(e) Das Gebäude aus dem Jahr 1933 ist sozusagen als Herzstück der damaligen Schnaittenbacher Wasserversorgung, das der Öffentlichkeit nun zugängig gemacht werden soll. Bürgermeister Josef Reindl sprach schwärmerisch vom „Wachküssen eines interessanten Gebäudes“, Stadtrat Rudolf Bergmann sah eine ideale Möglichkeit, das so wichtige Thema Trinkwasser ins Bewusstsein des Menschen zu rücken, und dem jahrzehntelang ein Schattendasein führenden Gebäude einen neuen Sinn zu geben. Wenn man so will: ein kleines Museum ums Schnaittenbacher (Trink-)Wasser.
Die Entsäuerungsanlage der damaligen Wasserversorgungsanlage der Stadt („oberes Wasserhaus“) wurde geplant und gebaut als erste zentrale Wasserversorgungsanlage (Naturdruckanlage) des einstigen Marktes in den Jahren 1927 bis 1934. Ihre Aufgabe war es, wie Stadtrat Rudolf Bergmann anhand alter Pläne dokumentierte, das aus der Bolwie- und Fensterbachquelle zufließende Wasser durch Anhebung des pH-Wertes zu einwandfreiem Trinkwasser zu verbessern. Die Entsäuerungsanlage hatte jahrzehntelang fundamentale Bedeutung für die Wasserversorgung Schnaittenbachs, bis sie nach dem Krieg durch neue Tiefbrunnen am Ehenbach nahe dem heutigen Wasserhaus, durch einen Hochbehälter und neue Leitungen ersetzt wurde. Danach kam ein weiterer Tiefbrunnen am Bürgerwald hinzu, um den gesteigerten Wasserbedarf für die Industrie und steigenden Bevölkerungszahlen decken zu können. Schließlich war es notwendig, Mitte der 1980er-Jahre einen weiteren Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmeter zu errichten, ließ Stadtrat Rudolf Bergmann wissen, der sich federführend diesem Vorhaben angenommen hat. Ab den 80er-Jahren wurde auch die Fensterbach- und Bolwie-Wasserleitung nicht mehr genutzt. Das Wasser durchlief aber weiter die Entsäuerungsanlage an der Gemeindeverbindungsstraße Schnaittenbach-Weiher, es wurde in den Höflesgraben und weiter in den Lohmühlbach geleitet. Und die Entsäuerungsanlage? Die verfiel und geriet mehr oder weniger in Vergessenheit. Von Bäumen und Sträuchern umgeben, war sie kaum mehr sichtbar, kein Mensch interessierte sich mehr dafür, sie fristete ein kümmerliches Dasein. Durch die vor einigen Jahren vorgenommene Renaturierung bzw. Rückbau der Bolwie- und Fensterbachquelle erschlossen einige Mitglieder des Heimat- und Volkstumsvereins um Erwin Meier, Josef Werner und Heinz Gebhardt neue Wanderwege zum Buchberg und den renaturierten Quellen. „Das markante Gebäude in seiner Historie soll erhalten werden“, sagte Bergmann in der Ausschusssitzung. Stauden und Bäume wurden von Helfern unter Beteiligung des Stadtbauhofs entfernt, Bergmann fand im Archiv der Stadt die gut erhaltenen Bestandspläne, die in dem Gebäude nach digitaler Bearbeitung ausgestellt werden sollen.
Stadtrat Marcus Eichermüller legte Vorschläge für die Innenbeleuchtung vor. Wie Bürgermeister Josef Reindl erklärte, fand ein Gespräch mit dem Design- und Planungsbüro Wilhelm Koch und mit Reinhold Melzer vom Wasserwirtschaftsamt statt, die die Technik der alten Entsäuerungsanlage erläuterten. Das Büro Koch wird Vorschläge unterbreiten, welche Trägerelemente für die Pläne in Frage kommen. Fazit: Die Stadt kann sehr bald über eine bemerkenswerte Sehenswürdigkeit mehr verfügen, die monetären Mittel sind im Haushalt eingestellt. Am Sonntag, 26. August, soll bei einer kleinen Feierstunde die Anlage der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dazu sollen alle Personen und Firmen, die sich ehrenamtlich oder durch Geld- oder Sachspenden eingebracht haben, eingeladen werden.
Schnaittenbach
01.07.2018 - 09:55 Uhr
Museum rund ums Trinkwasser
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