Schönsee
22.01.2019 - 16:58 Uhr

Edeka-Markt hinterlässt Lücke

Das einzige Lebensmittelgeschäft im Ortszentrum von Schönsee wird es ab Mitte Februar nicht mehr geben. Inhaber Matthias Luger junior verweist auf betriebswirtschaftliche Gründe.

Wenn der "Luger-Markt" am 9. Februar schließt, dann verliert die Hauptstraße in Schönsee einen Anziehungspunkt. Die Bürger setzen sich mit Unterschriftslisten für den Erhalt des Nahversorgers ein. Bild: Portner
Wenn der "Luger-Markt" am 9. Februar schließt, dann verliert die Hauptstraße in Schönsee einen Anziehungspunkt. Die Bürger setzen sich mit Unterschriftslisten für den Erhalt des Nahversorgers ein.

"Ja, es ist schade", sagt die Verkäuferin an der Kasse des Edeka-Marktes mit leiser Stimme, als sie auf das Plakat an der Eingangstüre angesprochen wird. Die Mitteilung, dass der Laden am 9. Februar schließt, ist mit einem Dank an die treuen Kunden verbunden. Wenn es im Lebensmittelmarkt in Nähe des Rathauses dunkel bleibt, dann verliert die Schönseer Hauptstraße einen wichtigen Anziehungspunkt.

Zunächst nur Gerücht

Die Bevölkerung und auch Bürgermeisterin Birgit Höcherl haben erst vergangene Woche von den konkreten Schließungsplänen erfahren. "Schon vor Weihnachten kursierten Gerüchte", sagt Höcherl auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien und betont: "Ich würde es extrem schade finden, wenn wir unseren wichtigsten Nahversorger nicht mehr in der Ortsmitte hätten." Sie denkt dabei vor allem an die älteren Bürger, für welche mit der Schließung ein Stück Selbstständigkeit zu Ende geht. Denn am Ort gibt es nur noch einen Lebensmittel-Discounter (Norma), der sich am Stadtrand an der Eslarner Straße ohne fußläufige Anbindung angesiedelt hat. Mit einer Unterschriftenaktion wehren sich die Bürger gegen die Schließung. Die Listen liegen nur noch bis Mittwoch in Geschäften, Praxen und im Rathaus aus. Denn die Zeit drängt.

"Es fällt mir nicht leicht, das Lebenswerk meines Vaters aufzugeben", sagt Matthias Luger junior, "aber es lässt sich wirtschaftlich nicht mehr darstellen". Er verstehe die Nöte der älteren Leute, und auch für ihn sei die Schließung nicht angenehm. Doch der Laden laufe seit Jahren mit einem "nicht sehr guten Ergebnis."

Nun stehe er vor der Entscheidung, aufgrund gesetzlicher Vorgaben viel Geld in die Hard- und Software und in den Umbau zu investieren. Umsatzvolumen und Einkaufsverhalten der Kunden würden aber zeigen, dass nur Märkte ab 1200 Quadratmetern und genügend Parkplätzen vor der Tür eine Überlebenschance haben. Der Edeka-Markt, der seit Jahren als Nachbarschaftsmarkt "Nah & gut" firmiert, habe aber gerade einmal 350 Quadratmeter. Und auch die Anlieferung sei nicht ebenerdig möglich. Der Unternehmer betreibt nicht nur den "Edeka Luger" in Oberviechtach mit großem Erfolg, sondern auch die Filialen in Weiden (Neustädter Straße) und Tirschenreuth.

Ich würde es extrem schade finden, wenn wir unseren wichtigsten Nahversorger nicht mehr in der Ortsmitte hätten.

Bürgermeisterin Birgit Höcherl

Bekannt für frisches Obst

Als der Vater vor acht Jahren in den Ruhestand ging, habe er auf dessen Bitte hin auch den Laden im Erdgeschoss des Elternhauses übernommen. "Ich wusste schon damals, dass es nicht einfach sein wird, diesen zu halten." Der Markt versorgte die Bevölkerung weiterhin mit einem breiten Lebensmittelsortiment, einem Backshop und vor allem frischen Obst und Gemüse in großer Auswahl. Damit hatte sich schon der Vater ab den 60er Jahren einen Namen in der Region gemacht, als er mit dem Lkw durch die Dörfer fuhr und Bananen, Orangen und Melonen verkaufte. Viele ältere Bürger erinnern sich noch gerne daran. Sie sind es auch, die von der Schließung am meisten betroffen sind. Lisbeth Balk, die ehrenamtlich bei der Nachbarschaftshilfe aktiv ist, betont: "Ich empfinde es als schweren Verlust." Das bestätigt auch die Leiterin des Seniorenkreises, Betty Wirnshofer. Sie unterstützt von Fall zu Fall beim Einkaufen und weiß: "Viele fahren mit dem Rollator durch die Hauptstraße und können sich ihre Lebensmittel noch selbstständig holen." Schönsee ist für die Ortsteile und auch für die Gemeinden Stadlern und Weiding ein wichtiger Mosaikstein bei der Nahversorgung.

Der Bürgerbus holt die Leute aus den Dörfern im festen Turnus zum Einkaufen ab. Das wird gut angenommen, denn die kleine Stadt hat neben dem Edeka-Markt und dem Kaufhaus Köck im Zentrum einiges zu bieten: 2 Bäcker, 2 Metzger, Friseur, Schuhgeschäft, Apotheke, 2 Hausarztpraxen, Zahnarzt, Tierarzt, 3 Physiotherapeuten sowie Filialen von Sparkasse und Raiffeisenbank. Lisbeth Balk befürchtet, dass mit der Schließung auch die umliegenden Geschäfte Kundschaft verlieren. "Wenn der Luger aufhört, dann spüren wir das auch", heißt es beispielsweise bei der Metzgerei ein paar Häuser weiter.

Mitarbeiter informiert

Das Personal hat Matthias Luger von der Schließung persönlich informiert und jedem Mitarbeiter ein Angebot zur Übernahme in den beiden Filialen Oberviechtach oder Weiden zu gleichen Konditionen unterbreitet. "Ich stelle niemanden aus!", bekräftigt der gebürtige Schönseer.

Es fällt mir nicht leicht, das Lebenswerk meines Vaters aufzugeben.

Matthias Luger junior

 
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