Schönsee
29.03.2023 - 18:49 Uhr
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Zwei Windräder in Schönsee: Was ein Landwirt schon vor 20 Jahren plante

Das Thema Windenergie beschäftigt derzeit alle Kommunen. Bei der Ausweisung von Vorranggebieten werden in Schönsee Erinnerungen wach. Ein Windrad wurde im Stadtrat zuerst befürwortet, dann abgelehnt.

Austragslandwirt Ludwig Biegerl (79) aus Rackenthal lächelt still in sich hinein. Er hatte schon vor 20 Jahren die Klimaveränderungen im Blick und war ein Pioneer in Sachen Windkraft im Schönseer Land: "Der Co2-Ausstoß war schon damals ein Problem." Fünfeinhalb Jahre lang - von der Idee Ende 1998 bis zum Rückzug des Bauantrags im März 2004 - investierte er Zeit und Geld. Mittlerweile ist Sohn Martin der Hofbesitzer. Er war in jungen Jahren ebenfalls mit Enthusiasmus dabei. Heute verfolgt er die Diskussion zur Meldung von möglichen Windkraftflächen an den Planungsverband. Bei einer Infoversammlung vor einigen Wochen sprach der Bürgermeister auch die jahrelange Windmessung durch die Familie Biegerl an.

Beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien erinnern sich Vater und Sohn an die bewegten Zeiten und berichten von ihrem Plan, zwei Windräder als Einzelanlagen im Schönseer Land aufzustellen. "Ich kann heute nur noch darüber schmunzeln", sagt der Junior und meint damit nicht die Idee, sauberen Strom zu erzeugen, sondern den Gegenwind, der sich nach dem ersten Befürworten im Stadtrat entwickelte und der das Projekt schließlich scheitern ließ.

Vision für sauberen Strom

Auf dem Tisch liegen zwei der insgesamt zehn Ordner mit Plänen, Gutachten, Windmessungs-Protokollen, Schriftverkehr und Zeitungsausschnitten. "Die Idee ist am 4. November 1998 entstanden", weiß Ludwig Biegerl noch ganz genau. Er war bei der Eröffnung einer Anlage in Denkendorf (Naturpark Altmühltal) anwesend und "von der umweltfreundlichen Energieerzeugung" begeistert. Seine Vision für die Heimat: Zwei baugleiche Enercon-Windkraftanlagen zu errichten.

1999 informierte er die Stadt Schönsee über den Plan, je ein Windrad mit einer Höhe von rund 1,65 Metern (Nabenhöhe 98 Meter, Rotordurchmesser 66 Meter) auf eigenem Grund bei Rackenthal ("Schwarzes Horn") und bei Dietersdorf ("Gradlhöhe") aufzustellen. Im Boot war das Planungsbüro Beermann-Energiesysteme. "Ingenieur Günter Beermann war damals der Wind-Papst in Deutschland und baute auch die Windkraftanlage auf dem Münchener Müllberg", so Ludwig Biegerl. Und auch die Anlage in Denkendorf, zu welcher der Landwirt auf eigene Kosten eine Busfahrt für Stadträte und Bürger zur Information charterte. "Die waren alle überrascht, dass ein Windrad so wenig Lärm macht und sich gar nicht so schnell dreht."

Bauvoranfrage befürwortet

Nachdem die Bauvoranfrage, zunächst nur für das Windrad bei Dietersdorf, im Stadtrat einstimmig befürwortet wurde, ging die Familie kostenmäßig in Vorleistung. Als größte Hürde hätte sich dann aber der Landkreis Schwandorf herausgestellt. "Der Landrat wollte damals kein Windrad im Landkreis", sagt Martin Biegerl. Die Ablehnung wurde mit dem Naturschutz und auch mit der Tatsache begründet, dass im Regionalplan keine Standorte für Windkraftanlagen vorgesehen sind. Die Familie Biegerl legte Widerspruch ein, denn aufgrund eines Gutachtens war eine besondere Eignung für die nach Vorgabe der Bundesregierung privilegierte alternative Energiegewinnung gegeben. Ohne Unterstützung der Stadt klagten Biegerl und Beermann vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Mit Erfolg. "Der Regionalplan Nordoberpfalz wurde gekippt und wir konnten den weiteren Weg beschreiten", berichtet der Junior.

