25.06.2019 - 13:08 Uhr
SchönseeOberpfalz

"Heimatgemeinde Plöß" macht sich für Erinnerung stark

Vor 30 Jahren wurde der Verein "Heimatgemeinde Plöß" gegründet. Zum Jubiläum wird ein Gottesdienst gefeiert, bei dem nicht nur die Mitglieder und frühere Bewohner an ihre Vorfahren und die "alte Heimat" erinnern.

Heimatgemeinde-Vorsitzender Michael Lutz (Vierter von links) mit (von links) Landrat Thomas Ebeling, MdL Alexander Flierl, Bürgermeister Libor Picka, Bělá nad Radbuzou, Kreis- und Stadtrat Michael Ebnet, Bürgermeisterin Birgit Höcherl, Schönsee, Bürgermeister Manfred Dirscherl, Weiding, Günther Beer, stellvertretender Vorsitzender.
von Ludwig HöcherlProfil

Vor der 2016 erbauten Kapelle zelebrierte Pfarrer Alfons Kaufmann (Oberviechtach) mit Bewohnern von dies- und jenseits der Grenze die Messe, die der Kirchenchor Pullenried unter Leitung von Rudolf Teplitzky gesanglich begleitete. Der Priester bat die Anwesenden, jener zu gedenken, die hier einst gelebt haben. Er appellierte, sich in Freundschaft und Verbundenheit nahe zu kommen.

Nach dem Gottesdienst vermittelte Vorsitzender Michael Lutz einen Einblick in die Geschichte der erstmals 1606 erwähnten Ortschaft Plöß und den dazugehörenden Orten Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte. Die Plößer Pfarrkirche "Maria, Hilfe der Christen" wurde im September 1906 eingeweiht und, wie die meisten der Häuser, im Juni 1951 zerstört. Die Bewohner waren in der Landwirtschaft tätig, im Winter ließen Klöppeln, Besenbinden oder die Herstellung von Rechen die Zeit vergehen. Nach Flucht und Vertreibung fanden viele nur wenige Kilometer über der Grenze eine neue Heimat, größere Gruppen gingen in den Raum Bayreuth oder nach Baden-Württemberg.

Danach machte der Eiserne Vorhang einen Besuch der ehemaligen Heimat für Jahrzehnte nicht möglich, die Bindung an Plöß und Umgebung aber blieb immer, betonte Michael Lutz. Im September 1989 gründeten frühere Bewohner den Verein "Heimatgemeinde Plöß", im August 1990 konnte erstmals wieder Plößer Boden wieder betreten werden. Ein Jahr später gaben die tschechischen Behörden grünes Licht zu Renovierungsarbeiten am Friedhof. In den Folgejahren wurden dessen Mauer wieder aufgebaut, die Grabsteine aufgerichtet und die Grundmauern der Friedhofskirche freigelegt. Über 5000 Arbeitsstunden erbrachten dabei Mitglieder und tschechische Bürger. Seither nimmt sich der Verein um die Pflege dieser Stätte sowie der Nepomukstatue am Fuße zum Aufgang des Friedhofswegs an.

Für Libor Picka, Bürgermeister von Bělá nad Radbuzou (Weißensulz), sei die vergangene Zeit eine Epoche, die man nicht vergessen dürfe. "Lassen wir aber die Zeit, gehen wir vorwärts wie die Sonne", sagte der tschechische Bürgermeister. Den Wunsch der Mitglieder, die alte Heimat nicht zu vergessen, würdigte Landrat Thomas Ebeling. Unermüdlich werde von ihnen mit vorbildlichem Engagement das Andenken gepflegt und so die Erinnerung an die Nachfahren weitergegeben. Anerkennung für den Erhalt der Erinnerung gab es von MdL Alexander Flierl. Der Verein habe mit der Gründung vor dem Fall des Eisernen Vorhangs dafür ein Zeichen gesetzt und sei weiterhin ein Baustein im grenzüberschreitenden Zusammenleben.

Schönsees Bürgermeisterin Birgit Höcherl dankte für den Einsatz der Mitglieder des Heimatvereins und für die Zusammenarbeit mit den tschechischen Bürgermeisterkollegen. Der Friedhof in Plöß werde bei den Führungen der Tourist-Info immer besucht. Plöß und seine Umgebung sind und bleiben Zeitzeugen dafür, dass sich dunkle Kapitel der Geschichte nicht mehr wiederholen dürfen. Mit dem gemeinsam gesungenen "Böhmerwaldlied", von Franz Riedl und Werner Eder auf ihren Instrumenten begleitet, fand die Feierstunde einen würdigen Abschluss. Ein unterhaltsames Beisammensein schloss sich im Gasthaus von Marek Hrusa an.

Renate Wild las beim Gottesdienst die Fürbitten, danbeben Pfarrer Alfons Kaufmann.
Die Kapelle in Plöß:

Die Idee des ehemaligen Vorsitzenden Gottfried Leibl und des inzwischen verstorbenen Kassiers Alfred Drachsler, am Ort der früheren Dorfkirche eine Kapelle zu errichten, wurde 2015/2016 auf Initiative von Marek Hrusa Wirklichkeit. Dem Besitzer des Gasthauses in Plöß ist es zu verdanken, dass dieses Kleinod dort erbaut wurde. Im Juni 2016 wurde die Kapelle von Ruhestandspriester Josef Thomis (Landau an der Isar) und dem tschechischen Pater Cyril John vom Jesuitenhaus in Prag eingeweiht. Bei der Segnung und dem anschließenden Gottesdienst waren damals viele Gläubige aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet dabei. Die kleine Kirche ist nicht nur ein Ort des Gebets, sondern für viele auch ein Ort der Erinnerung. (mmj)

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