10.12.2018 - 12:35 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bahnstreik hat Auswirkungen auf Schwandorf

"Der Warnstreik hat ganz schön reingehauen," urteilt der junge Schwandorfer Lokführer. Auch auf dem Bahnhof Schwandorf stehen am Montag für Stunden alle Züge still.

Warten im Saal des Schwandorfer Bahnhofs und immer wieder bange Blicke auf die elektronische Anzeigetafel: Welche Züge fallen aus, wann geht es weiter? Zwischen 6 und 9 Uhr war definitiv kein Zugverkehr.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Zum Wochenbeginn hatte die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zwischen 5 und 9 Uhr zu Warnstreiks beim Personal der Deutschen Bahn aufgerufen. Weil in Schwandorf auch die Fahrdienstleiter streikten - also jene Beschäftigten, die die Signale stellen - ging nichts mehr. Ab 6 Uhr war definitiv Schluss mit dem Zugverkehr.

Stundenlanges Warten

Was den einen Freud', ist des anderen Leid. Das gilt auch häufig bei Streiks, gerade wenn das öffentliche Leben davon berührt wird. Hart getroffen hat es zum Beispiel Michael Hammerl. Der 56-Jährige war kurz vor 6 Uhr in Weiden in den Zug nach München gestiegen. "Ich muss operiert werden und hatte einen Termin zur Voruntersuchung", erzählte er im Saal des Schwandorfer Bahnhofs. Denn dort war für ihn erst einmal das vorläufige Ende der Reise. "Als wir Schwandorf erreicht haben, hieß es auf einmal, alle müssten aussteigen, bis 9 Uhr würde kein Zug mehr nach München fahren."

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Damit war der ursprüngliche Untersuchungstermin in der Landeshauptstadt geplatzt. "Ich fahre trotzdem weiter, vielleicht bekomme ich ja heute noch einen Ersatztermin", gibt er sich zuversichtlich. Das Geld für sein Ticket in Höhe von 43 Euro hat Hammerl jedenfalls in Schwandorf anstandslos zurück bekommen. Als neuen Fahrschein hat er sich ein preisgünstiges Bayern-Ticket besorgt. "Und das", wusste Hammerl, "gilt sowieso erst ab 9 Uhr".

In eine andere Richtung, nämlich nach Nürnberg, wollte die Studentin Veronika Süß. Sie ist um 6.38 Uhr in Pfreimd eingestiegen - und dann wie Hammerl und viele andere in Schwandorf gestrandet. "Ich muss eh in Schwandorf umsteigen", berichtete sie, "aber es ging dann nicht weiter". So hat die 20-Jährige einen Roman aus ihren Tasche gezogen und sich die Zeit mit Lesen vertrieben. "Einen Kaffee trinken war ich auch", sagte sie schmunzelnd.

Kurz vor 9 Uhr kam dann Bewegung in die Schar der Wartenden, die bis dahin mit dem Hinweis "Heute Beeinträchtigungen im Bahnverkehr auf Grund von Warnstreiks der EVG", vertröstet wurden. Den zweiten Satz auf der elektronischen Tafel "Bitte informieren Sie sich vor Reiseantritt" empfanden vor allem die Frühaufsteher unter den Reisenden als Hohn.

Nachdem die Räder wieder rollten, entspannte sich die Lage auf dem Schwandorfer Bahnhof erst einmal wieder. Der Lokführer des Zuges Richtung Nürnberg, der um 9.07 Uhr losfuhr, war auf jeden Fall zufrieden mit dem Warnstreik. Er selbst hatte am Montag sehr früh und damit bereits vor dem offiziellen Beginn des Ausstandes zu arbeiten begonnen "und so bin ich einmal nach Amberg gefahren und wieder zurück". Dann war auch für ihn Schluss mit dem Dienst.

EVG will mehr Geld

In Bayern kam der Zugverkehr am Montag übrigens fast vollständig zum Erliegen. Nur die Stammstrecke der S-Bahn in München sei in Betrieb gewesen, hieß es. Am Samstag hatte die EVG die Tarifverhandlungen für rund 160 000 Beschäftigten abgebrochen. Bei der Lohnerhöhung war der DB-Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen. Die EVG will erst dann wieder verhandeln, "wenn die Bahn ein neues, verbessertes Tarifangebot" vorlegt.

Vom Bahnstreik war unter anderem der Weidner Michael Hammerl betroffen, der eigentlich sehr früh in München sein musste und für den in Schwandorf die Reise erst einmal beendet war.
Nichts tun war auch für diesen Lokführer angesagt. Erst kurz nach 9 Uhr schaltete er den Motor seiner Lokomotive wieder ein.
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