24.03.2020 - 13:44 Uhr
SchönseeOberpfalz

Vier Trafo-Kojen für edle Spitzen

Modernes Klöppeln und Kreativität gehören zusammen. Dazu passt eine Ausstellung in einem ehemaligen Trafohäuschen in Schönsee. Doch das neuartige Coronavirus lässt die geplante Eröffnung des Klöppel-Trafos wackeln.

Der Klöppel-Trafo an der Böhmerwaldstraße in Schönsee erhält noch ein Hingucker-Glaselement an der Fassade.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Viele, die die Handwerkskunst Spitzenklöppeln gepackt hat, sprechen gerne vom "Klöppel-Virus". Jetzt sorgt das Corona Sars-CoV-2-Virus voraussichtlich dafür, dass die erste Ausstellung im neuen Klöppel-Trafo in Schönsee nicht wie geplant im Frühjahr starten kann. Eigentlich sollte der Trafo an der Böhmerwaldstraße noch vor dem Sommer ein neuer Anziehungspunkt gegenüber der Freizeitanlage Moorbad werden. Schließlich ist Schönsee nicht erst seit dem werbewirksamen Eintrag in die Bundesliste immaterielles Kulturerbe untrennbar mit dem Spitzenklöppeln verbunden.

Der Eröffnungstermin wurde für 25. April anvisiert. "Wir müssten bis Mitte April fertig sein", erklärte Architekt Christian Schönberger noch Anfang März auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Denn warme Frühlingstage machten es möglich, dass die Malerarbeiten am Betonstein-Mauerwerk starten konnten. Doch mittlerweile ist nicht nur die Kälte zurück, auch Corona funkt dazwischen. "Die überdimensionale Glaskunst an der Fassade wird eine der letzten Arbeiten sein", so Schönberger. Laut Bürgermeisterin Birgit Höcherl werden hier auch Infotafeln angebracht. Dagegen bereits seit geraumer Zeit fertiggestellt ist die Außentreppe am Eingang zum früheren Transformator.

Garn statt Kabel

Im Innenraum sind vier nach oben offene Kojen mit je 1,50 Meter Breite vorhanden. Die Art der Wandbespannung und die Darstellung der Ausstellungsflächen steht fest, ganz nach dem Motto: "Garn statt Kabel". Schon bei der "Geburt der Idee" hatte sich der örtliche Klöppelkreis dazu bereit erklärt, pro Quartal eine Wechselausstellung hinter den Glaswänden zu zeigen. Die Ausstellung wird ohne Personal dauerhaft begehbar sein und ohne große Unterhaltskosten (nur Strom) auskommen. Wann jedoch die ersten edlen Spitzen zum Titel "Der Klöppelkreis Schönsee-Stadlern-Tiefenbach unter der zehnjährigen Leitung von Frieda Roith stellt sich vor" bewundert werden können, bleibt aufgrund der Pandemie offen.

Das gilt auch für die Termine "Klöppeln im Schönseer Land". Laut Flyer plant die Stadt Schönsee vom 8. bis 13. Juni "Klöppeln Aktiv" mit fünf jeweils dreitägigen Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene. Begleitend dazu ist eine Ausstellung des Klöppelkreises Klatovy im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) vorgesehen. Aufgrund der Tatsache, dass Tschechien monatelange Grenzschließungen plant, dürfte diese Schau in der Gewölbehalle für heuer passé sein. Abgesagt ist bereits der Klöppelspitzenkongress des Deutschen Klöppelverbandes im April 2020 in Bad Pyrmont. Dieser wurde auf nächstes Jahr (9. bis 11. April 2021) verschoben.

Klöppeltage in 2021

Im Jahr 2013 war der bundesweite Verband mit dieser internationalen Veranstaltung zu Gast in Schönsee. Viele erinnern sich noch gerne an die gut besuchten Fachvorträge und Klöppelkurse sowie an die große Händlerhalle mit Ausstellern aus ganz Europa. Aber auch wenn bei der aktuell in Bayern angesagten Ausgangsbeschränkung die filigrane Arbeit am Klöppelsack die Tage zu Hause sinnvoll füllt, fiebern wohl alle der Zeit entgegen, wenn sie sich wieder beim Klöppeltreff austauschen können. Aber vielleicht ergänzt ja auch die eine oder andere besonders aufwendige Handarbeit die erste Ausstellung im neuen Klöppel-Trafo an der Böhmerwaldstraße.

Die Vorfreude jedenfalls auf die nächste Großveranstaltung, die 4. Klöppeltage in Schönsee vom 31. Mai bis 5. Juni 2021, verbindet die Mitglieder des Klöppelkreises Schönsee-Stadlern-Tiefenbach.

Hintergrund:

Klöppel-Trafo im Förderprogramm

Die Maßnahme wird vom Leader-Förderprogramm mit 78 000 Euro unterstützt; zuzüglich 6000 Euro aus der Museumsförderung des Bezirks Oberpfalz. Die Beschreibung: Die Transformatorenstation hält nicht nur die Erinnerung an die frühere Form der Elektrizitätsversorgung per Überlandleitungen wach. Nach dem Rückbau der technischen Einrichtung und der Umgestaltung zu einem Ausstellungsraum, steht die Erinnerung an das Klöppel-Handwerk als früherer Broterwerb im Schönseer Land im Vordergrund.

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