Schönsee
04.08.2024 - 10:31 Uhr
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"Pascher" in Friedrichshäng zeigt berührende Szenen des Lebens an der Grenze

In Friedrichshäng an der tschechischen Grenze lebt das „Schmugglerhandwerk“ auf. Dramatik und Humor begeistern gleichermaßen das Publikum auf den Theaterrängen am Eulenberg.

„Wer den Namen nennt, kommt frei!“. Mit diesem verlockenden Angebot fordert der Inspektor (Rudolf Schwarz) bei der nächtlichen Verhaftung die Pascher zum Verrat ihrer Anführerin Wanka (Magdalena Höcherl) heraus. Alle Schmuggler nennen schließlich den Namen der tschechischen Baldowerin, die den Rinderschmuggel im großen Stil organisiert hat. Der Fehlschlag dieses groß angelegen Coups ist eine Schlüsselszene bei „Pascher – die Nacht der langen Schatten“, die am Wochenende wieder am Spielgelände auf dem Eulenberg bei Friedrichshäng über die Bühne ging.

Die Verhaftungsszene ist an Dramatik nicht zu überbieten, denn ganz zum Schluss nennt auch Adam (Herbert Spichtinger) Wankas Namen. Beide sind ein Paar, sie „von drüben“, er von „herüben“, in „ehrlicher Liebe“ verbunden, wie Wanka betont. Sie erwartet ein Kind von Adam, wovon dieser aber nichts weiß. Mit diesem Kind schließt sich aber der Kreis der zwei Handlungsebenen des Stücks. Der im Gefängnis geborene Sohn Wankas ist Franz Langmeister (Ludwig Zwick), wie das Publikum aber erst ganz am Schluss erfährt. Mit dem über 80-jährigen Eigenbrötler Langmeister beginnt das Stück, als ein junges Paar bei ihm auf seinem grenznahen Einödhof auftaucht und ihm während des Holzhackens unliebsame Fragen zu seiner verdrängten Vergangenheit stellt.

Aufarbeitung der Vergangenheit

Die junge Tschechin Lucie (Tereza Dubnickova) betreibt Familienforschung und hat ihren deutschen Freund Mike (Stefan Pabinger) mitgebracht. Beiden gelingt es schließlich, dass sich der alte Langmeister öffnet und während der immer wieder eingeschobenen Spielszenen durch die Aufarbeitung der verdrängten Vergangenheit selbst befreit. „Doud des guad!“, schreit er am Schluss heraus und nicht nur in dieser Szene wird deutlich, wie Ludwig Zwick seine Rolle ausdrucksstark verkörpert.

Auf die Bügellohe gerettet

„Vor der eigenen Vergangenheit kann man sich nicht verstecken“, ist seine Erkenntnis. Ludwig Zwick ist einer der Hauptdarsteller der gesamten Inszenierung, denn durch ihn erfährt das Publikum auch die mit dem Gesamtgeschehen verwobene Geschichte der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, wovon auch er selbst ein Opfer war. Franz Langmeister hat mit seinem Vater im authentischen Grenzort Wenzelsdorf gelebt, ganz in der Nähe des Spielorts Friedrichshäng. Von da retteten sich die Bewohner auf ihre in Bayern gelegenen Grundstücke in Bügellohe bei Stadlern, wo sie sich vermeintlich für eine Übergangszeit eine dürftige Existenz schufen. Langmeister schildert eindrucksvoll die Zerstörung einer erhofften Rückkehr, als die tschechischen Machthaber Wenzelsdorf niederbrannten, wie es auch bei anderen sudetendeutschen Grenzdörfern der Fall war.

Das Hauptgeschehen der gesamten Inszenierung ist aber in den 1920-er Jahren angesiedelt, als der Schmuggel zwischen Bayern und der neu gegründeten Tschechoslowakei Hochkonjunktur hatte und Wanka im Stück eine Führungsrolle erlangte. Das „Schmugglerhandwerk“ jener Zeit wird nicht ohne Humor auf die Bühne gebracht, etwa wenn die „Grenzer“ mit Hilfe einer Kinderschar überlistet werden, wenn die Einkehr der Zöllner im nahen Grenzgasthof Gerstmeier in die Planungen einbezogen wird oder wenn gar eine Jungkuh mit Hirschgeweih auf der Bühne erscheint.

In ihren Rollen aufgegangen

Kompliment für die vielen Spieler, die in ihren Rollen aufgehen. Beeindruckend auch die Volksszenen beim „Khannesfest“, zu dem der Großbauer Wenzl (Josef Wirnshofer) einlädt. Da ist die Welt an der Grenze noch in Ordnung und die Paschermusikanten spielen zünftig auf, wie übrigens auch im Hof des Bergweberanwesens, wo das gesellige Miteinander der Besucher vor der Aufführung und in der Pause die Festspielstimmung widerspiegelt.

Pascherwurst, Küchel, Pascherbier oder ein Schnäppschen runden für viele Besucher den Pascherabend am Eulenberg ab.

Info:

Pascher – die Nacht der langen Schatten

  • Erste Aufführung: August 2007
  • Autor und Regisseur: Martin Winklbauer, Halsbach
  • Organisation und Spielleitung: Birgit Höcherl, Schönsee
  • Träger: Pascherverein Schönseer Land e.V.
  • Aufführungsort: Eulenberg bei Friedrichshäng/Schönsee
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