19.06.2019 - 15:10 Uhr
SchönseeOberpfalz

Fahrplan für Flickerlteppich offen

Es wird Jahre dauern bis die Straßen- und Wegesanierung in der Siedlung rund um die Böhmerwaldstraße und in der Freyung abgeschlossen sind. Ob "Kosmetik" oder Vollausbau für rund 6,5 Millionen Euro wird der Stadtrat noch festlegen.

Keine Frage. Die Böhmerwaldstraße bedarf dringend einer Sanierung. Aber auch die davon abgehenden Straßen in der Siedlung weisen Schäden auf. Im Stadtrat wurde am Dienstag die Entwurfsplanung vorgestellt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Böhmerwaldstraße ist ein einziger Flickerlteppich. Doch auch die davon abgehenden Straßen wie die Adelbert-Stifter-Straße oder der Magdalenenweg sind in keinem guten Zustand. Dipl.-Ing. Doris Nerl-Pfeil vom Büro "Beraten und Planen GmbH" aus Neunburg vorm Wald stellte in der Sitzung am Dienstag die Entwürfe für die Sanierung vor. "Es ist heute nur eine Information. Der Stadtrat kann die Prioritätenliste und den Zeitraum festlegen", betonte Bürgermeisterin Birgit Höcherl eingangs.

Kanalbefahrung nötig

"Unser Büro hat die Straßen in der Schönseer Siedlung nach Mängeln untersucht und bei fast allen auch welche festgestellt", erklärte die Bauingenieurin. Diese beträfen Rinnen, Sinkkästen und den Zustand der Asphaltdecke. Beim Abwasserkanal wurden die Daten aus dem Jahr 2004 zugrunde gelegt. "Das sind 15 Jahre. Wir brauchen unbedingt eine neue Kanalbefahrung", so die Expertin. Laut der Bürgermeisterin soll die Befahrung Zug um Zug, je nach anstehender Maßnahme, vorgenommen werden. Was ebenfalls noch fehlt, sei ein Bodengutachten. Die anschließend genannten Euro-Beträge seien deshalb auch nur geschätzte Kosten.

Doris Nerl-Pfeil stellte die Maßnahme in fünf Bauabschnitten vor. Die "Kosmetik" - damit die Straße ihre Funktionsfähigkeit behält - wäre mit Verfugung der Bordsteine, Anhebung der Sinkkästen und Sanierung der Rinnen schon für rund 612 000 Euro zu haben. Die Komplettsanierung mit Wasserleitung, Hausanschlüssen und punktueller Kanalsanierung (mittels Inliner bzw. im offenen Graben) sowie Straßenbeleuchtung und Speed-Pipe kostet dagegen geschätzte 6,5 Millionen Euro. Abzüglich Zuschüssen (Schönsee ist RZWas-förderfähige Kommune) bleiben 4,3 Millionen Euro übrig. Laut Höcherl entstehen nach dem Wegfall der Straßenausbaubeiträge keine Anliegerkosten.

Als Bauabschnitt eins wäre der Bereich Freyung mit Osterbrunnenweg sinnvoll, nachdem hier ein Zuschuss nach der Städtebauförderung möglich ist. Die Böhmerwaldstraße (rund 2,1 Millionen Vollausbau) steckte die Planerin in den letzten Bauabschnitt, nachdem darüber der gesamte Baustellenverkehr für die Siedlungsstraßen (wie Jochelweg und Hans-Watzlik-Straße) läuft. "Ich würde mit der schlechtesten Straße, also der Böhmerwaldstraße anfangen", sagte Hans Pfistermeister, "denn wir müssen mit 10 bis 15 Jahren rechnen, da wir das Geld nicht haben." Diese Meinung vertrat auch Josef Eibauer. Wie Birgit Höcherl bemerkte, könnte in einigen Bereichen durchaus vorerst etwas "Kosmetik" reichen. "Das Komplettpaket ist nicht zu leisten", bemerkte auch Hans Schieber. Sein Vorschlag "teilweise abfräsen und neu asphaltieren" ist jedoch laut der Expertin aufgrund der dünnen Asphaltschicht nicht möglich. "Der Stadtrat kann heute nicht festlegen, welcher Bauabschnitt zuerst an die Reihe kommt", betonte die Bürgermeisterin. Sie rief dabei auch ins Gedächtnis, dass man "vor dem Wegfall der Strabs den Ausbau geschoben und immer darauf geschaut hat, dass man auf der Sanierungs-Ebene bleibt". Hans Schieber fielen noch die seiner Meinung zu gering angesetzten Kosten für die Freyung auf, was das Büro überprüfen wird.

