02.01.2020 - 14:52 Uhr
Schönhaid bei WiesauOberpfalz

Waschbären im Landkreis Tirschenreuth unterwegs

Dort wo Menschen wohnen, ist es auch für Waschbären interessant. Die gewieften Tiere durchwühlen Mülltonnen, stöbern in Komposthaufen und sind ganz wild auf Fallobst. Auch Dachstühle haben es ihnen angetan – Verwüstung inklusive.

Der Waschbär, den Andreas Kandler aus Schönhaid in seinem Garten fotografiert hat.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Andreas Kandler aus Schönhaid hat Oberpfalz-Medien ein Foto von einem Waschbären, den er in seinem Garten fotografiert hatte, zugeschickt. Am Telefon erzählt er: "Es war bereits dunkel, als ich nach Hause kam. Ich sah plötzlich neben mir zwei leuchtende Augen. Als durch den Bewegungsmelder das Licht anging, habe ich gesehen, dass ein Waschbär dasteht und mich mit großen Augen ansieht." Das Tier sei langsam auf ihn zugekommen. "Das machte mich so nervös, dass ich beim Aufsperren der Haustüre sogar den Schlüssel fallen ließ", erinnert sich der Schönhaider.

Blick durchs Fenster

Aus der offenen Haustür heraus habe er einen kurzen Videomitschnitt über die Überwachungskamera gemacht. "Als der Waschbär noch rund zehn Meter von mir entfernt war, erschreckte er sich durch ein heranfahrendes Auto, drehte sich um und rannte weg."

Kandler hat die Geschichte auch seinen Nachbarn erzählt. Dabei erfuhr er, dass bei einem Nachbarn auch schon ein Waschbär neugierig durchs Wohnzimmerfenster geschaut hatte. Zwei Waschbärsichtungen unmittelbar in der Ortschaft. Grund für den "Neuen Tag" einmal bei jemandem nachzufragen, der um die Situation weiß. Jacob Keller ist seit über eineinhalb Jahren der Wildtiermanager des Landkreises und durch seine Tätigkeit auch immer wieder mit sogenannten invasiven Arten konfrontiert. Einige Wochen sei es her, da habe er in der Waldnaabaue zum ersten Mal einen Waschbär auf einer Fotofalle entdeckt.

Dort, mitten im Vogelschutzgebiet, wolle man diese Art auf keinen Fall haben, sagt Keller und erklärt, dass Waschbären gute Kletterer seien und kein Ei, das in einem Nest liege, verschmähen. Machen sich die Tiere hier breit, könne das das Aus für Kranich, See- und Fischadler bedeuten, also die heimischen Arten, die sich langsam wieder hier ansiedelten.

Tier tappt in die Falle

Keller handelte prompt und stellte eine spezielle Waschbärfalle auf. Als Köder diente Nutella. Nach zwei Tagen tappte der Waschbär in die Falle. Es handelt sich bei dieser Falle um eine ganz spezielle Konstruktion mit dreifacher Sicherung. Denn Waschbären seien sehr intelligente Tiere, die Mechanismen durchschauen könnten und dadurch in der Lage seien, auch eine einfach gesicherte Falle zu öffnen.

Es gäbe sogar Videos, wo zu sehen sei, dass andere Waschbären, einen in Not geratenen Artgenossen beistehen und in der Lage sind, ungenügend gesicherte Fallen zu öffnen. Für diese Tiere sei es auch ein Leichtes, zum Beispiel Schuppentüren oder Fenster zu öffnen. Für sie sei auf ihren meist nächtlichen Streifzügen auf der Suche nach Futter alles interessant, was Menschen in ihrer Umgebung haben. Mülltonnen, Komposthaufen oder Fallobst seien magische Anziehungspunkte. Der Worstcase sei, wenn ein solches Tier ins Haus gelange. So mancher Dachstuhl sei dabei schon vernichtet worden.

Neben dem Waschbär gehörten unter anderem auch der Mink oder der Marderhund zu den nichtheimischen Arten, die sich langsam breit machen. Ein Marderhund sei in den vergangenen Jahren im Landkreis erlegt worden. Zum einen kämen die fremdländischen Pelzträger aus ehemaligen Pelztierfarmen, wo sie entweder entkommen oder einfach freigelassen wurden. Speziell beim Waschbär kennt Jacob Keller noch eine andere Ursache für das Auftauchen. Unter der nationalsozialistischen Führung während des Dritten Reichs seien viele Tierarten bewusst ausgesetzt worden, um die Vielfalt an jagdbarem Wild zu erhöhen. Genaue Zahlen kennt der Wiltdiermanager nicht.

Bisam etabliert

Im Jagdjahr 2018/19 wurden im Landkreis fünf Waschbären entnommen (geschossen). Vier bis sechs Junge wirft ein Weibchen pro Jahr. Wenn sich ein Waschbär auf Dauer niederlässt, wende man sich am besten an den zuständigen Jagdpächter, empfiehlt Keller. Der Wildtiermanager weist darauf hin, dass für den Fallenfang ein Sachkundenachweis erforderlich ist. Dafür müsse man einen speziellen Lehrgang ablegen.

Etwa 20 verschiedene Fallen hat Keller im Gebrauch. Darin finden sich Mink, Fuchs, Dachs, Biber und Marder. Die bekannteste nichtheimische Art sei wohl der Bisam. Der habe sich längst etabliert und sei gefühlt schon ewig hier. Bemühungen, ihn wieder loszuwerden, scheiterten bisher.

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