Dementsprechend lautete ihr Motto: „Wir machen das Beste daraus.“ Auch in der Quarantäne fängt der Tag um 4.30 Uhr an, dann kann sie in Ruhe die Hausarbeit erledigen. Wenn sie das gemeinsame Frühstück vorbereitet hat, weckt sie um 7 Uhr die Kinder. Der Papa könnte länger schlafen, zieht es aber vor, sich zum Frühstücken zur Familie zu gesellen.

Kochen mit Papa Andreas macht Greta eine Menge Spaß - erst recht, wenn die heiß geliebte Pizza vorbereitet wird.

Um Punkt 8 Uhr erinnert ein Schulgong, den sich Regina Gallner aus dem Internet heruntergeladen hat, an den Schul- und Kita-Beginn. „Paul meinte am ersten Tag, dass der Unterricht bei Mama ein Spaß sei, merkte aber schnell, dass dem nicht so war“, berichtet Mama Gallner. Mit den Aufgaben und dem Unterrichtsstoff für Paul wird sie von der Schnaittenbacher Grundschule wöchentlich per E-Mail versorgt, wobei auch die Lehrer und die Schulleitung stets als Ansprechpartner telefonisch zur Verfügung stehen, zeigt sich Regina Gallner dankbar. Auch die Kita-Leitung schickt kreative Beschäftigungsvorschläge für die Kids.

Der Schlussgong beendet den Unterricht. Dann stürmen die hungrigen Kinder in die Küche, wo der Papa Leckeres aufgekocht hat. „Ganz anders laufen nun unsere Mittagessen ab, denn die ganze Familie sitzt entspannt am Tisch zusammen. Wir genießen das gute Essen miteinander und lachen viel. Es ist herrlich, keinen Zeitdruck zu verspüren“, beschreibt Regina Gallner die Situation und Stimmung in der Quarantäne beim Mittagessen. Ohne Hektik gemeinsam am Tisch zu sitzen, kenne sie nur von den Wochenenden und den Ferien. Und dann auch nicht in dieser ausgeprägten Form, denn die Zeit spiele nun keine Rolle mehr. „Wir genießen die Entschleunigung und die uns geschenkte gemeinsame Zeit dankbar und glücklich“, verrät Regina Gallner.

Die Beschäftigung der Kinder und die gemeinsame Freizeitgestaltung bereitet den Gallners kein großes Kopfzerbrechen, denn Mutter Regina ist auch im normalen Alltag nachmittags bei ihren Kindern daheim und spielt sehr viel mit ihnen im Garten. „Uns gibt es schon immer bei der Freizeitgestaltung nur im Fünfer-Pack“, bemerkt sie. Neu sei die Beschränkung auf Haus und Garten, was allerdings aufgrund deren Größe viel Entfaltungsmöglichkeiten biete. Natürlich fehlen den Kindern die Kontakte zu Freunden. Dafür ist allerdings der Papa als Spielkamerad da, der zudem leidenschaftlich gern mit dem Fußball kickt.

Unterricht muss sein. Den ganzen Vormittag über schlüpft Regina Gallner in die Rolle der Lehrerin. Sie erledigt mit ihren Kindern die von der Schule und der Kita gestellten Aufgaben, die alle Beteiligten ganz schon fordern können.

Neu sind auch die kleinen Lerneinheiten am Nachmittag, bei denen Paul schon das Keyboard-Spielen und Greta das Schuhbandl-Binden von der Mama gelernt haben; dazu gibt der Papa Kochkurse für die Kinder. Der Abend wird mit dem gemeinsamen Abendessen eingeläutet, das auch einmal etwas länger dauern kann. Dann gibt es nach Lust und Laune noch einen Film im Heimkino oder ein Brett- oder Kartenspiel, bevor es um 8 Uhr ins Bett geht. Später darf's in den Ferien werden. Die Jungs schlafen seit der gemeinsamen Zeit zuhause nun in einem Bett, manchmal darf auch Greta mit hinein.

Das Schlimmste an der Corona-Erkrankung war für Regina Gallner nach ihren Aussagen die Angst, dass sie jemanden angesteckt hat oder noch anstecken könnte. Ihre größte Sorge galt ihren Eltern im Haus, mit denen alle Familienmitglieder sehr engen Kontakt pflegen, und ihrem Mann. Ihre Ängste erwiesen sich aber als unbegründet, auch dank der strikten Einhaltung der Schutzbestimmungen. „Dies war das Schwierigste, denn weder Oma und Opa noch die Kinder konnten anfangs verstehen, warum sie sich jetzt plötzlich nicht mehr sehen dürfen“, erzählt Regina Gallner. Inzwischen halte sich jeder strikt daran.

Die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert laut ihren Aussagen bestens über den örtlichen Bäcker mit angeschlossenem Lebensmittellädchen und dem Metzger vor Ort. Regina Gallner kann der Coronakrise durchaus auch positive Seiten abgewinnen: Die Entschleunigung, die geschenkte gemeinsame Zeit mit der Familie, deren enges Zusammenwachsen und das Entdecken der Einfachheit durch Verzicht. "Eine ganze Menge, was Corona an Gutem zu bieten hat", stellt Regina Gallner fest. Es gelte, dieses Gute auch anzunehmen, zu nutzen und nach der Krise beizubehalten, wenigstens ein Stück weit, resümiert sie.

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