12.11.2018 - 12:09 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Augustin Rösch, ein Vorbild im Widerstand

Wegen des Films „Wackersdorf“ spricht zur Zeit jeder über Altlandrat Hans Schuierer. Ein ähnlich mutiger Charakter war Augustin Rösch, auf den ein neues Buch hinweist. Auch er ein Schwandorfer, der Widerstand geleistet hat.

Im Beisein des stellvertretenden Landrats MdL Joachim Hanisch (links) und der Zweiten Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt, Ulrike Roidl (Dritte von links), trug Buchautor Alfred Wolfsteiner seine Gedanken zum Jesuiten und Hitlergegner Pater Augustin Rösch vor. Anlass war die Vorstellung einer neuen Rösch-Biografie von Wolfsteiner am Wochenende in der Stadtbibliothek.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Schwandorf ist der Geburtsort von Pater Augustin Rösch SJ (1893-1961), der sich als Provinzial der Oberdeutschen Provinz der Jesuiten mit Sitz in München mit dem NS-Regime auseinandersetzen musste, das den Orden unnachgiebig verfolgte. Willensstark und unerschrocken setzte er sich für den Orden und die ihm anvertrauten Mitbrüder ein und versuchte, die Bischöfe gegenüber den Nazis auf einen härteren Kurs zu bringen.

1941 lernte Rösch Helmuth James von Moltke kennen, der ihn sowie die beiden Jesuiten Alfred Delp und Lothar König SJ in den Kreisauer Kreis einführte und München zu einem Zentrum des Widerstandskreises machte. Moltke bezeichnete Rösch einmal als „stärksten Mann des Katholizismus in Deutschland“. Nach dem Attentat vom 20. Juli wurde er verhaftet und schwer misshandelt. Doch er überlebte sein Todesurteil, weil ein Volltreffer sein Gefängnis in Schutt und Asche legte; Rösch kam frei. Beim Wiederaufbau der Demokratie in der Nachkriegszeit spielte er als Mitglied des bayerischen Senats und Landes-Caritasdirektor eine wichtige Rolle.

Vor 125 Jahren geboren

In seinem 125. Geburtsjahr erinnert ein Buch an diesen mutigen Schwandorfer, Jesuiten und Widerstandskämpfer. Der langjährige Bibliotheksleiter in Schwandorf, Alfred Wolfsteiner, hat eine Biografie geschrieben, die im Pustet-Verlag erschienen ist. Wie der Autor bei der Vorstellung seines neuen Werks erläuterte, war es P. Augustin Rösch, der ab 1941 versuchte, sowohl die katholischen Orden als auch die deutschen Bischöfe massiv gegen die Nazis mobil zu machen.

Zwar wurde ein „Ausschuss für Ordensangelegenheiten“ gegründet, der die Bischöfe beraten sollte und dem auch Rösch angehörte. Mehrere von Rösch initiierte Hirtenbriefe mit scharfen Formulierungen scheiterten aber an den Ängsten der Bischöfe.

Bei einem Besuch in Berlin kam Rösch eher zufällig mit Graf Helmuth James von Moltke in Kontakt, der ihn schließlich zu den Treffen des „Kreisauer Kreises“ einlud. Die Mitglieder des „Kreisauer Kreis“ befassten sich mit der Neuordnung Deutschlands nach dem erwarteten Zusammenbruch des Hitlerregimes im Geiste der Rechtsstaatlichkeit, des Christentums und der sozialen Gerechtigkeit.

Auf der Fahndungsliste

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 geriet auch P. Augustin Rösch auf die Fahndungslisten und der Jesuitenprovinzial konnte untertauchen, wurde aber verraten und verhaftet. Röschs Mitbruder P. Alfred Delp wurde hingerichtet, während Rösch nur knapp dem Urteil des Blutrichters Freisler entging und den Krieg überlebte. Bereits seit 1946 war P. Rösch Mitglied des bayerischen Senats, ab 1947 war er Landes-Caritasdirektor und später Leiter des kirchlichen Suchdienst es. Am 7. November 1961 ist P. Augustin Rösch in München gestorben.

Pater Stefan Hofmann, der in Schwandorf zur Schule gegangen ist, gestand zu Beginn seiner Anmerkungen, „ich wusste nicht, dass Rösch Schwandorfer war“. Er lobte das Buch als „sehr spannend“ und urteilte, dass die katholische Kirche zur Hitlerzeit „zu passiv“ gewesen sei. Er führte das auf ein Staatsverständnis zurück, das Paulus skizziert hatte. „Ziviler Ungehorsam war lange nicht üblich, weil es keinen geistigen Raum für Widerstand gab.“ Das habe sich heutzutage geändert.

„Der stärkste Mann des Katholizismus in Deutschland“ von Alfred Wolfsteiner, 120 Seiten, 12,95 Euro, Verlag Friedrich Pustet

Der aus Wackersdorf stammende Jesuitenpater Stefan Hofmann entwickelte bei der Buchvorstellung seine Gedanken zum Thema ziviler Ungehorsam.
Die Biographie behandelt das Leben von Pater Augustin Rösch – ein gebürtiger Schwandorfer, der im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.