25.02.2020 - 14:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nicht angeschnallt: Kinder bei Autobahn-Unfall verletzt

"So etwas vergisst man nicht", sagt der 63-Jährige und beginnt hemmungslos zu weinen. Draußen sitzen seine beiden Kinder, die bei einem Unfall auf der Autobahn schwere Verletzungen davongetragen hatten. Es gibt ein gerichtliches Nachspiel.

Gegen eine Geldbuße stellt das Gericht das Verfahren gegen den Vater der verletzten Kinder ein.
von Autor HWOProfil

Sie wollten ein paar unbeschwerte Urlaubstage verbringen. Bei Landshut frühmorgens aufgebrochen, waren der damals 61-Jährige und seine zum Unfallzeitpunkt sechs und zwölf Jahre alten Kinder in einem Pkw auf der A 93 in nördliche Richtung unterwegs. Um 7.25 Uhr an diesem heißen Sommertag im Juli 2018 passierte es dann zwischen den Anschlussstellen Schwarzenfeld und Nabburg.

Im Auto gab es offenbar unvorhergesehene Situationen. Das Mädchen klagte über Unwohlsein, sein Bruder schnallte sich ab und kletterte aus dem Sitz. Der am Steuer sitzende Vater musste eingreifen und bemerkte nicht, was sich vor ihm auf der Autobahn vollzog. Ein vorausfahrender tschechischer Sattelzug, beladen mit etlichen Tonnen Eisenteilen, war ins Schlingern geraten und quer zur Fahrbahn umgestürzt. In dieses Hindernis prallte der Pkw mit hoher Wucht.

Was dann kam, wird der nun vor Amtsrichterin Jennifer Jäger als Angeklagter sitzende Familienvater nie mehr aus seinem Gedächtnis löschen können. Er selbst war mit einem Fuß im Wrack eingeklemmt, sein Sohn lag vorne beim Armaturenbrett und hatte zahlreiche Knochenbrüche. Die Tochter klagte über heftige Schmerzen an der Hüfte. Sie hatte allem Anschein nach vor dem Aufprall ebenfalls den Sicherheitsgurt gelöst.

Die Rettungsleitstelle in Amberg löste einen Großalarm aus. Zum Abtransport der beiden verletzten Kinder flogen Helikopter an den Unglücksort. Auch ihr Vater und der Fahrer des Sattelzuges kamen in Krankenhäuser. Die Autobahn blieb über viele Stunden hinweg gesperrt. Auf 160 000 Euro wurde der Schaden von den Polizeibehörden geschätzt.

Nach Abschluss aller Ermittlungen schickte die Staatsanwaltschaft dem Vater der beiden Kinder einen Strafbefehl über 3600 Euro. Dabei rückte der Umstand, dass Tochter und Sohn nicht angeschnallt waren, in den Mittelpunkt. Der Niederbayer schilderte nun im Prozess, wie sich die Ereignisse buchstäblich überstürzten, er sich intensiv zu kümmern begann und dabei den plötzlich schlingernden und dann umkippenden Lastwagen nicht registrierte.

Die Richterin hörte sich das an, und sie sah, wie sehr der heute 63-Jährige noch immer unter den Ereignissen leidet. Es kam zum Glück hinzu, dass die Verletzungsfolgen weitgehend ausgeheilt sind. Deshalb schlug die Vorsitzende eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage vor.

Sowohl die Staatsanwältin als auch der Angeklagte akzeptierten das. Nun sind 1500 Euro an die Staatskasse zu zahlen. Als Buße gleichsam für einen außergewöhnlichen Fall, der weit über 100 Einsatzkräfte auf die A93 gebracht hatte.

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