07.09.2018 - 13:30 Uhr
Schönficht bei PlößbergOberpfalz

Leidenschaft am Schrauben wieder entdeckt

Einige sind älter als er, andere könnten im Alter seiner Kinder sein: Gisbert Schulwitz, 73 Jahre und Anitquitätenhändler, hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt. Er sammelt Oldtimer und repariert sie alle selbst.

von Ulla Britta BaumerProfil

Gisbert Schulwitz ist bekannt wie ein bunter Hund. Deshalb klingelt es auch heute noch täglich an seiner Haustür, obwohl der Antiquitätenhändler seinen Fundus und sein fachliches Wissen längst an seinen Sohn weitergegeben hat. „Dabei wollte ich als Bub lieber schrauben“, erzählt Schulwitz, dass er eigentlich etwas ganz anderes werden wollte als Kaufmann.

Aber was er jetzt macht, gefällt ihm noch besser: Schulwitz sammelt Oldtimer und repariert sie selbst. Das macht er ganz für sich und ohne einen Gedanken zu verschwenden, ob sich das lohnt oder nicht. Ihm gehe es rein ums Tüfteln an technischen Problemen. Deshalb legt er auch keinen Wert auf chromblitzende Karosserien oder aufgemotzte Motoren.

Schulwitz sucht nach jenen Oldtimern, die vergessen wurden. Er spürt seine Lieblinge meist hinter Tankstellen und Autohäusern oder in alten Schuppen auf. Dort fristeten sie ein einsames Dasein, verstaubt, verbeult, verrostet und kaum fahrtüchtig. Mancher Besitzer sei froh, endlich einen Abnehmer für seine Rostlauben gefunden zu haben, erzählt der 73-Jährige. Es habe sogar Zeiten gegeben, da habe man ihm ein Auto für einen Kasten Bier gegeben oder es verschenkt.

Inzwischen seien Oldtimer aber enorm an Wert gestiegen. Teuer will Schulwitz aber nicht in dieses Hobby einsteigen. Manchmal sei es sogar lediglich der materielle Nutzen, der ihn an einem alten Auto reizt. Zwei Opel Kadett, beide etwa Baujahr 1936, erstand er nur, weil er sie fürs Ausschlachten nutzen wollte. Ersatzteile sind teuer, denn die Autoindustrie sei längst in den Oldtimer-Markt mit eingestiegen.

Im Schuppen des Antiquitätenhändlers steht neben den zwei Opel Kadett ein gelber Opel Kadett Rallye. Das jüngere Modell ist aus den 60er Jahren, wie das weiße Peugeot-Cabrio. Schulwitz zeigt noch einen anderen Peugeot. Vor dem Oldtimer, der komplett repariert dasteht, erzählt er, dass seine Liebe zu diesen Fahrzeugen mit diesem Auto seines Sohnes begonnen habe. Da sei die Leidenschaft zum Schrauben ausgebrochen. Mittlerweile hat er es zu einer kleinen Sammlung gebracht.

In seiner Werkstatt hat Schulwitz inzwischen auch ein ansehnliches Ersatzteile-Lager, akribisch nach Automarken geordnet. „Manchmal bin ich den ganzen Tag hier. Und die halbe Nacht.“ Schmutz, Schweiß oder Muskelkrämpfe von der anstrengenden Arbeit halten den Tüftler nicht von der Arbeit ab. Sucht ihn seine Frau, findet diese ihn meist ölverschmiert und schwitzend unter einem Oldtimer.

„Manchmal ist es schwierig“, gibt er zu, dass er als Laie bei der Reparatur mitunter an Grenzen stoße. Schulwitz zieht die Stirn kraus: „Der hier, der macht Bauchschmerzen.“ Der Bastler kriecht unter einen 220er Mercedes „Heckflosse“, Baujahr 1981. Ein schönes Fahrzeug, das Schulwitz völlig entkernen musste. „Wenn ich nicht mehr weiter weiß, frage ich einen Automechaniker“, gibt er zu. Hat Schulwitz das Schnauferl zum Rollen gebracht, lässt er es vor dem TÜV noch einmal auf Herz und Nieren prüfen.

Und mit was ist Schulwitz auf den Landstraßen unterwegs? Stolz präsentiert er sein bestes Stück, ein altes Feuerwehrauto aus der ehemaligen DDR, Marke Barkas. Das Vehikel macht seinem Baujahr 1981 alle Ehre. Es hustet, rattert und stöhnt, was das Zeug hält. Schulwitz erzählt, dass ihn der Barkas „ganz schön fuchse“. Er habe ein besonderes Innenleben, sei unberechenbar. Auf die Frage, was sein Lieblings-Oldtimer sei, nennt Schulwitz den Mercedes Ponton W120. Einen solchen habe er bereits besessen, aber wieder weggegeben. Zwar bedauert er heute den Verlust, aber wirklich traurig ist er nicht. „So einen krieg‘ ich eines Tages wieder.“ Er betont: Mir geht es mehr ums Schrauben an den alten Kisten.“

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