31.05.2021 - 09:04 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Anbindehaltung: Landwirt befürchtet "Todesstoß" für Kleinbetriebe

Bayern möchte aus der ganzjährigen Anbindehaltung von Kühen aussteigen. Bei den Landwirten stoßen diese Pläne auf großen Widerstand.

Die Anbindehaltung der Kühe ist ein Auslaufmodell. Doch die Milchbauern brauchen Zeit für die Umstellung.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Mit ihrer Forderung nach einem schnellen Ausstieg aus der Anbindehaltung hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die bayerischen Milchbauern aufgeschreckt. „Das bedeutet für viele gesunde Kleinbetriebe den Todesstoß“, befürchtet der Nittenauer Landwirt Johann Hahn.

Für den stellvertretenden Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes seien „Management und Zucht der Kühe“ auf Stallhaltung ausgerichtet. „Wer eine Umstellung auf Weidebetrieb will, muss dem Landwirt Zeit geben“, forderte der BBV-Vertreter bei einem Pressegespräch im Tierzuchtzentrum. Das Problem löse sich in absehbarer Zeit von selbst, ist Johann Hahn überzeugt. Denn nur wenige Milchbauern würden in einen Laufstall mit Weidehaltung investieren, sondern ihre Betriebe aufgeben. „Dann geht aber der typisch dörfliche Charakter, der Bayern ausmacht, verloren“, gibt der Landwirt zu bedenken.

BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher sieht das Tierwohl auch in einem Anbindestall gewährleistet und betont: „Die Tiere werden mit Futter und Wasser versorgt und haben ihre Ruhe“. Gleichwohl hält auch er die Anbindehaltung für „ein Auslaufmodell“. Irlbacher wehrt sich aber gegen „den Druck, der auf die kleinen Betriebe ausgeübt wird“.

Kreisbäuerin Sabine Schindler nennt jene Tierschützer „Romantiker“, die glaubten, man müsse die Tiere nur auf die Weide treiben und alles sei gut. Sie verweist auf den hohen personellen Aufwand, den die Weidehaltung verursache. Für die Bäuerin aus Nittenau sei die Forderung nach Tierwohl durchaus berechtigt, doch die Politik müsse den Landwirten für die Umstellung Zeit lassen. Die Vorstellung von einem Laufstall mit angrenzender Weide sei „weit weg von der Praxis“, so die Kreisbäuerin.

BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann vermutet hinter dem Vorstoß der bayerischen Landwirtschaftsministerin „einen Profilierungsversuch im Wahlkampf“, der die kleinbäuerlich strukturierten Familien aber unnötig unter Druck setze. Druck übe inzwischen auch der Handel aus, der Milch aus Laufstall mit Weidehaltung höher bewerte als Produkte aus Anbindehaltung.

Für „völlig einseitig“ hält der Kreisgeschäftsführer auch „die aktuelle Diskussion rund um die Wiederkäuer“. Die von Umweltaktivisten geforderte Reduzierung von Rindern, Schafen und Ziegen lasse völlig Acht, „dass dann Wiesen und Weiden ungenutzt bleiben“. Nur Wiederkäuer seien in der Lage, den Grünlandwuchs zu verwerten und in hochwertige Kalorien für menschliche Ernährung umzuwandeln.

Für Kreisobmann Josef Irlbacher sei die Alternative, dafür mehr Nahrungsmittel importieren zu müssen, nicht nachvollziehbar. Die Grünlandnutzung trage zum Erhalt der Biodiversität bei und helfe, die Auswirkungen des Klimawandels zu reduzieren. Die Wirtschaftlichkeit der Nutzung sei bestimmend für den Erhalt des Grünlandes, so Irlbacher. Ausschlaggebend dafür sei der bewusste Konsum von Milch- und Fleischprodukten aus der Region.

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