06.06.2021 - 09:37 Uhr
SchönseeOberpfalz

Die etwas andere "Grenzerfahrung" im Schönseer Land: Wanderung in verlassene Dörfer

Seit Mitte Mai dürfen Wanderer und Radfahrer wieder nach Tschechien. Die Tourist-Information im Schönseer Land lädt daher zu kurzen Touren ins Grenzgebiet ein. Die Ziele sind nicht neu, jedoch voller Überraschungen.

Weil die Corona-Fallzahlen in Deutschland und Tschechien gesunken sind, darf die Grenze in Friedrichshäng wieder passiert werden. Ohne Test, Quarantäne und Online-Anmeldung kann man für maximal zwölf Stunden über die Grenze.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Corona-Fallzahlen in Bayern und Tschechien sinken. Der Schlagbaum in Friedrichshäng ist nach monatelanger Abriegelung wieder offen: Ohne Test, Quarantäne und Online-Anmeldung darf man seit Mitte Mai für maximal zwölf Stunden wieder ins Nachbarland. Wandern und Radfahren im Grenzgebiet des Schönseer Landes ist damit erlaubt und möglich. Die Tourist-Information bietet daher Gästen und Einheimischen die geführten Wanderungen an.

Die Tour zum verlassenen Dorf Bügellohe auf dem ehemaligen Sautreiberweg ist seit Jahren ein besonderes Schmankerl. Alle, die sich für Natur und Geschichte interessieren, kommen hier auf ihre Kosten. Im einzig noch gut erhaltenen Haus wurde ein Museum eingerichtet, welches die Geschichte des Dorfes und seiner ehemaligen Bewohner erzählt.

Neue Ruine entdeckt

Wanderführer Ernst Meindl hat die Ruine des Wirtshauses "Zum Dorfkrug", 300 Meter entfernt in Richtung Grenze, entdeckt. Wie er im Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion berichtet, will er diese künftig in die geführte Wanderung einbinden. Auf die relativ gut erhaltene Ruine - mit Teilen von Kamin, Dach und Lehmwänden - sei er durch einen Wanderfreund aufmerksam geworden.

Bügellohe wird gerne als das "vergessene Dorf an der Grenze" bezeichnet. Elf sudetendeutsche Familien aus den böhmischen Orten Wenzelsdorf und Rappauf, nach dem Zweiten Weltkrieg im Sperrgürtel des einstigen Eisernen Vorhangs gelegen, suchten auf ihren meist eigenen Grundstücken auf der anderen Seite eine vorübergehende Bleibe. Hier wollten sie der drohenden Vertreibung entgehen und später wieder in ihr Dorf zurückkehren. Dieser Traum platzte. 1969 verließen die letzten Bewohner die Siedlung.

Vier Kilometer sind es vom Wanderparkplatz, dem sogenannten Vierziger, an der Staatsstraße zwischen Dietersdorf und Stadlern bis hinauf nach Bügellohe. Vorbei an historischen Grenzsteinen und durch Hohlwege führt der Steig an der Landesgrenze aufwärts. Die Bäume erlauben immer wieder Blicke auf saftige Wiesen, Baumgruppen und eine liebliche Landschaft im Nachbarland. Für Gruppen gibt es drei verschiedene Angebote (siehe Kasten). Bei der Geschichtsszene berichtet eine Darstellerin vom kargen Leben auf der Bügellohe, was auf Erinnerungen einer ehemaligen Bewohnerin beruht.

Auf dem gegenüberliegenden Hügel geht der Blick bis zu einer Schneise. Das ist der Weg von Friedrichshäng nach Ples (deutsch: Plöß), einem weiteren untergegangenen Dorf entlang des bayerisch-böhmischen Grenzstreifens. Auch hier gibt es einen Einblick in die Geschichte eines einst mit viel Leben erfüllten blühenden Ortes jenseits der Grenze. Die Tourist-Information wartet seit vielen Jahren, jeweils freitags, mit einer geführten Wanderung nach Ples, einem Gemeindeteil von Belá nad Radbuzou auf. Diesen festen Tag gibt es ab sofort nicht mehr. Wie Wanderführer Ernst Meindl im Redaktionsgespräch erzählt, können Termine nach Absprache gebucht werden. Gruppen ab fünf Personen zahlen 30 Euro. Abmarsch auf die zwei Kilometer lange Strecke (einfach) ist in Friedrichshäng; Dauer mit Einkehr (bei Wirt Marek Hrusa oder im Grenzwirtshaus Gerstmeier) circa drei Stunden.

Kapelle wieder aufgebaut

Zum religiösen Leben gehörte die 1684 errichtete Friedhofskirche und eine 1906 eingeweihte Dorfkirche. Für das gesellschaftliche Leben existierten einige Gastwirtschaften, die von bayerischen und tschechischen Gästen besucht wurden. "Zur Sommerfrische in Plöß sind früher die Urlauber bis von Prag gekommen", berichtet Ernst Meindl. Er informiert die Wanderer auch über die Kapelle, die es seit 2016 wieder gibt. Und er steuert den instandgesetzten einstigen Friedhof an. Die untergegangene Ortschaft Plöß (765 Höhenmeter) wurde 1606 erstmals urkundlich erwähnt.

Der Schlagbaum nach Tschechien ist wieder offen

Bayern

"Zur Sommerfrische in Plöß sind früher die Urlauber bis von Prag gekommen."

Wanderführer Ernst Meindl berichtet bei den geführten Wanderungen interessante Details

Wanderführer Ernst Meindl berichtet bei den geführten Wanderungen interessante Details

Hintergrund:

Geführte Wanderungen im Schönseer Land

  • Das verlassene Dorf Bügellohe. Länge: 8 Kilometer; Dauer: circa 3,5 Stunden. Kosten pro Gruppe: Führung 30 Euro; Führung mit Geschichtsszene 60 Euro; nur Geschichtsszene (1 Darsteller) ohne Wanderung 30 Euro. Mit Kurkarte gibt es Ermäßigungen. Auf Wunsch servieren die Pascherwirte bei der Rast in der Bügellohe eine rustikale Schmuggler-Brotzeit (9 Euro pro Person).
  • Ehemalige Ortschaft Pleš (Plöß) in Böhmen. Änderung: Nicht mehr jeden Freitag im Angebot, sondern nach Absprache und Anmeldung bei mindestens fünf Personen. Länge: 4 Kilometer; Dauer: circa drei Stunden mit Einkehr. Kosten: 30 Euro pro Gruppe.
  • Informationen und Anmeldung: Tourist-Info, Telefon 09674/317; touristinfo[at]schoenseer-land[dot]de bzw. bei Ernst Meindl, Telefon 09674/1629, Handy 0151/21992058. Anmeldung mindestens drei Tage vor gewünschten Termin notwendig.
  • Die Stadt Schönsee sucht weitere Wanderführer. Interessierte können sich im Rathaus (Telefon 09674/92120 melden.

 

 

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