Zum Projekt "Kunst-Lokal" gehört nicht nur eine Bilderausstellung, sondern auch flankierende Veranstaltungen. Als Schmankerl erwies sich eine Doppellesung, auch wenn es zu ihr starke akustische Konkurrenz gab, was Lesende und Zuhörer einigermaßen forderte.
Die Schwandorfer Künstlerin Nicole Y. Matschiner und vier Kolleginnen und Kollegen betreiben noch bis Ende Oktober eine Pop-Up-Galerie an der Friedrich-Ebert-Straße. Die Bilderschau wird jeweils an Samstagen ergänzt durch Zusatzangebote. Das erste Angebot war eine Lesung mit den beiden Autorinnen Karin Schulz und Evelyn Utz. Beide haben Schwandorfer Wurzeln, beide geben der Heimatstadt in ihren Büchern Platz. Aber beide haben einen ganz unterschiedlichen Stil.
Die gebürtige Schwandorferin Evelyn Utz wirft in ihrem Buch "Frollein Eves Sicht der Dinge" einen trockenhumorigen Blick auf die witzigen Momente des Lebens, von denen sich einige auch in Schwandorf abgespielt haben. Sie plaudert mit einem Augenzwinkern aus dem Nähkästchen und nimmt die Zuhörer mit auf ihre Reise durch die Höhen und Tiefen der Kindheit und Jugend in oberpfälzischen Gefilden - inklusive wilden Begegnungen mit wackelnden Wildschweinnasen, peinlichen Momenten auf dem Weg zur Schule und Kindergarten-Raufereien mit der Biene-Maja-Tasche. Evelyn Utz arbeitet als freie Illustratorin und Texterin und hat passend zu ihrem Buch eine Postkartenserie und Lesezeichen entworfen, die mit dem Buch auf der Lesung erhältlich waren.
Karin Schulz, die aus Schwandorf stammt und in Berlin lebt, hat in den 1980er Jahren alles mitgemacht - und aufgeschrieben: Punks, Häuserbesetzungen, politische Hoffnungen und Enttäuschungen, der Kampf und die WAA. Herausgekommen ist ein feines und gut lesbares Buch mit dem Titel "Egal", in dem sich so manche wiedererkennen können. Die Hauptfigur des Buches, das starke autobiografische Anklänge besitzt, hat den sprechenden Namen Nadine Schreiber. Sie ist das literarische Alter Ego von Karin Schulz, die sich in Romanform über ihre "wilde" Dekade vom Ende der 1970er Jahre bis zum Super-Gau von Tschernobyl 1986 Rechenschaft ablegt.
Kaum hatte die Lesung Schwung aufgenommen, machte sich allerdings eine Rockband bemerkbar. Sie war zum städtischen "Mondschein-Shopping" engagiert worden und hatte ein Podium gegenüber des Eingangs zum "Kunst-Lokal" bezogen. Auch wenn die Musik gut war, störte sie doch beide Lesende und natürlich auch die Zuhörer, die sich stark auf die Worte konzentrieren mussten. Trotzdem zogen am Ende alle eine positive Bilanz, denn den beiden Autorinnen war es trotz des akustischen Handicaps gelungen, die Besucher der Veranstaltung in ihre jeweilige literarische Welt mitzunehmen.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.