Es ist sein letztes Ehrenamt, das Volker Liedtke am Samstag abgeben wird. Neun Jahre lang war der 74-Jährige dann Präsident des Oberpfälzer Kulturbunds.
Jetzt, an einem heißen Tag Anfang Juli, sitzt Liedtke in einem Eiscafé am Schwandorfer Marktplatz und blickt zurück auf seine Zeit als Präsident – und es vergehen keine zehn Minuten, ehe er angesprochen wird. Einige kennen ihn noch aus seiner Zeit als SPD-Kommunalpolitiker, andere von seinen zahlreichen Ehrenämtern. Der Landkreis Schwandorf, er ist immer noch ein bisschen „sein“ Landkreis, auch wenn Liedtke vor elf Jahren aus seinem Amt als Landrat ausschied und inzwischen in Regensburg wohnt.
Wanderzirkus Kulturbund
Im Großen und Ganzen habe der Oberpfälzer-Kulturbund zwei Aufgaben, erklärt Liedkte jetzt. Einerseits biete der Verband eine Plattform für Kulturschaffende – zum Beispiel Trachtenvereine, bildende Künstler oder Kapellen. „Im Grunde ist der Oberpfälzer-Kulturbund der Dachverband von verschiedenen Verbänden aus der Region, zum Beispiel auf Kreisebene.“ Andererseits gebe es auch die eigenständige Kulturarbeit, die der Verband leiste: Die Organisation des Nordgautages (in Jahren mit gerader Zahl) und die der Oberpfälzer Kulturtage (in Jahren mit ungerader Zahl). In Schwandorf, Grafenwöhr und Wiesau, in Schwarzenfeld und Hirschau habe man in seiner Präsidentschaft unter anderem gefeiert. „Im Grunde sind wir ein Wanderzirkus.“ Er lacht.
Der Verband will Kultur im ländlichen Raum ermutigen, sagt Liedtke. Man wolle zeigen, dass Kultur eben nicht nur in den Metropolen stattfindet. Die Gemeinden seien dabei nicht nur Gastgeber, sondern Mitveranstalter, die selbst große Teile des Programms gestalten. "Ein oder zwei Highlights, die sonst wahrscheinlich nicht an diesem Ort gelandet wären, bringt der Kulturbund noch mit." In seiner Amtszeit sei ihm aufgefallen, dass der Begriff "Nordgautag" in vielen jungen Leuten nichts mehr auslöse – oder sie das Wort eher negativ auffassen, sagt Liedtke. Seit 2018 trägt das Fest deshalb zusätzlich den Titel "Kulturfest der Oberpfälzer". Ganz habe man den Titel nicht ändern wollen, wegen des Wiedererkennungswerts.
Feste zu feiern – wie eben beim Nordgautag – sei immens wichtig für eine Gesellschaft, sagt er. „Das sind Orte, wo man sich begegnet, wo man miteinander etwas tut – und die zur Identifizierung mit der Heimat beitragen.“ Bei jungen Menschen beobachte er in Sachen Feste aber eine ganz andere Entwicklung: „Da wird zwar auch gefeiert, aber viel unverbindlicher und ohne viel Verantwortung. Das Miteinander-Organisieren, das Zusammen-für-ein-Fest-Arbeiten, das falle da oft weg.“
Hauptberuflich Opa
Aber zurück zum Oberpfälzer Kulturbund: Hätte er keinen Nachfolger gefunden, wäre er selbstverständlich nochmals zur Wahl angetreten, sagt Liedtke. Mit seinem Posten werden am Samstag insgesamt vier neue Vorstandsmitglieder gewählt: „Vier von sieben, also eine ganze Menge. Wir haben aber geeignete Personen für diese Posten gefunden, die wir nicht einmal groß überreden mussten“, sagt er nicht ohne Stolz in der Stimme.
Wenn Liedtke am Samstag sein Amt des Präsidenten des Oberpfälzer Kulturbunds an seinen Nachfolger übergibt, wird er 44 Jahre ehrenamtlich tätig gewesen sein. "Deswegen habe ich nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei." Er lacht. Hauptberuflich sei er inzwischen Opa zweier Enkelinnen, (4,5 und 6,5 Jahre alt), sagt Liedtke. "Wenn ich die beiden zwei Wochen nicht gesehen habe, hat sich da schon wieder so viel verändert!" Er möchte sie aufwachsen sehen – auch weil er sehr eingespannt gewesen sei, als sein Sohn in diesem Alter war.
Zur Person: Volker Liedtke
- Geboren: 13. Dezember 1950 in Regensburg
- SPD-Kommunalpolitiker: Stadtratsmitglied und Vizebürgermeister in Burglengenfeld, Kreisrat und Stellvertreter von Landkreischef Hans Schuierer, Mitglied des Bezirkstags
- Arbeit als Lehrer für Deutsch und Geschichte am Schwandorfer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium (bis 1996)
- ab 1996: 18 Jahre lang Landrat des Landkreises Schwandorf
- Ehrenämter: Beim Roten Kreuz, beim Gartenbauverband, im Sparkassenverwaltungsrat, beim Zweckverband Müllverwertung, zuletzt Präsident des Oberpfälzer Kulturbundes



















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