15.04.2020 - 15:13 Uhr
SchönseeOberpfalz

Von einer Idee zum Besuchermagnet

"Ein Freilichtspiel mit Bezug zu unserer Grenzregion": Lange trägt sich Birgit Höcherl mit diesem Gedanken.Wer verfasst den Text, wer übernimmt die Regie - und wo findet sich eine passende Kulisse in freier Natur? Der Zufall hilft.

Mit einer erfolgreichen Premiere startete 2015 das Freilichtspiel „Irrlichter“ am Eulenberg. Rechts ist Autor und Regisseur Martin Winklbauer zu sehen.
von Externer BeitragProfil

Im Jahr 2003 stand die Schönseerin Birgit Höcherl mit weiteren Akteuren aus der Oberpfalz anlässlich eines Theaterprojekts zum Jubiläum der Katholischen Landvolkbewegung der Diözese Regensburg in verschiedenen Orten des Bistums auf der Bühne. Autor und Regisseur des Stücks "Goodby Wetterhahn" war Martin Winklbauer. Dem in Halsbach (Landkreis Altötting) wohnenden Landwirt und Verfasser vieler Bühnenstücke erzählte Höcherl von ihrer Idee eines Freilichtspiels mit Bezug zur Grenzregion, die sie bereits im Jahr 2000 - also vor genau 20 Jahren - hatte. Winklbauer sah darin auch sofort eine Herausforderung für sich. Kern des Stücks sollte das frühere "Paschen" (Schmuggeln) mit seinen vielen Begleiterscheinungen sein.

Die "Chemie" stimmte - und so stand einer Zusammenarbeit nichts im Wege. Höcherl suchte sich in einer "Arbeitsgemeinschaft Pascherspiel" viele Gleichgesinnte, alle getrieben vom Engagement für die Heimat. Winklbauer kam des Öfteren ins Schönseer Land, durchwanderte das Gebiet um Bügellohe und Plöß und unterhielt sich viel mit Bewohnern, deren Geburtsorte im Böhmischen bereits verschwunden waren.

Die "ArGe Pascherspiel" engagierte sich für das Projekt vor Ort und fand nahe an der Grenze beim Bergweberhaus ein ideales Gelände für das Freilichtspiel. Die Basis für eine Verwirklichung war gelegt. Aber ein solches Projekt ist mit Kosten verbunden. Trotz der damaligen Förderung von "Leader plus" und einem Beitrag der Stadt Schönsee war von der Arbeitsgemeinschaft ein enormer Betrag zu schultern.

Dafür aber wollten sich die Initiatorin und ihre Mitstreiter keineswegs auf dünnes Eis begeben. Bei einem öffentlichen Butterfasslabend im Grenzwirtshaus Gerstmeier im Frühjahr 2005 stellte Birgit Höcherl den anwesenden Vereinsvertretern und der Bevölkerung die Planungen für das "Pascherspiel" vor. Für die von der Arbeitsgemeinschaft servierte Butter und Brot klimperten die ersten Euro in deren Kasse.

Premiere für Adventsmarkt

Für Birgit Höcherl war vor 15 Jahren Priorität, so viele wie möglich in das Gelingen des Vorhabens mit einzubinden. Außerdem war das Ziel, die finanzielle Anforderung zu schultern. So kam von Andreas Ebnet die Idee für einen Adventmarkt an der Grenze, der erstmals als "Advent im Wald" in der Vorweihnachtszeit 2005 in der Nähe des Schlagbaums an der Grenze zu Tschechien stattfand. Dazu zimmerten bereits viele freiwillige Helfer die Bretterhütten für die Anbieter. In der Folgezeit liefen die Vorbereitungen weiter. Das Gelände für die Zuschauertribüne beim Bergweberhaus wurde planiert, im Januar 2007 folgte der Holzeinschlag für die Sitzbänke, die bald darauf montiert wurden. Im Februar 2007 erfolgte offiziell von Autor Martin Winklbauer die Übergabe des Textbuches, anschließend war Birgit Höcherl auf Achse, um die für das Spiel erforderlichen Mitwirkenden zusammenzutrommeln. "Da gab es keine Probleme", resümiert die örtliche Spielleiterin im Rückblick auf die Zeit der Projektvorstellung vor 15 Jahren bis heute.

