Hermann Utz (48) hat sein Hobby Musik zum Beruf gemacht. "Und es funktioniert", sagt der gebürtige Schönseer beim Besuch von Oberpfalz-Medien im Keller seines Einfamilienhauses am Ortsrand von Schönsee. Hier hat er sich 2012 auf 50 Quadratmetern das Tonstudio "Recording Hill Studios" eingerichtet. Er sitzt aber nicht nur am Mixing-Desk im Regieraum, sondern steht als Vollblutmusiker auch bei etlichen Bands auf der Bühne. So als Bandleader bei "Acoustic Gravity" und als Sologitarrist der Regensburger Band "Deafact". "Das Schönste ist, ich hab seit 13 Jahren nicht mehr das Gefühl, dass ich arbeite."
Im Aufnahmeraum fallen Schlagzeug und Mikrofone ins Auge. Den mittels Glasscheibe verbundenen Regieraum dominiert das große Mischpult mit Monitoren und viel technischem Equipment. In einer Ecke stehen etliche Gitarren. Das Tonstudio ist wohnlich eingerichtet, warme Farben, indirektes Licht. "Die Musiker und Sänger sollen sich wohlfühlen", sagt Hermann Utz. Er war bis 2011 Bauleiter im Betrieb des Vaters, sattelte dann auf das Fernstudium "Tontechnik" um, lernte viele Basics. Für das neu im Keller eingerichtete Studio gab er sich ein Jahr als Testphase, baute monatelang an der Einrichtung, an Raumakustik und Geräten rum und lötete Kabel. "Man sollte etwas von Technik und Physik verstehen", so seine Erfahrung. Es lief gleich gut an. "Ich hatte so viele Anfragen fürs Studio und bald keine Zeit mehr fürs Studium."
Volksmusik bis Hip-Hop
Seit nun 15 Jahren bietet Hermann Utz professionelle Live- und Studio-Tonaufnahmen - von Volksmusik bis Hip-Hop -in seinen "Recording Hill Studios" an. "Ich bin Dienstleister und nehme grundsätzlich alles auf, Geschmack ist subjektiv." Richie Necker war schon da, vor kurzem die Paschermusik und eine Frau mit einem selbstkomponierten Lied für den Ehemann. Utz komponiert für Auftragsarbeiten wie für Werbeagenturen auch selber, vertont Kinderbücher und hilft Leuten, "die eine Idee für ein Lied haben". Gebucht werden kann das Studio für Stunden oder Tage. Die Nacharbeit mit Mischen, Schneiden/Editieren und Mastern nimmt in etwa die gleiche Zeit in Anspruch wie die Aufnahme.
"Ich hab ein Hybrid-Studio", stellt Utz fest und erklärt: "Ich nehme digital auf, benutze aber zur Bearbeitung nicht nur Digitaleffekte sondern auch hochwertiges analoges Outboard, also Kompressoren und Equalizer wie vor 3o Jahren." Die Digitaltechnik sei zwar extrem weit, der Klang der Originalgeräte aber besser als die Computertechnologie. Außerdem: "Es macht mir mehr Spaß am Knopf zu drehen als die Maus zu bedienen." Auch wenn das Studio auf dem neuesten Stand sei, habe er wieder eine neue Software entdeckt. Beim Hype um das Atmos-Surround-Soundsystem wolle er den Trend aber noch abwarten.
Ein langer Weg
Wer sich mit Hermann Utz unterhält, spürt sofort dessen Leidenschaft für Musik. Doch das war ein längerer Weg. Den ersten, kurzen Musikunterricht, "der Onkel spielte so schön Zither, aber für mich wars wohl nicht das richtige Instrument", hatte er mit acht Jahren. Als er elf war, gab es für ein Jahr Unterricht am Schlagzeug. Dies reichte dann für seine erste Band an der Realschule aus, "Death Metal, laut und wild". Geprobt wurde im Elternhaus in Schönsee. "Da standen dann Gitarren rum, ich hab eine genommen und gespielt." Es war quasi ein Zufallsprodukt, dass er mit 17 Jahren begann, Gitarre zu lernen. Viel später fand er seinen Weg aus der Hard-Rock-Schiene in den modernen Club- und Cover-Sound, bringt jetzt mit seinen rockig angehauchten Gitarren-Riffs und Soli die Zuhörer zum Schmelzen.
Die ersten Tonaufnahmen machte Hermann Utz mit seinen Jugendbands. Mit 18 Jahren erstand er einen Restposten mit einem Vier-Spur-Kassettengerät und einem Equalizer für den Sound. Schritt für Schritt folgten Mikrofone, Kopfhörer, Stative. Zur Jahrtausendwende machte die Technik dann einen Sprung nach vorne: "Es gab Hard-Disk-Rekorder mit 16 Spuren, die bezahlbar waren." Kurz darauf schaffte er sich den ersten Mac-PC an, "ich hab mich dann sehr intensiv damit beschäftigt, die Software zu verstehen". Ein ewiger Lernprozess: "Es gibt immer neue Technologien und der Geschmack der Menschen ändert sich". Außerdem: "Die Computertechnologie hat die Möglichkeiten vertausendfacht. Das ist gut und schlecht." Früher seien die Leute viel besser vorbereitet ins Studio gegangen, blickt Utz zurück. Er sei kein Fan vom "hinterher nachrichten", davon Fehler "krass zu reparieren". Dies sei zwar verlockend, aber nicht zielführend, "den echten Groove der Band kann man nicht simulieren". Hermann Utz verfügt über ein großes Netzwerk an Musikern und steht gerne selbst auf der Bühne. Er bietet in der Sozialtherapeutischen Einrichtung (STE) zweimal wöchentlich Musiktherapie an und gibt Privatunterricht für Gitarrenschüler.
Rund ums Tonstudio
- Tontechnik:Aufnahme, Bearbeitung, Wiedergabe
- Räume:Aufnahmeraum (Studio) und ein davon akustisch getrennter, aber durch eine Glasscheibe verbundener Regieraum
- Equipment:Mikrofone, Mischpulte, Digital Audio Workstations (DAWs) und verschiedene Signalprozessoren wie Equalizer und Kompressoren>
- Equalizer: Filter um den Klang eines Sounds zu verändern; Frequenzen werden verstärkt, gedämpft oder entfernt






















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