Drei Jahre lang erfolgten professionelle Windmessungen, die "ein sehr gutes Ergebnis für die zwei Binnenland-Standorte zeigten". Die Messung habe man auch für die Suche nach Investoren und die Gründung einer Windenergiegesellschaft benötigt. "Außerdem wurden Gutachten für Lärm und Schattenwurf erstellt mit positiver Bewertung", stellt Martin Biegerl fest. "Wir hätten eine Bürgeranlage gemacht", so der Senior, "wenn man das Windrad schon vor Augen hat, sollte man sich auch beteiligen können." Außerdem habe eine Anlage damals "weit weniger gekostet und viel mehr Einspeisevergütung gebracht". Damals hätte man den erzeugten Strom auch noch leichter in die Leitung einspeisen können, PV-Anlagen gab es noch nicht.

Am 20. Januar 2004 ging der Bauantrag von Ludwig Biegerl für die Errichtung einer Windkraftanlage auf der 744 Meter hoch gelegenen "Gradlhöhe" bei der Verwaltungsgemeinschaft Schönsee ein. "Über 3000 Drei-Personen-Haushalte hätte man damit versorgen können." Planer Beermann habe auch zu bedenken gegeben, dass wegen der Fernsicht im Schönseer Land nur Einzelanlagen Sinn machen.

Ende Februar fand eine Bürgerversammlung statt, bei der laut Zeitungsarchiv "das geplante Mammutprojekt für 2,2 Millionen Euro auf breite Ablehnung stieß". Kritikpunkte waren unter anderem die Baustellenzufahrt, gesundheitliche Bedenken, Birkhuhn-Ansiedlung und die Gefährdung des Fußballplatzes. Es gab die Meinung, es werde zu wenig Strom für eine kontinuierliche Nutzung gebraucht und es würden kommerzielle Gründe mit im Vordergrund stehen. Ludwig Biegerl sah sein Vorhaben allerdings in breiten Teilen der Bevölkerung als positiv bewertet und legte auch eine Unterschriftenliste vor.

Den Schlusspunkt setzte die Stadtratssitzung am 9. März 2004. Das gemeindliche Einvernehmen wurde dem Vorhaben mit 10:1 Stimmen verweigert, begründet mit einer Störung der natürlichen Eigenart der Landschaft und ihres Erholungswertes. Am 30. März zog Ludwig Biegerl den Bauantrag beim Landratsamt Schwandorf zurück. "Uns hat vor allem geärgert, dass der Stadtrat den Bauantrag ablehnte, obwohl die Bauvoranfrage einstimmig befürwortet wurde", stellt Martin Biegerl fest und ergänzt, "die Touristenzahlen sind auch ohne Windrad stark zurückgegangen".

Flächenmeldung wäre erledigt

Was bleibt, sind die Kosten der Familie Biegerl in Höhe eines mittleren fünfstelligen Euro-Betrages. Und laut Martin Biegerl eine entgangene Gewerbesteuereinnahme für die Stadt Schönsee, welche nach zehn Jahren Betriebsdauer eine jährliche Summe von rund 20 000 Euro (bei zwei Windrädern) betragen hätte. "Die Versorgung der Bürger wäre seit 2006 mit günstigen Strom gewährleistet und man müsste sich jetzt keine Gedanken über die Meldung von Windkraftflächen machen."

Doch auch wenn es mit der Windkraft nichts wurde, innovativ in die Zukunft wurde am Bauernhof in Rackenthal weiterhin gedacht. Martin Biegerl und seine Frau führen nicht nur die Landwirtschaft mit Direktvermarktung samt "Little Hill Ranch", sondern auch ein Speditionsunternehmen.

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