06.04.2021 - 11:53 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ausbildung in Corona-Zeiten: Stellenangebot bleibt im Raum Schwandorf weiter hoch

Auch wenn die Lage für die Schüler der Abschlussklassen wegen Corona alles andere als einfach ist: Zumindest die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz ist gut. Jedenfalls beim Blick auf die nackten Zahlen.

Die Zahl der Lehrstellen sinkt, gleichzeitig gibt es weniger Bewerber. Unser Bild entstand bei Gerresheimer Wackersdorf.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Macht sich die Pandemie auch auf dem Lehrstellenmarkt bemerkbar? So eindeutig lässt sich das nicht sagen. Zwar gab es im vergangenen Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt weniger Lehrstellen als im Jahr zuvor, und dieser Trend setzt sich aktuell fort. Allerdings stehen den freien Stellen auch weniger Bewerber gegenüber.

Das ergeben die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit, die Ende März vorgelegt wurden. In der Gesamtbetrachtung ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Bezirk der Agentur Schwandorf (Kreise Schwandorf, Cham, Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg) im Vergleich zum Vorjahr von einem Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen sowie der gemeldeten Bewerber geprägt. Positiv für die junge Leute: Die Statistik zeigt einen deutlichen Überhang von Stellen zu Bewerbern.

Seit Beginn des statistischen Berichtsjahres im Oktober 2020 meldeten die Betriebe für den gesamten Bezirk rund 3890 Ausbildungsplätze. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang um immerhin 270 Ausbildungsplätze oder 6,5 Prozent. Ende März waren noch knapp 2090 Stellen unbesetzt.

Dem Ausbildungsplatzangebot stehen im März rund 1780 Jugendliche und junge Erwachsene mit Wohnort im Bezirk gegenüber, die als Bewerber bei der Arbeitsagentur gemeldet sind und eine Lehrstelle suchen. Das sind im Vergleich zum März des vergangenen Jahres rund 180 Bewerber oder 9,4 Prozent weniger. Unversorgt sind derzeit noch rund 760 junge Leute. Regional zeigt sich folgende Entwicklung:

Trotz der Pandemie bleibt es rein statistisch so, wie Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, bei der Lehrstellenbilanz Ende 2020 bilanzierte: "Alle Branchen kämpfen um Nachwuchs, die Jungen können es sich quasi aussuchen, wohin sie wollen." Dennoch kämpften sowohl Handwerk als auch Handel und Industrie im vergangenen Jahr mit einem deutlichen Rückgang von abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Ausbildungsstellen: Bilanz 2020

Schwandorf

Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK Oberpfalz, bilanzierte im Oktober 2020 einen durchschnittlichen Rückgang an abgeschlossenen Ausbildungsverträgen von 11,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das sei alarmierend, sagte der IHK-Vertreter bei einem Pressegespräch im Herbst.

Den größten Mangel gab es laut Agentur im vergangenen Jahr in den Bauberufen. Auf 733 Ausbildungsstellen kamen nur 164 Bewerber. Damit blieben 569 Stellen unbesetzt. Große Lücken gab es auch im Dienstleistungsbereich, im Metall- und Maschinenbau sowie bei Elektroberufen. Die Pflege- und Erziehungsbranche dagegen kam relativ gut weg: Von 298 Stellen wurden 223 besetzt. Der Trend hin zu weiterführenden Schulen und Studium war auch 2020 ungebrochen. Die aktuell vorgelegten Zahlen sprechen nicht dafür, dass sich das ändert. Der Fachkräftemangel der Zukunft lässt da schon grüßen.

  • Im Landkreis Schwandorf wurden 1390 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, knapp 100 Stellen oder 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Demgegenüber beträgt die Zahl der Bewerber rund 590, das sind etwa 70 Bewerber oder 10,7 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Im Nachbar-Landkreis Amberg-Sulzbach sind bis März knapp 630 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet worden, rund 70 Stellen oder 9,7 Prozent weniger als im Vorjahr. 450 Bewerber suchen eine Stelle, etwa 60 oder 12,4 Prozent weniger als im März 2020.
  • Für die Stadt Amberg meldet die Agentur 520 Ausbildungsstellen zur Besetzung, 30 weniger als im Vorjahr. Die Bewerberzahl blieb mit rund 140 konstant.
  • Im Landkreis Cham sind 1360 Ausbildungsstellen registriert worden, das sind rund 70 Stellen weniger als noch 2020. Demgegenüber liegt die Zahl der Bewerber mit 600 etwa 7,6 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Hintergrund:

Immer weniger Auszubildende

  • Vor zehn Jahren lag die Zahl der Auszubildenden im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf (Kreise Schwandorf, Cham, Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg) noch bei etwa 3500.
  • Im vergangenen Jahr bilanzierte die Agentur gerade noch 3027 Lehrlinge.
  • Die Agentur für Arbeit bietet vielerlei Hilfen sowohl für Bewerber als auch für Ausbildungsbetriebe an.
  • Pro Jahr werden dafür rund 5,5 Millionen Euro ausgegeben. Etwa ein Drittel der Mittel fließt in den Landkreis Schwandorf.

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