18.02.2020 - 11:06 Uhr
SchönseeOberpfalz

Fußball ebnet den Grenzverkehr

Vor fast 100 Jahren kennt der Fußball im Schönseer Land keine Staatsgrenze. Später sorgt die politische Lage für eine lange Spielunterbrechung. Heuer ist es 30 Jahre her, dass Teams aus der Oberpfalz und Westböhmen gegeneinander spielen.

Mit großen Plakaten wurde im Februar 1990 im westböhmischen Poběžovice (Ronsperg) das erste Fußballspiel zwischen dem örtlichen Fußballclub TJ Lokomotiva und dem TSV Stadlern angekündigt.
von Ludwig HöcherlProfil

Von einem Fußballspiel des 1. FC Schönsee gegen das Team aus Ronsperg (Ergebnis 1:1) im Jahr 1925 schrieb der Verfasser der Festschrift zur Einweihung des Vereinsheims an der Böhmerwaldstraße im Jahr 1987. 1:1 endete die Begegnung damals.

Über das Rückspiel, das wenige Wochen später in Ronsperg, dem heutigen Poběžovice, ausgetragen wurde, hatte Josef Manner, Gründungsmitglied des 1921 ins Leben gerufenen FC, dem Autor berichtet, dass die Fahrt mit dem Pferdegespann des "Reichenberger Bot’n" (damals Güterspediteur in Schönsee) unternommen wurde. Dabei kam der Mannschaftswagen der Feuerwehr Schönsee zum Einsatz. Während der Fußballpartie wurden die beiden Pferde neben dem Sportplatz gefüttert und getränkt. Die Rückfahrt dauerte rund drei Stunden, ehe die Fußballer am Abend wieder in Schönsee eintrafen.

Es kam, wie sich in einem weiteren Absatz der Festschrift erschließt, öfters zu Aufeinandertreffen dieser beiden Teams. Ergänzend dazu verweist Dr. Teresa Guggenmoos in der Chronik der Stadt Schönsee auf Freundschaftsspiele der Schönseer in den 1920er Jahren "in den böhmischen Orten Hostau und Muttersdorf".

Die Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen bescherten jedoch einen abrupten Abbruch der sportlichen Verbindungen. Dem damaligen Ende folgte jedoch wieder ein Anfang. Erste Kontakte knüpften Angehörigen des TSV Stadlern und des TJ Lokomotiva Poběžovice bei einer Grenzbegegnung in Schwarzach Anfang Februar 1990. "Offene Grenze – schon rollt der Fußball" überschrieb vor dreißig Jahren die "Grenz-Warte" den Vorbericht zu einem Spiel, bei dem sich die Stadlerner Mannschaft und die Elf von Poběžovice nur wenige Tage später, am Samstag, 17. Februar, im ehemaligen Ronsperg gegenüber standen.

Möglich machte diese Partie an jenem Tag eine Öffnung der Grenze bei Eslarn/Tillyschanz für einen Tag. Daraufhin hatten die Fußballer des TSV Stadlern mit dem tschechischen Verein ein Freundschaftsspiel für dieses Datum angesetzt. Spieler und Schlachtenbummler wurden mit dem vereinseigenen Bus im gegenüber von Tillyschanz an der Grenze liegenden Eisendorf abgeholt und zum Spielort gebracht.

Vor dem Anpfiff würdigten die Verantwortlichen beider Vereine die ersten sportlichen Kontakte zwischen den streng abgeschirmten Nachbarn dies- und jenseits der Grenze. Das knappe Ergebnis von 4:3 für die Platzherren – die Tore für den TSV erzielten Herbert Vogl, Werner Reiminger und Johann Mraz – hatte für beide Teams wohl nur statistischen Wert. Hervorgehoben wird in dem Zeitungsbericht von damals, dass sich die Ronsperger als hervorragende Gastgeber erwiesen.

Wie weiter in der "Grenz-Warte" zu lesen ist, wurden die Oberpfälzer im Vereinslokal von TJ Lokomotiva Poběžovice bewirtet, wobei ehrliche Freude über die neue politische Situation festgestellt werden konnte. Bei der Rückfahrt an die Grenze hatten die Stadlerner neben besten Erinnerungen an dieses Aufeinandertreffen als Andenken einen Wappenteller mit dem Siegel der Stadt Ronsperg aus dem Jahre 1502 im Gepäck.

Die Fußballer aus Schönsee und Rosperg bei ihrer Begegnung im Jahr 1925.
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