Die Reinigungskraft traut ihren Augen nicht. Am einem Freitagmittag gegen 13 Uhr hat sie laut Bürgermeister Reinhard Kreuzer die öffentliche Toilette im Schönseer Rathaus geputzt, doch als sie vier Stunden später noch einmal die Kabinen kontrolliert, ist sie fassungslos: Kot überall, "beinahe malerisch in der kompletten Kabine verteilt", so wird der Anblick in einer Pressemitteilung der Stadt geschildert. "Dieses Mal wurde zusätzlich zur üblichen Kot-Kunst noch ein Haufen auf dem WC-Deckel hinterlassen", heißt es da.
Es ist nämlich nicht der erste Fall dieser Art, der für Empörung sorgt. Erst im Dezember hatten Vandalen in der Rathaus-Toilette eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Auf dem Damen-WC wurde ein Waschbecken herausgerissen, bei den Herren ein in der Wand verankerter Seifenspender. Ein Schaden in Höhe von 500 Euro wurde damals festgestellt, es kam zu einer Anzeige wegen Sachbeschädigung. Aber auch mutwillige Schmierereien mit Exkrementen sind nicht neu: Im Vorjahr gab es im April einen Vorfall, bei dem die Toiletten-Anlage so verunreinigt wurde, dass dies eine Großreinigungsaktion mit Dampfstrahler und weiteren Desinfektionsmaßnahmen nach sich zog.
Konsequenzen angekündigt
"Das ist einer Putzkraft nicht zuzumuten", empört sich der Schönseer Bürgermeister nun über die jüngste "Schweinerei". In der Verwaltung kennt man weitere Fälle von verunreinigten Toiletten am Friedhof und im Freibad. Aber am schlimmsten sei es im Rathaus. "Und das auch noch tagsüber, eine solche Dreistigkeit schlägt dem Fass den Boden aus", schimpft Kreuzer und kündigt Konsequenzen an, falls das noch einmal passiert. Schon einmal war die Toilette nach dem Vorfall im April des vergangenen Jahres für zwei Wochen zugesperrt. Doch der Rathauschef weiß auch, dass er damit Menschen trifft, die unschuldig unter diesem "Akt der Barbarei" zu leiden hätten.
"Für alle Senioren, die beispielsweise mit dem Bürgerbus kommen, ist es wichtig, dass es ein öffentliches WC gibt", schildert Kreuzer das Dilemma. Den Täter ausfindig zu machen, sei schwierig. Zweimal habe es Anzeigen gegeben, "aber das bringt nichts, das verläuft im Sande". Eigentlich sei auch der Zugang zur Toilette vom Getränkemarkt nebenan einsehbar. "Aber wer kontrolliert da schon, nachdem jemand das Klo verlässt?", stellt er klar und verweist auf eine durchaus heikle Problematik, falls man am Eingang eine Video-Kamera installieren würde. Damit greife man schnell in die Privatsphäre ein, und man würde dann außerdem auch eine öffentliche Straße im Fokus haben.
Vor einem ähnlichen Dilemma steht man beim Bayerischen Roten Kreuz. Da war es kürzlich ein Altkleider-Container in Gaisthal, an dem Mitarbeiter mit einer ausgesprochen ekligen Entdeckung konfrontiert waren: Zwischen den Kleiderspenden fanden sich beim Entleeren des Containers auch Säcke mit Gammelfleisch und verdorbenen Lebensmitteln. "Dass die Abfälle versehentlich in den Container gerieten, ist ausgeschlossen, da solche unappetitlichen Aktionen bereits bekannt sind", heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung. Sogar ganze Schweineköpfe seien in dem Container schon „entsorgt“ worden.
Wut oder Mutprobe?
