(eib) Dank des heißen Sommerwetters war die Entscheidung schnell getroffen: Kurzerhand verlagerte sich der 104. Deutsch –tschechische Stammtisch vom vollen Wirtshaus auf eine nahe gelegene Wiese in Rybník (Waier) rund um einen Lagerfeuerplatz, von der Gemeinde bestens mit Klobasy (Würsten), Kuchen und Getränken versorgt.
Bei diesem Stammtisch stand nochmal – wie schon im Juni – das Leben im Nachbarland im Mittelpunkt. Gäste waren das Ehepaar Petr und Eliska Kovářovi, die nach vielen Jahren in Deutschland zurück nach Tschechien gingen und jetzt im kleinem Dorf Šibanov (Schiefernau) wohnen, einem Ortsteil von Poběžovice (Ronsperg). Petr Kovář erzählte spannend über sein Leben in beiden Ländern. In der Zeit des Kommunismus arbeitete er als Telefontechniker am Flughafen in Prag. 1970 sollte er seinen Wehrdienst antreten. Fluchtgedanken schwirrten im Kopf des jungen Ehepaars. Sie gelangten nach Wien.
„Dort haben wir eine Deutsche Mark geworfen. Adler oder Zahl sollte entscheiden, ob wir nach Tschechien zurückfahren oder nach Deutschland flüchten.“ Das Los entschied: Flucht nach Deutschland. Das erste Zuhause in Bayern war ein Flüchtlingslager in Bernried am Starnberger See. "Am Anfang hat keiner von uns Deutsch gesprochen und der Lehrer verstand kein Wort Tschechisch." Trotzdem lernten beide in einem Jahr Deutsch. Das eröffnete Petr Kovář eine Beschäftigung in seinem erlernten Beruf. „Die Anfangsjahre in Deutschland waren eine schwierige Zeit. Am meisten haben mir meine Familie und meine Freunde in der damaligen Tschechoslowakei gefehlt. Aber die Leute in Deutschland unterstützten uns sehr, waren freundlich und entgegenkommend.“ Das Ehepaar fasste Fuß in München, zwei Kinder wuchsen dort auf. Nach den Berufsjahren zog es die beiden wieder zurück in ihr Heimatland, und sie ließen sich nahe der Grenze in Šibanov nieder.
Der Bürgermeister von Rybnik, Miroslav Kadlec, ergänzte die Erzählungen von Petr Kovář mit eigenen Erlebnissen aus der kommunistischen Zeit: „Wir konnten nicht reisen, deswegen sind wir immer freitags in die Natur wandern gegangen, haben übers Wochenende im Zelt geschlafen und Würste am Feuer gebraten.“ Der August-Stammtisch rund um das Lagerfeuer erinnerte an die Atmosphäre in dieser Zeit. Der nächste Stammtisch findet am 5. September in der Pizzeria "La Strada" zum Thema der unterschiedlichen Schulsysteme in Bayern und Tschechien statt.
Adler oder Zahl sollte entscheiden, ob wir nach Tschechien zurückfahren oder nach Deutschland flüchten.














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