04.02.2020 - 17:47 Uhr
SchönseeOberpfalz

Einst blühende Betriebe, heute Ruinen

Wie aus blühenden Mühlen und Schleifen Ruinen wurde, dokumentiert der tschechische Heimatforscher Zdeněk Procházka in einer Buchreihe. Seine Buchvorstellung im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) stößt auf riesengroßes Interesse.

Gerne signierte Zdeněk Procházka (links) den vorgestellten dritten Band der Dokumentation über „Mühlen und Wasserbetriebe des Tachauer und Mieser Gebiet“
von Hans EibauerProfil

Wie immer im Centrum Bavaria Bohmeia (CeBB) in den letzten Jahren: Wenn es um zeitgeschichtliche Themen des bayerisch - böhmischen Grenzraums geht, ist das Interesse riesengroß. Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Vortragsraum bb-dialog am vergangenen Donnerstag im CeBB, als Leiterin Veronika Hofinger den Autor, Verleger und Historiker Zdeněk Procházka zur Vorstellung des 3. Bands seiner Dokumentation "Mühlen und Wasserbetriebe des Tachauer und Mieser Gebiet" willkommen hieß und auf die Kooperation mit dem CeBB bei der Veröffentlichung und die damit mögliche Förderung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds einging.

Die Kraft des Wassers zu nützen, war der Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung in den ländlichen Regionen des Nachbarlands in den zurückliegenden Jahrhunderten. "Die Werte der Vergangenheit in Büchern festzuhalten, ist meine Leidenschaft. Sie müssen sich das Entstehen der dreibändigen Bild- und Textdokumentation als langen Prozess vorstellen. Zwanzig, ja fast dreißig Jahre war ich zu Fuß an den Bachläufen im Tauchauer und Mieser Gebiet unterwegs, suchte nach den Relikten der Wasserkraftnutzung an den kleinen Bächen, machte mir Notizen, fotografierte und sammelte einfach, was ich entdeckte. 327 die Wasserkraft nützende Betriebe habe ich gefunden und dokumentiert" sagte Zdeněk Procházka eingangs seines detailreichen Vortrags. Der Autor blättert für die Gäste des Abends auf der Leinwand durch sein Buch und erzählt zu den Fotos, was er bei seinen ersten Begehungen gefunden hat, was in der Zwischenzeit passierte, wie sich die Eigentumsverhältnisse änderten und wie heute nur noch wenige dieser Baudenkmäler der Industriegeschichte übrig sind. "Früher waren es blühende Betriebe, heute stehen wir vor den Ruinen oder sehen nur noch ein paar noch nicht verrottete Eisenteile, Glasscherben, Steinquader und vielleicht noch den Stumpf einer Antriebswelle aus Eichenholz" war das traurige Fazit von Zdeněk Procházka.

Die über dreihundert aus der Wasserkraft schöpfenden Betriebe waren in der Entstehungszeit hauptsächlich Getreidemühlen, dazu Eisenhämmer, Sägen, Glasschleifen, Papier-, Glaspolier- und Pochwerke. Die Ausnützung der Wasserkraft war sehr vielfältig. Erste Aufzeichnungen stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert, vor allem im 19. Jahrhundert drang die Industriealisierung dank der Wasserkraft in die ländlichen Regionen im Grenzgebiet vor. "Die Besitzer waren fast durchweg Sudetendeutsche. Von den über 300 bis 1945 vorhandenen Betrieben blieben nach der Vertreibung ganze zwei Betriebe übrig" war einer der Befunde. Die über vierzigjährige kommunistische Ära nach dem 2. Weltkrieg beschleunigte den Verfall durch die Verstaatlichung der Besitztümer und vielen gescheiterten Versuchen der Nachbesiedlung. Im Vortrag und in den drei Bänden gibt es nicht nur Bilder von Ruinen, alten Plänen und spärlichen Überbleibseln, sondern auch Lichtblicke. Nach der Wende siedelten sich ein paar Enthusiasten an, die mit viel Leidenschaft und Handarbeit über lange Jahre einige der Mühlen auf den alten, freigelegten Fundamenten wieder aufbauten. Darunter die Max-Mühle im tschechischen Frauenthal oder die Mühle bei Waldheim ganz nah an der bayerischen Grenze. Nach dem Vortrag signierte der Autor mit Freude seinen Bildband und beantworte noch viele Fragen der Gäste beim Stehimbiss. Immer wieder war zu hören, auf Mühlenentdeckungstour zu gehen.

CeBB-Leiterin Veronika Hofinger (rechts) begrüßt Zdeněk Procházka, Gast des Abends (links) und freut sich über den hervorragenden Besuch
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