11.11.2018 - 11:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wenn Albträume Realität werden

Es gibt Einsätze, die so aus dem Rahmen fallen, dass aus dem Stand Strategien entwickelt werden müssen. Welcher Einfallsreichtum nötig ist, wenn zum Beispiel Flammen aus einem Rathaus schlagen, schildern die Redner beim Feuerwehr-Symposium.

Aus Oberbayern angereist: Albert Metsch von der Feuerwehr Wolfratshausen. Der 49-Jährige leitete den Hubschraubereinsatz, als es auf einem Alpenberg hoch über Kochel am See am Neujahrstag 2017 zu einem ausgedehnten Flächen- und Waldbrand kam. Zehn Helikopter mit mit über 800 Wasserladungen waren dabei im dreitägigen Einsatz.
von Autor HOUProfil

Das Symposium des Kreisfeuerwehrverbands hat Tradition. Nur alle zwei Jahre veranstaltet und heuer zum zehnten Mal. Erneut im Sitzungssaal des Müllkraftwerks und mit sorgsam vom Verbandsvorsitzenden Robert Heinfling ausgewählten Referenten. Dabei legt der Kreisbrandrat Wert darauf: Es muss sich um Vortragende handeln, die Außergewöhnliches zu berichten haben.

Zum Beispiel Stephan Prechtl. Er ist Leiter der Stadtwerke Amberg und hat sich mit seinen Mitarbeitern Gedanken darüber gemacht, was denn bei einem länger dauernden totalen Stromausfall sein würde. Eine in der Realität kaum zu meisternde Horrorvorstellung. Denn im Alltag ist der Strom unentbehrlich. Beim Telefon geht es los, bei der Wasserversorgung ist der Albtraum perfekt.

"Verzwickte Einsätze" hatte der Straubinger Stadtbrandrat Stephan Bachl seinen Bericht überschrieben. Schlimmer hätte es in der Gäubodenstadt nicht kommen können. Erst brennt ein Dachstuhl nahe des Marktplatzes und dann, wenige Tage später, geht das historische Rathaus in Flammen auf. 530 Kräfte gehen in den tagelangen Einsatz, elf Kilometer Schlauchleitungen werden verlegt, 900 Kubikmeter Wasser kommen aus den Strahlrohren. "Der neueste Kostenstand bei der Sanierung sind 45 Millionen Euro", informierte Bachl.

Unter enormen Kosten

Aus Oberbayern war Albert Metsch von der FFW Wolfratshausen angereist. Er koordinierte den Hubschaubereinsatz, als auf einem Berg der Alpen hoch über Kochel am See ein ausgedehnter Flächen- und Waldbrand ausgebrochen war. In der Silvesternacht vorletzten Jahres hatten ihn Wanderer verursacht, die wegen herrschender Kälte ein Lagerfeuer entfachten. "Wir mussten handeln", sagte Metsch und informierte: "Zehn Hubschrauber im Dauerflug, weil dort kein Mensch zu Fuß hin konnte." Auch hierzu gab es Fakten: 1,5 Millionen Liter Wasser, enorme Kosten und unter dem Strich "der größte Einsatz dieser Art in Bayerns Nachkriegsgeschichte."

Die Dramatik setzte sich fort. Aus Aschaffenburg kam Brandinspektor Otto Hofmann. Er schilderte die Bemühugen von Einsatzkräften, als auf der Autobahn nahe der hessischen Landesgrenze fünf Lastwagen bei Nacht aufeinander geprallt waren. Die Bilanz: Drei Tote, Millionenschaden und eine Medienberichterstattung, die sich "nur an einem unserer Leute aufhängte." Denn dieser Feuerwehrmann hatte mit Wasser auf vorbeikommede LKw gespritzt, deren Fahrer Videoaufnahmen machten. Die Behörden eröffneten kein Verfahren gegen ihn. "Über die Opfer", so Hofmann, "war nichts zu lesen."

Altenheim geräumt

In Neustadt/WN musste wegen eines Heizungsbrands ein Altenheim evakuiert werden. Kreisbrandrat Marco Saller beschrieb, wie diese Lage gemeistert wurde. Mit allem, was zur Verfügung stand in einer Situation, mit der keiner rechnen konnte. Noch dazu mitten in der Nacht

Mit Hans-Peter Klinger war ein Beamter da, der bei der Amberger Polizeiinspektion das Sachgebiet "Einsatz" leitet. Klinger führte die zunehmende Aggressivität gegenüber Uniformierten vor Augen und er schloss dabei Sanitäter und Feuerwehrleute in seinen Bericht mit ein. Ein übles Phänomen unserer Zeit, das auch in anderen Referaten des Symposiums angesprochen wurde: Renitente Unfallbeobachter, Kolonnen von Neugierigen mit Handys in der Hand, beleidigte, verletzte und bespuckte Menschen, die nur ihre Pflicht tun.

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