26.10.2018 - 12:43 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ausländer verstehen

Sie "ticken" anders, die vielen Flüchtlinge, die jetzt in Deutschland leben. Wie versteht man ihre Einstellungen richtig, wie bindet man sie erfolgreich in eine Firma ein? Fragen, auf die ein Vortrag der IHK Antworten verspricht.

Dr. Sylvia Schroll-Machl sprach auf Einladung der IHK über interkulturelle Kompetenz. Als ausgewiesene Expertin erläuterte sie auf unterhaltsame Art die Kulturwelt der Zuwanderer.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Unternehmen entdecken in Zeiten des Fachkräftemangels das Potenzial von Mitarbeitern mit Migrations- und Fluchthintergrund. Über die kulturellen Unterschiede referierte die Psychologin Dr. Sylvia Schroll-Machl in ihrem Vortrag "Interkulturelle Kompetenz (nicht nur) beim Arbeitgeber" im Haus des Guten Hirten. Die Expertin machte dabei auf die häufigsten Fehler deutscher Mitarbeiter und Führungskräfte aufmerksam. Laut Schroll-Machl gehe es darum, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, ohne zu vergessen, dass die Zugewanderten eine Anpassungsleistung an die deutsche Kultur und Gesellschaft erbringen müssen. Sie können sonst am deutschen Arbeitsmarkt nicht bestehen.

Die Referentin war auf Einladung der IHK gekommen, so dass Manuel Lischka als Leiter der IHK-Geschäftsstelle im Landkreis Schwandorf sie willkommen hieß. Der Zuhörerkreis setzte sich überwiegend aus Lehrern und Firmenvertretern zusammen. Unter anderem war Horsch-Ausbildungsleiter Anton Grauvogl dabei, dessen Unternehmen Horsch Maschinen GmbH in Sitzenhof bei Schwandorf als Vorreiter in Sachen Integration von Flüchtlingen gilt.

Schroll-Machl kommt aus der wissenschaftlichen Sozialpsychologie der Universität Regensburg, ist Buchautorin und langjährige Trainerin von Unternehmensvertretern, die Handel mit außereuropäischen Ländern betreiben. "Wenn zwei Kulturen aufeinandertreffen, ist der Kulturschock qualvoll", stellte sie fest. Um Flüchtlinge und Asylbewerber in die deutsche Kulturwelt zu integrieren, müsse zunächst deren Herkunftskultur verstanden werden. Andererseits sei es aber auch erforderlich, unsere eigene Kultur genau zu definieren. "Nur wer seine eigene Kultur zu beschreiben vermag, kann den Flüchtlingen vermitteln, was von ihnen erwartet wird", stellte Schroll-Machl fest.

Der überwiegend in den islamischen Ländern bestehenden Kulturwelt wurde dann die Situation in Deutschland gegenübergestellt. Dabei gelte es auch, Einfühlungsvermögen zu beweisen und zu verstehen, "wo die Zuwanderer Schwachpunkte haben". Die einzelnen Themenbereiche stellte die Referentin in sehr anschaulicher Art vor. Deutschland sei geprägt vom Individualismus, der islamische Raum dagegen vom Kollektivismus. "Wir trennen Beruf und Privatleben, die Menschen, die zu uns kommen, tun dies nicht".

Sachorientierung, abstrakte Systeme, Zeitplanung sowie direkte und explizite Kommunikation stehen Personenorientierung, Hierarchiedenken, Flexibilität und "umschreibender" Kommunikation gegenüber. Arbeit erledigten Zuwanderer nach "subjektiv empfundener Dringlichkeit, ad hoc, flexibel und improvisierend". Selbstständigkeit und "Bringschuld des Mitarbeiters" seien außerhalb von Europa unbekannt.

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