Bei der Stadt geht man in beiden Fällen davon aus, dass Menschen auf diese Art und Weise ihren Protest kundtun wollen, ihre Wut abreagieren und denjenigen, auf die sie eben wütend sind, schaden wollen. "Übermut, Alkohol, Drogen, vielleicht eine Mutprobe oder einfach nur Langeweile", zählt der Leiter der Oberviechtacher Polizeiinspektion, Werner Linhart, mögliche Motive der Täter auf, "da gibt es verschiedenste Beweggründe". Gerade nach dem Genuss von Alkohol und Drogen sei das Verhalten "nicht unbedingt steuerbar", gibt er zu bedenken. Immerhin seien diese Phänomene auf dem Land noch "eher die Ausnahme".
Bei einer Internet-Recherche von Oberpfalz-Medien taucht die TikTok-Challenge "Devious Licks" in Zusammenhang mit Vandalismus auf Toiletten auf. Ein TikTok-Nutzer hat demnach mit dem Diebstahl eines Desinfektionsspenders aus der Schule einen Trend ausgelöst. Er filmte sich bei der Tat und stellte das Video ins Netz. Der Beitrag wurde millionenfach geklickt, es gab Nachahmer, die sogar Brände legten. Unabhängig davon zeigt ein Blick auf die Medien, dass der Vandalismus in öffentlichen Toiletten in ganz Deutschland Hochkonjunktur hat, von Hamburg bis Halle, von Aachen bis Weimar. Auch die Oberpfalz blieb in den vergangenen Jahren nicht verschont: Pressath, Nabburg oder Schwarzenfeld gehörten zu den "Tatorten".
Egal ob nun Mutprobe oder Ausdruck von Wut. Was bei solchen Aktionen nicht bedacht werde, ist, dass dies grundsätzlich immer die „Kleinen“ trifft, diejenigen, die die Schweinereien wieder beseitigen müssen, so ein Hinweis der Stadt Schönsee. "Die Sortierung, die Säuberung und die Entsorgung kosten Zeit, Überwindung und Geld. Und zwar das Geld der Allgemeinheit." Was für die Altkleider-Container gilt, kann künftig auch andere öffentliche Serviceleistungen gefährden. "Das System stirbt, wenn Hausmüll entsorgt wird", hat kürzlich der Oberviechtacher BRK-Bereichsleiter Christian Ostermeier in Zusammenhang mit illegaler Entsorgung in Altkleider-Containern festgestellt.
So manche Schule steuert der mutwilligen Verunreinigung von Toiletten inzwischen mit einer Klo-Wache entgegen oder rationiert WC-Papier. Die German Toilet Organization, ein 2004 gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich weltweit für eine Verbesserung der Sanitärversorgung einsetzt, hat das Schulklo als Brennpunkt entdeckt und es gemeinsam mit dem Institut für öffentliche Gesundheit und Hygiene (IHPH) der Universität Bonn wissenschaftlich untersucht. Ein Ergebnis der Studie: Eine stärkere Einbeziehung der Schüler hilft bei der Prävention, ebenso wie eine erhöhte Reinigungsfrequenz. Letzteres dürfte in Schönsee kein Rolle gespielt haben: "Das Klo ist ja gerade erst kurz vor dem Vorfall geputzt wurden", so der Bürgermeister.
Vandalismus in Toiletten: Fälle aus der Oberpfalz
- Nabburg: mehrere Vorfälle mit Überschwemmung und Verstopfung der Toilette am Rathaus im Februar 2022, daraufhin Öffnung nur noch zu Kernzeiten
- Schwarzenfeld: nach mehreren Vorfällen von Vandalismus im WC hinter dem Rathaus investiert die Kommune 2020 in eine Überwachungskamera
- Pressath: massive Verschmutzung, Beschädigung und Schmierereien im Dezember 2022 auf der Toilette in der Professor-Dietl-Anlage
- Waldershof: Randalierer kippen im Mai 2021Toilettenkabine um
- Wernberg-Köblitz: Friedhofstoilette im November 2017 unter Wasser gesetzt
- Amberg: jugendliche Randalierer werfen im Februar 2024 eine Baustellen-Toilette um; April 2023 WC am Busbahnhof in Brand gesteckt


















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