04.08.2019 - 15:35 Uhr
SchönseeOberpfalz

Liebe und Leid an der Grenze

Im Pascherspiel von Friedrichshäng ist vieles authentisch. Aber auch die literarische Fiktion berührt die zahlreichen Zuschauer emotional. Das liegt auch an der ganz besonderen Atmosphäre.

von Georg LangProfil

"In mondloser Nacht hat so mancher Ochs sei Nationalität gwechselt!", erzählt Franz Langmeister (Ludwig Zwick) dem jungen Paar, das auf seinem abgelegenen Hof an der tschechischen Grenze auftaucht und ihn aus seiner Lethargie herausreißt. Das lukrative Schmuggeln an der Staatsgrenze ist das eine, eine Liebesgeschichte zwischen dem Pascher Adam (Herbert Spichtinger) und der tschechischen Baldowerin Wanka (Magdalena Höcherl) das andere Hauptmotiv in diesem tragischen Geschehen des Freilichtspiels, das in zwei Zeitebenen abläuft. Es beginnt in der Gegenwart, blendet, dann aber hundert Jahre zurück in den Anfang des 20. Jahrhunderts und bezieht die Vertreibung der „Deutsch-Böhmen“ nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Aussöhnung mit ein. Die Zerstörung des Grenzortes Wenzelsdorf und die Geschichte von Bügellohe sind ebenfalls Gegenstand der Inszenierung von Martin Winklbauer

„Pascher - die Nacht der langen Schatten“ ist eine Geschichte, die unter die Haut geht!“, bekennt Schönsees Bürgermeisterin Birgit Höcherl, bei der als Vorsitzender des „Paschervereins Schönseer Land e.V.“ die Fäden zusammenlaufen. Die Zuschauertribüne mitten im Wald oberhalb von Friedrichshäng war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Spielleiterin das Premierenpublikum willkommen hieß, darunter Regierungspräsident Axel Bartelt, Landratstellvertreter Arnold Kimmerl und zahlreiche Bürgermeister der Region. Auch „den Eigentümer dieses besonderen Ortes“, Lothar Drachsler, begrüßte sie. Das Bergweber-Anwesen, mitten im Wald an der tschechischen Grenze gelegen, ist der ideale Spielort für diese Inszenierung. Die Scheune mit dem alten Blechdach ist Kulisse und Backstage zugleich. Haus und Hof des Anwesens bieten vor und nach der Aufführung sowie in der Pause die ideale Lokalität für die Verköstigung der Zuschauer mit pikanter Pascherwurst, saftigen Schmierkuchen und knusprigen Kücheln, während die Paschermusikanten fleißig aufspielen, die auch aus dem Handlungsgeschehen auf der Naturbühne nicht wegzudenken sind, etwa wenn sie musikalisch zum „Khannasfest“ einladen.

Beim Johannisfeuer ist für die Menschen an der Grenze die Welt noch in Ordnung, auch wenn im Alltag „aus jedem Loch die Not außazahnte“, wie Franz Langmeister im Rahmengeschehen der jungen Tschechin Lucie (Tereza Dubnickova) und ihrem deutschen Freund Mike (Franz Dietl) erzählt, die von dem wortkargen Eigenbrötler auf dem einsamen Hof etwas über ihre Familiengeschichte erfahren wollen. Ausgehend von deren Gesprächen wird zurückgeblendet auf die Zeit der Pascher, in der die Führungsfiguren Fritz (Herbert Ried) und Adam (Herbert Spichtinger) Strategien für ein möglichst effizientes Schmuggeln entwickeln. Haushoch überlegen ist ihnen dabei aber die raffinierte Wanka, die als Baldowerin die Lage auskundschaftet und die Abläufe steuert, beispielsweise indem sie eine ganze Kinderschar als Schwarzbeersammler einsetzt, um die Zöllner zu täuschen.

Adam, der sich in diese resolute Frau verliebt, nennt sie respektvoll „Louda“, aber auch liebevoll „Engerl“. Am Schluss muss sie für den großen Schmugglercoup den Kopf hinhalten. Als sie alle als Drahtzieherin beim Zollinspektor (Rudolf Schwarz) verraten, landet sie im Gefängnis und bringt dort ihr Kind zur Welt, dessen Vater Adam ist. Hier schließen sich die Handlungsstränge, denn dieser Sohn von Wanka und Adam ist der alte Franz Langmeister der Gegenwart, der in der jungen Lucie längst die Ähnlichkeit mit seiner Mutter Wanka gesehen hat, deren Urenkelin Lucie ist.

Die Zuschauer erleben am Eulenberg ein ergreifendes Spiel über Leid und Freude, Schuld und Vergebung. Das hervorragend eingespielte Ensemble vermag mit seiner schauspielerischen Leistung zu überzeugen – und das gilt nicht nur für die Hauptdarsteller, sondern auch für die Kinderschar, die zahlreichen Schmuggler und die Darsteller des Volkes. Die stimmungsvolle Titelmelodie von Martin Ebenhöch trägt wesentlich zur Wirkung dieses Stücks um Schmuggel, Liebe und Vertreibung bei.

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