02.07.2018 - 17:01 Uhr
SchwandorfOberpfalz

721 Entbindungen im Jahr

Im Landkreis gibt es nur noch eine Geburtshilfeeinrichtung - das St.Barbara-Krankenhaus. Die Entbindungszahl liegt mit 721 im Jahr 2017 recht hoch, ist aber noch davon entfernt, die Abteilung wirtschaftlich rentabel zu machen.

Die Entbindungszahlen im Schwandorfer Krankenhaus sind auf einem hohen Niveau. Manchmal überstürzen sich die Ereignisse, wie zum Beispiel Ende Mai. Hitze und Gewitter führten zu einem Geburtenboom. Innerhalb von 21 Stunden kamen im Krankenhaus sieben Babys zur Welt. Es gibt dort aber genügend Ärztinnen und Hebammen, um auch mit so einer Situation fertig zu werden.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

(td) Der Kreisausschuss des Schwandorfer Kreistags hatte den Geschäftsführer des St.Barbara-Krankenhauses eingeladen, um von ihm aus erster Hand zu erfahren, wie es dort um die Geburtshilfe steht. Die Antwort, die Martin Baumann, ein promovierter Gesundheitsökonom gab, klang in den Ohren der Kommunalpolitiker sehr erfreulich. Aus mehreren Gründen.

Zum einen versicherte er, dass der Orden der Barmherzigen Brüder, der der Träger des Krankenhauses ist, die Versorgung des Landkreises über die nächsten Jahrzehnte sicherstellen will. "Wir sind Langstreckenläufer", versicherte Baumann schmunzelnd. Zum anderen verfügt das Krankenhaus, das zu einem ostbayerischen Verbund aus sechs Krankenhäusern gehört, nicht nur über eigenes medizinisches Personal, sondern kann auf Ärzte aus den anderen Häusern zurückgreifen: "Wir haben einen intensiven Personalaustausch vor allem mit Regensburg, die Oberärzte rotieren."

Abteilung defizitär

Baumann kam auch auf die Situation der Geburtshilfe zu sprechen. Der Freistaat will die Entbindungsmöglichkeiten auf dem Land sichern und hat versprochen, hohe Beträge zuzuschießen, um mögliche Defizite der Entbindungsstationen auszugleichen. Das Gesundheitsministerium in München rechnet damit, dass sich ab 800 Geburten im Jahr so eine Station wirtschaftlich trägt. "Ich weiß nicht, wie die auf diese Zahl kommen", sagte Baumann, "aber unsere Geburtsabteilung ist jedenfalls mit ihren 721 Entbindungen defizitär".

Man könnte in Schwandorf das Geld aus München also brauchen. Eine formale Voraussetzung für die Förderung hat der Kreistag bereits erfüllt. Er hat einen sogenannten "Betrauungsakt" verabschiedet und damit das Krankenhaus St. Barbara offiziell mit der Erbringung von Krankenhausbehandlungen im Fachbereich Geburtshilfe beauftragt. Sollte das Ministerium mitspielen, könnte es für die stationäre Geburtshilfeeinrichtung in Schwandorf bis zu einer Million Euro im Jahr geben.

Dass das Geld nötig ist, daraus machte Baumann kein Hehl. Immerhin hält die Geburtshilfeabteilung neben Chefärztin Dr. Susanne Merl und drei Oberärztinnen noch sechs Assistenzärztinnen vor (davon drei Fachärztinnen), acht Kinderkrankenschwestern und 17 Hebammen. Viel Personal also, dass teuer ist, aber eine hohe Qualität der Versorgung gewährleistet.

48 oder 55 Prozent?

Doch es gibt ein Problem mit den Fördervoraussetzungen. Die Hälfte aller Kinder, die im Landkreis Schwandorf in einem Jahr auf die Welt kommen, müssen im St.Barbara-Krankenhaus entbunden werden, sonst gibt es kein Geld. Tatsächlich aber sind es nicht 50 Prozent, sondern nur 48 Prozent. "Daran darf es nicht scheitern", bat Baumann die Kreisräte, in München ein gutes Wort einzulegen. Denn es gebe im Landkreis nunmal keine andere Geburtshilfeeinrichtung mehr - nachdem Nabburg (2004), Burglengenfeld (2009) und Oberviechtach (2011) dicht gemacht haben.

Vielleicht könne man so argumentieren, meinte Baumann: 1296 Kinder kamen im Jahr 2017 im Landkreis Schwandorf auf die Welt, 619 stammen aus dem Landkreis (48 Prozent) selbst; aber im Krankenhaus wurden tatsächlich 721 Kinder entbunden. Der "Überschuss" kommt überwiegend aus dem Landkreis Regensburg. Rechnet man ihn ein, ergibt sich eine Quote von 55 Prozent.

Wir haben eine gute Besetzung in der Geburtshilfe

Dr. Martin Baumann, St.Barbara-Krankenhaus Schwandorf

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