25.11.2019 - 14:26 Uhr
SchönseeOberpfalz

Grünes Band als Rückgrat für Naturschutz im Grenzraum

Im Naturschutzprojekt "Grünes Band" sehen viele die große Chance, den Naturraum entlang der Grenze in einen europäischen Verbund von 24 Staaten zu integrieren. Für Ende des Jahres erwarten die Akteure vor Ort ein wichtiges Gutachten.

Die Tagung im Centrum Bavaria Bohemia wurde auch zu einer Exkursion genutzt. Auf der tschechischen Seite bot sich den Teilnehmern ein Blick in die Landschaft entlang des Grünen Bands.
von Hans EibauerProfil

Das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) hat sich als Konferenzort eingespielt, wenn es um das Grüne Band geht. Die zweite Konferenz zum Thema in diesem Jahr eröffnete den Akteuren vor Ort auf beiden Seite der Grenze Perspektiven, wie sich der frühere Grenzstreifen des Eisernen Vorhangs im bayerisch-tschechischen Grenzraum in dieses Naturschutzprojekt integrieren lässt. Damit wären die Oberpfalz und die Region Pilsen Akteure im Verbund des „European green belt“, der sich über 12 500 Kilometer durch 24 Staaten vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer zieht.

Die Regierung der Oberpfalz und die tschechische Nachbarseite nahmen sich vor zwei Jahren bei einer Auftaktkonferenz im CeBB des Themas an, beauftragten Studien und versprachen, die direkt an der Grenze liegenden Kommunen, Naturschutzorganisationen, Naturparke und regionale Akteure einzubinden. Als beim Treffen im CeBB die rund 40 Teilnehmer erfuhren, dass sich der Abschluss der Studie auf bayerischer Seite bis zum Jahresende verzögern wird, machten die regionalen Vertreter aus der Oberpfalz deutlich, dass es beim Grünen Band nicht bei Studien bleiben dürfe. Die interessanten Naturraumprojekte, die sich entlang der Grenze vom Norden bis in den Süden der Oberpfalz ziehen, sollen in Kooperation mit der tschechischen Seite Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Warum das Grüne Band so interessant ist, machte Liana Geidezis vom Bund Naturschutz deutlich. Als Regionalkoordinatorin im Fachbereich "Grünes Band für Zentraleuropa" stellte sie in einem Impulsvortrag die Entwicklungen in vielen europäischen Ländern sowie die Chancen an der innerdeutschen und der deutsch-tschechischen Grenze vor. Pavel Beneš von der Regionalen Entwicklungsagentur des Pilsner Bezirks und CeBB-Leiterin Veronika Hofinger brachten die Gäste des Gesprächsforums auf den aktuellen Stand im Grenzraum Oberpfalz Tschechien.

Auch ohne die Machbarkeitsstudie auf dem Tisch, die den Akteuren vor Ort auf der bayerischen Seite Ende des Jahres Perspektiven für die Umsetzung von Projekten bringen soll, entwickelte sich im Diskussionsteil ein intensiver Meinungsaustausch. Dabei wurden auch die Unterschiede in der Herangehensweise der bayerischen und tschechischen Seite deutlich. Mit viel intensiverer Vernetzung der Akteure – auch grenzüberschreitend – und der Finanzierung einer Managementstelle, die sich um die Umsetzung der angedachten Projekte kümmert, waren die zwei wichtigsten Forderungen umrissen.

Stephan Moder, Projektleiter beim Tourismusverband Ostbayern, sieht im Grünen Band ein großes touristisches Potenzial, das unbedingt ins Marketing für Wandern, Radfahren und Erinnerungskultur im Naturraum Ostbayern-Böhmen eingebunden werden müsse. Die Erkenntnis am Schluss der Konferenz: Wenn sich der hiesige Abschnitt des Grünen Bandes im Europäischen Verbund nicht mit einer marginalen, nur auf dem Papier stehenden Nebenrolle abfinden will, dann sind Freistaat, Kommunen und regionale Akteure auf bayerischer und tschechischer Seite organisatorisch, finanziell und natürlich auch ideell gefordert.

Nach der Mittagspause, während der die Diskussionen fortgesetzt wurden, machte sich ein Teil der Konferenzteilnehmer nachmittags auf den Weg zu einer Exkursion auf andere Seite der Grenze. In der Umgebung von Lesná (Schönwald) und Svatá Kateřina stand die Umsetzung des Konzepts zum Grünen Band auf der tschechischen Seite im Mittelpunkt.

CeBB-Leiterin Veronika Hofinger (stehend) erläuterte den aktuellen Stand zum Grünen Band während des Gesprächsforum.
Mögliche Projekte:

Folgende Projekte sind entlang des Grünen Bandes in der Oberpfalz angedacht

"Offenes Grünes Band" – Biotopverbund für Bergwiesen und Feuchtwiesen: Naturschutzgebiet Niedermoor Georgenberg mit länderübergreifendem Schutzgebietsmanagement, Naturwaldzellen zur Erhaltung und Verbesserung der grenzübergreifenden Lebensräume des Auerhuhns im Künischen Gebirge.

Fließgewässer mit ihren Tälern und Einzugsgebieten: Fahrbach, Katharinenbach, Pfreimd, Pfrentschwiesen, Torflohe, Weißbach / Ascha, Böhmische Schwarzach, Rehlingbachtal, Chambtal, Warme Pastritz.

Kulturlandschaft und Naturtourismus: "Blühende Grenze" mit Kulturlandschaft- und Gestaltungsmaßnahmen, insbesondere mit dem Verbinden von Lücken zur besseren Wahrnehmbarkeit des Grünen Bands. "Geschichte erleben" an historischen Orten mit Zeugniswert, unter anderem Altstraßen, Goldene Straße, ehemalige Grenzübergänge und Zollstationen, ehemalige sudetendeutsche Siedlungen als Erinnerungsorte, historische Wallfahrtswege, miltitärgeschichtliche Orte, Aussichtsorte, Burgen. Explizit werden genannt: Tillenberg, Silberhütte, Kulturlandschaft Schönseer Land mit Info- und Besucherzentrum und Themenweg, Grafenried, Land-Art Aktionen im Gebiet Friedrichshäng, Plöß, Bügellohe, der Čerchov und andere Landmarken. (eib)

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