07.03.2019 - 13:28 Uhr
Schönficht bei PlößbergOberpfalz

Nach Kormoran und Otter nun auch noch die Karpfenlaus

Neben den Fressfeinden bereiten den Fischzüchtern nun auch einige Fischkrankheiten, wie die Karpfenlaus oder die Erdbeerkrankheit Sorgen. Und dann ist da noch die Angst, dass es wieder so einen heißen Sommer geben könnte.

Bei der Informationsveranstaltung für Oberpfälzer Teichwirte war der Festsaal des Gasthofes Klupp bis auf den letzten Platz gefüllt.
von DTRProfil

Voll besetzt war der Saal bei der Informationsveranstaltung für Oberpfälzer Teichwirte im Gasthof Klupp. Dabei wurde wieder einmal deutlich, dass die Fischliebhaber mit großen Problemen zu kämpfen haben. Dass nach dem Besatz mit oft nur gut die Hälfte der Fische durchkommt ist nichts Neues. Immer häufiger fallen aber auch ältere und größere Fische aus den Gruppe von den zweijährigen Karpfen (K 2) bis hin zum ausgewachsenen Karpfen (K 6) Krankheiten und Fressfeinden zum Opfer.

„Dies ist kein reines Oberpfälzer Problem“, erklärte Jan Masilko vom Institut für Fischerei an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. In zahlreichen nationalen und internationalen Studien hat er rund um das Thema Optimierung der Fischzucht geforscht. Auch über die aktuelle Lage der Fischzucht in seinem Heimatland konnte der tschechische Doktor, welcher an der Universität Budweis studierte, erzählen. In seiner Vorlesung informierte er die Teilnehmer über Ernährung, winterliches Trockenlegen, Bodenbearbeitung, Kalkung sowie Düngung.

„Mit einem guten Nahrungsangebot und vernünftiger Teichbewirtschaftung kann man das Wachstum ohne negative Umweltauswirkungen optimieren“, fasste Masilko zusammen. Das größte Problem in Tschechien seien die teils strengen Regelungen und die enorme Schadrate durch Kormoran, Grau- und Silberreiher, Fischotter sowie Biber. Sie verursachten der Fischzucht in Tschechien jährlich über zwölf Millionen Euro Schaden.

Auch auf deutsche Teichwirte sieht er große Probleme zukommen. Hier bekam der Spezialist reichlich Zuspruch von den Zuhörern sowie dem Vorsitzenden des Oberpfälzer Fischerzeugerrings Hans Klupp. „Die Bürokratie scheint in Ihrem Heimatland noch größeren Einfluss auf die Fischzucht zu machen als in Deutschland, aber die Probleme mit den Schädlingen sind auch in der Oberpfalz enorm“, meinte Klupp.

Zur Bürokratie hatte Fachberater für Fischerei, Thomas Ring, eine andere Meinung. Die Wasserwirtschafts- und Landratsämter würden gut mit den Teichwirten zusammenarbeiten und seien in unserer Region besonders verständnisvoll. „Viele Gewässer sind aber in mäßigem bis schlechtem Zustand und deshalb muss reagiert werden“, gab Ring zu bedenken. Er verstehe aber die Sorgen der Züchter. Gerade wegen dem Fischotter sei die Zukunft für Teichwirte aktuell nicht rosig. Nicht selten würden Teiche nicht mehr oder anderweitig zum Beispiel für Viehzucht oder Ackerbau genutzt. „Es liegt doch nicht an uns, dass die Gewässer in einem schlechten Zustand sind“, warf ein Fischzüchter ein. Müsse doch den ach so hellen Köpfen in den Behörden sowie den Umweltschützern klar sein, dass Schädlinge wie der Kormoran für den Artenrückgang verantwortlich seien. „Die Gründe sind vielfältig und reichen von Kläranlagen bis zur Schifffahrt“, entgegnet der Fachberater.

Auch Fischotterberater Alexander Horn sieht steigende Schädlingspopulationen als Problem. „Mancherorts sind nachweisbar keine Einzeltiere, sondern mittlerweile Otter-Familien angesiedelt“, erklärte Horn. Wie schlimm die Lage genau sei, könne gar nicht genau gesagt werden. Er bekomme von den 800 Teichbesitzern der Region zu wenige Rückmeldungen. Aus seiner Sicht kommt auf die Teichnutzer in diesem Jahr einiges an Schäden zu. „In einem mir bekannten Fall traten im vergangenen Jahr um die 30 000 Euro Schaden auf. Wenn sogenannte Spezialisten dann von nur sechs Ottern ausgehen, bezweifle ich deren Qualifikation“, meint Vorsitzender Klupp. Dass müssten aber komische Tiere sein, die so hohen Schaden anrichten können. So wie er hätten auch viele andere Fischwirte in den vergangenen Jahren ihren Optimismus verloren.

Neben den Fressfeinden bereiten den Fischzüchtern auch einige Fischkrankheiten Sorgen. „Für die Teichbesitzer waren schon die hohen Temperaturen im vergangen Jahr problematisch“, erklärte Andreas Wimmer vom Tiergesundheitsdienst. Zusätzlich sei beim Karpfen die Karpfenlaus und bei den Forellen die Erdbeerkrankheit vermehrt aufgetreten. Änderungen der Meldepflicht bestimmter Krankheiten seien in der Planung aber aktuell noch nicht spruchreif.

Wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen werden die Fische wieder aktiv und für die Teichwirte beginnt eine ungewisse Saison.
Nach der winterliches Trockenlegen und professionellen Bodenbearbeitung werden die Oberpfälzer Teiche nun wieder für den Neubesatz vorbereitet.
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