19.10.2018 - 19:37 Uhr
Schönlind bei VilseckOberpfalz

Hensch: "Der norddeutsche Blick auf Bayern ist nicht frei von Klischees"

Mathias Hensch stammt aus der Lüneburger Heide und arbeitet als Archäologe in der Region. Die Oberpfalz sei seine Herzensheimat, gesteht er. Aber Hensch äußert auch Kritik.

Mathias Hensch stammt aus Niedersachsen.
von Julian Trager Kontakt Profil

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt’s?

Mathias Hensch: Nein, Oberpfälzer sind sehr offene Leute. Vielleicht sind manche ein bisschen distanzierter, aber das kommt mir als Norddeutschen entgegen. Ich habe ihn nicht als Sturkopf erlebt, aber es gibt natürlich unterschiedliche Charaktere. Man kann den Oberpfälzer nicht über einen Kamm scheren.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Mathias Hensch: Ich wusste, dass die Oberpfalz eine interessante Geschichte hat, es ein heterogenes Gebilde ist mit unterschiedlichen Bestandteilen der Bevölkerung. Ich habe ja schon lange in der Region gearbeitet.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Mathias Hensch: Ich kann mir durchaus vorstellen, wieder zurückzugehen. Meine Frau und ich kriegen ein Kind. Aber das hier ist beruflich meine Herzensheimat. Und wir fühlen uns hier sehr wohl. Momentan spielen wir nicht mit dem Gedanken, wir bleiben erstmal hier. Da meine Eltern noch in Niedersachsen leben, fahre drei bis vier Mal in die alte Heimat. Mit meinem Beruf ist das aber nicht so einfach, es ist ja schon eine lange Strecke.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Mathias Hensch: Der norddeutsche Blick auf Bayern ist nicht frei von Klischees - Lederhose, Trachtler und so. Ich erzähle, dass das Land sehr vielschichtig ist, sehr spannend, traditionsbewusst. Das gibt es in einer protestantisch geprägten Region gar nicht, diese Wirtshauskultur. Man hat hier eine sehr hohe Lebensqualität. Das einzige, was ich schade finde, ist, wie die Oberpfälzer mit ihren traditionellen Häusern umgehen. Das finde ich bedenklich. Es gibt kaum noch alte, gut erhaltene Häuser. Die Oberpfälzer können doch stolz auf ihre Geschichte sein, wie vielschichtig es hier ist. Die Oberpfalz hat mit die interessanteste Landschaft in Bayern. Die ist sehr reizvoll. Aber auch die historischen Städte wie Amberg, Sulzbach, Weiden oder Regensburg. Und die Burgen! Die Schlösser!

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihm nach Feierabend ein Bier trinken?

Mathias Hensch: Ja, ich verstehe alles, bin ja mit der Arbeit viel herumgekommen und einigermaßen sprachbegabt. Und ich bin mit der Sprache jetzt seit gut 30 Jahren vertraut. Manchmal ist es schade, wenn Leute mich sprechen hören und mich sofort in die preußische Ecke stellen.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Mathias Hensch: Kann ich nicht beantworten, weil ich nicht weiß, wie sich ein Oberpfälzer fühlt. Ich fühle mich hier auf jeden Fall daheim, fühle mich hier wohl.

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