17.09.2019 - 14:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Anstoß, der Existenzangst auslöst

Nach einem verursachten Unfall droht einem Kraftfahrer die Kündigung. Doch das Gericht schafft eine tragfähige Lösung.

Das Gericht trifft eine Entscheidung, die die Arbeitsstelle des Angeklagten nicht in Gefahr bringt.
von Autor HWOProfil

Irgendwie konnte einem der Mann leid tun. Aus Nordrhein-Westfalen mit seiner Familie angereist, geriet die Verhandlung vor dem Schwandorfer Amtsgericht zu einer existenziellen Angelegenheit für ihn. Denn sein Chef hatte bei längerem Fahrverbot unmissverständlich mit dem Rauswurf gedroht.

Der 58 Jahre alte Fernfahrer aus Unna musste heuer im April mit Fracht in die Oberpfalz. Das Navi lotste ihn in die Innenstadt von Teublitz. Doch dort wollte der Mann nicht hin. Zum Schluss blieb ihm nur ein Wendemanöver. Es hatte die fatale Folge, dass sich der Auflieger des Lastzuges an einem Bauzaun verhakte und ein Stück zu Fall brachte.

Der 58-Jährige fuhr weiter, hielt am Stadtrand und wollte über Handy die Polizei verständigen. Doch die war bereits alarmiert, sah den Familienvater, nahm dessen Personalien auf und schrieb eine Anzeige wegen Unfallflucht. Die daraus resultierende Konsequenzen waren ein Strafbefehl über 1200 Euro und zwei Monate Fahrverbot. Der dagegen eingelegte Einspruch geschah aus höchster Not heraus. Denn der Chef des Fernfahrers hatte bei Bekanntwerden der Ahndung sofort die Kündigung in Aussicht gestellt. Mit der Begründung: Zwei Monate Fahrverbot gehe in seinem Unternehmen nicht. Das hätte Amtsrichterin Franziska Bücherl nun gerne selbst von dem Spediteur gehört. Doch trotz Zeugenladung zog er es vor, einen für ihn wichtiger erscheinenden Termin wahrzunehmen.

"Wie hoch war der Schaden?", fragte die Richterin. Eine Rechnung sei nie gekommen, erfuhr sie. Mit anderen Worten: Der vom Auflieger des Lkws umgerissene Zaun wurde offenbar wieder aufgestellt und nie repariert. Dieser Umstand war ausschlaggebend für das, was anschließend geschah.

Die Richterin stellte sich zwar auf den Standpunkt, dass auch im vorliegenden Fall der Unfallflucht-Paragraf greife. "Sie hätten vor Ort bleiben müssen", erklärte Franziska Bücherl dem Mann aus Unna. Allerdings reduzierte sie das Fahrverbot auf einen Monat. Diese Frist der zwangsläufigen Abstinenz vom Lenkrad kann mit Urlaubstagen ausgeglichen werden. Sehr zur Freude von Anwalt Heinz Ettl, der dringend zu einer solchen Entscheidung geraten hatte.

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