Gefährlicher Einkauf

Als nächster Punkt standen zwei Gehwege im Bereich der Staatsstraße 2154 auf der Tagesordnung, die beide als Hochbord angelegt bzw. ausgebaut werden sollen. Ein Beschluss erfolgte nicht. Wie Bautechniker Anton Ziereis, ebenfalls vom Büro "Beraten und Planen GmbH" betonte, wird sich das Staatliche Straßenbauamt an den Kosten beteiligen. Auf der Dringlichkeitsstufe ganz oben steht der Bereich der "Eslarner Straße" als Anbindung vom Kolpinghaus bis zur Norma. Der Lebensmittel-Discounter werde nach dem Wegfall des Nahversorgers im Zentrum zunehmend von Fußgängern frequentiert, welche diesen auf einer Länge von etwa 160 Metern nur entlang der Staatsstraße erreichen können. Ziel sei es, den Gehweg außerörtlich auf zwei Meter zu verbreitern (mit 1,75 Meter Trennstreifen zur Straße). Ein Grunderwerb sei dafür nicht notwendig.

Der untere Gehweg bleibt bestehen, bzw. wird auf 1,50 Meter Breite ausgebaut. Die benötigte Fläche (etwa 30 Zentimeter) wird vom Straßenraum abgetreten. Peter Pfaffl sah hier ein "Verkehrschaos" vor der Praxis. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass Autos innerorts nicht auf dem Gehweg, wohl aber auf der Straße parken dürfen. Dies sorge oft sogar für eine Verkehrsberuhigung. Anton Ziereis bezifferte die Kosten auf rund 87 000 Euro. Geschäftsleiter Matthias Jeitner fügte an, dass Erschließungsbeiträge für die Anlieger rechts und links (ab Praxis Killer) mit aktuell rund 90 Prozent anfallen werden. Auf Nachfrage versicherte Höcherl, dass sie mit der Norma zwecks Kostenbeteiligung im Gespräch sei. Der zweite Gehweg an der Staatsstraße 2154 liegt im Bereich der Weidinger Straße. Die Stadt Schönsee möchte diesen ab der Einmündung "Freyung" bis zum Pflegeheim "Jägerhof" behindertengerecht (raue Oberflächenstruktur) umgestalten. Ferner wird beabsichtigt, die fehlende fußläufige Anbindung (etwa 100 Meter) zum Baugebiet "Am Osterbrunnen" zu beseitigen. Enthalten ist auch der Gehweg beim "Zäch-Anwesen". Innerorts soll der Gehweg auf zwei Meter verbreitet werden. Die Kosten belaufen sich auf circa 119 000 Euro (inclusive Borde und Entwässerungseinrichtung).

Friedhofsblumen geklaut:

Pietätlose Tat

„Am Schönseer Friedhof ist ein Blumen-Dieb unterwegs“, informierte Stadtrat Andreas Hopfner zum Ende der Sitzung. Auch Bürgermeisterin Birgit Höcherl hatte davon schon gehört. Aktuell sei am Montag ein Grabbesitzer deswegen im Rathaus vorstellig geworden und habe sich beschwert. Seit einigen Wochen sei es immer wieder vorgekommen, dass blühende Pflanzen ausgegraben und mitgenommen werden. „Es ist für mich unvorstellbar, wie man so etwas machen kann“, sagte Höcherl. Für die Betroffenen zähle dabei weniger der materielle Wert, als der Eingriff in einem geschützten Bereich. Der Appell der Räte galt allen Bürgern, die Augen offen zu halten, um diese pietätlosen Taten aufzuklären.

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