12.11.2020 - 11:17 Uhr
SchönseeOberpfalz

Sozialtherapeutische Einrichtung sucht nach neuem Standort

Die Leiterin der Sozialtherapeutischen Einrichtung Lindau berichtet von der Standortsuche und sieht eine Zunahme des Suchtproblems. Der Plan für einen Neubau, der bereits feststand, wurde nach einem Jahr verworfen.

Das aktuelle STE-Wohnheim Schönsee.
von Externer BeitragProfil

Die Sozialtherapeutische Einrichtung (STE) Lindau sucht eine neue Bleibe. Der Marktrat Mantel kippte die seit einem Jahr vorliegende Planung. Der Schönseer Bürgermeister will das Wohnheim am Ort halten und hat dafür ein Grundstück in Aussicht.

Leiterin Ingeburg Hirschleb übermittelte der Redaktion folgende Presseerklärung: "Wir sind ein Therapiezentrum für stoffgebunde Abhängigkeitserkrankte und betreuen 36 Frauen und Männer. Viele von den Klienten kommen aus zerrütteten Familien. Fast bei jedem der Betroffenen ist eine Doppeldiagnose zu konstatieren, wie Depression, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörung und diverse andere Leiden. Die Altersstruktur dieser Menschen reicht von 20 bis 60 Jahren. Gerade in der letzten Dekade unserer Tätigkeit lässt sich erkennen, dass die anfragenden Klienten immer jünger werden. Einige werden aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit substituiert.

In den vergangenen 21 Jahren haben wir uns es als Mitarbeiter des Hauses zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen eine neue Perspektive zu geben. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, den richtigen Therapieansatz für jeden zu finden, und den Betreffenden so zu motivieren, dass es ihm möglich ist, am Therapieangebot teilzunehmen. Denn in der Regel fehlt einem suchtkranken Menschen Energie. Und die gilt es, im therapeutischen Prozess aufzufüllen.

Start einer Odyssee

Durch eine neue Gesetzgebung ist die Auflage entstanden, das Haus barrierefrei zu gestalten. In unserer Einrichtung ist das nicht gegeben. Somit wurde ein Neubau unumgänglich. Offizieller Auszugstermin aus dem bestehenden Haus 31. Dezember 2020. Das war vor vier Jahren der Beginn unserer Odyssee.

Einen Investor zu finden, war die erste Hürde, aber im Nachhinein die Leichteste. Es verstrich aber dennoch ein Jahr. Die Firma KHK Projekt + Bau GmbH bot uns eine Zusammenarbeit an und kämpft seitdem an unserer Seite. Einen geeigneten Standort zu finden, war das nächste große Problem. Die Stadt Weiden wurde zu einer Nullnummer. Es verging ein Jahr, bis klar war, dass der Bau in Weiden nicht umsetzbar sein wird. Ein Angebot der Stadt Vohenstrauß wurde ebenso gecancelt. Dann wurde die Marktgemeinde Mantel als Option gehandelt und es kam fast zur Baugenehmigung. Die Bürgermeister der Stadt Vohenstrauß und die Marktgemeinde Mantel waren sehr engagiert, um den Neubau verwirklichen zu können. Aber der Widerstand der Bürger und der Gewerbetreibenden war zu stark. In letzter Minute wurde uns dann von der Stadt Schönsee ein Grundstück zugewiesen, welches durch unseren Generalunternehmer bebaut werden darf. Für diese Möglichkeit sind wir dem Bürgermeister sehr dankbar. Die Akzeptanz der Bevölkerung ist aufgrund der langjährigen positiven Zusammenarbeit gegeben."

Ingeburg Hirschleb moniert, dass der Gegenwind und die Blockadehaltung, die ein Scheitern aller vorangegangenen Bemühungen zur Folge hatten, aus der Mitte der Bürger kam, "die betonen, wie wichtig solch eine Institution denn sei, wie gut es sei, dass diese Menschen betreut werden, dass sie Hilfe und Unterstützung finden". Die Haltung sei oft: "Gut, dass es solche Einrichtungen gibt, aber bitte doch nicht vor meiner Haustüre! Es ist eine sehr menschliche Eigenschaft, alles zu verdrängen, was unangenehm ist und vielleicht sogar ein Spiegelbild unseres Selbst darstellt. Wir verschließen auch die Augen und Ohren vor der Tatsache, dass diese hilfsbedürftigen Menschen ein Produkt des neuen Lifestyles geworden sind, das Ergebnis einer zu sehr leistungsorientierten Gesellschaft, die kaum mehr Raum zum Atmen lässt. Obwohl eine Sucht jeden betreffen kann nehmen wir Abstand von Menschen, für die das Thema Sucht zu einem großen Problem geworden ist und die ohne Unterstützung nicht mehr ins "normale" Leben zurückfinden. Umso wichtiger ist es, dass es Einrichtungen wie unsere gibt, die die Möglichkeit zur Resozialisierung bieten."

Letztes Telefonat vor drei Jahren

Ingeburg Hirschleb spricht auch die Aussage von Bürgermeister-Vorgängerin Birgit Höcherl an, dass in Sachen STE mehrere Gespräche mit Ingeburg Hirschleb geführt worden seien, um die Einrichtung in Schönsee zu halten. Hirschleb sagt: "Die Darstellung von Frau Höcherl, dass mehrere Gespräche stattgefunden hätten, um die Einrichtung am Standort zu halten, kann so nicht bestätigt werden. De facto gab es vor drei Jahren ein Telefonat bezüglich der Problematik. Zum selben Zeitpunkt brachte sogar eine persönliche Anfrage der Einrichtungsleitung bei einem Gewerbetreibenden vor Ort keine Lösung."

Näheres zur aktuellen Situation der Sozialtherapeutischen Einrichtung in Schönsee

Schönsee
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.