"Vielleicht können wir das Pascherspiel drei oder vier Jahre aufführen?": So haben es sich im Frühjahr 2005 die Mitglieder der damaligen "Arbeitsgemeinschaft Pascherspiel" vorgestellt, als sie die Idee ihrer Sprecherin Birgit Höcherl zur Realisierung unterstützten. Mit dieser Meinung haben sich alle - wie heute bekannt ist - gewaltig verschätzt. "Pascher - die Nacht der langen Schatten", so der offizielle Titel des Stücks, wurde seit seiner Premiere im August 2007 zu einem Magnet im Schönseer Land.

Enorme Herausforderung

Ergänzend dazu "Advent im Wald", der immer mehr Besucher in den Bayerisch-Böhmischen Grenzwald anlockt. Organisatorisch waren Freilichtspiel und der adventliche Markt für das Team "ArGe Pascherspiel" stets eine enorme Herausforderung. So kam es im Herbst 2010 zur formellen Gründung des "Paschervereins Schönseer Land e.V.", dem sich nicht nur Personen aus dem Schönseer Land, sondern auch darüber hinaus anschlossen.

Es folgte 2013 der Ankauf eines eigenen Hauses in der Schönseer Kirchstraße. So hatte man für die Requisiten Platz. Realisiert wurde in diesem Zug ebenfalls die Einrichtung der Bücherei für die Öffentlichkeit, die vorher im Pfarrhaus untergebracht war. Zudem ist das sogenannte "Hutschahaus" eine Anlaufstelle für den Verein "Nachbarschaftshilfe im Schönseer Land".

Weiteres Freilichtspiel

Mit einem weiteren Freilichtspiel - Autor war wiederum Martin Winklbauer - haben die Pascher dann das Angebot am Eulenberg erweitert. Das Stück "Irrlichter" lässt einen jungen Mann in seine eigene Welt eintauchen. Die natürliche Kulisse bietet seit fünf Jahren einen idealen Spielort für das Treiben der Elfen, Wichtel und Waldschrate sowie der Elemente Feuer, Erde, Licht und Wasser. Seit 2016 sorgen die Pascher im zweijährigen Rhythmus mit dem "Königlich Bayerischen Amtsgericht" im "Centrum Bavaria Bohemia" für Unterhaltung zum Faschingsausklang.

Mit den beiden Stücken in der naturbelassenen Umgebung treffen die Inhalte mehr denn je aktuelle Themen: Zum Einen die Versöhnung zwischen den Völkern, zum Anderen der Umgang mit behinderten Menschen und der Natur. Und ohne die Zusammenarbeit, der ehrenamtlichen und tatkräftigen Unterstützung von Jung und Alt, wäre alles nicht gelungen. Hintergrund

Hintergrund:

Absage droht

In Anbetracht der augenblicklichen Situation ist es eher unwahrscheinlich, dass die Freilichtspiele in dieser Saison durchgeführt werden können. Die endgültige Entscheidung trifft die Vorstandschaft unter Berücksichtigung der Vorgaben der Landesregierung hinsichtlich Veranstaltungen, die ja in den nächsten Tagen zu erwarten sind.

Fleißige Helfer waren im Frühjahr 2007 beim Bau der Tribüne nahe dem Bergweberhaus im Einsatz.
Beim „Butterfasslabend” stellte Birgit Höcherl im Frühjahr 2005 ihre Idee vom Projekt „Pascher-Freilichtspiel” der Bevölkerung vor.
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