29.08.2018 - 16:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Baustopp statt Boarding

Momentan geht nichts: Der Bau der beiden Boardinghäuser der Firma Horsch steht. Nach der Klage eines Anliegers hat die Justiz einen vorläufigen Baustopp verhängt.

Der Bau der beiden Boarding-Häuser am Ettmannsdorfer Berg ist weit gediehen. Gegen die Baugenehmigung hat ein Anlieger geklagt. Das Verwaltungsgericht Regensburg stoppte die Arbeiten vorläufig.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

(ch) Rund zwei Millionen Euro investiert der Landmaschinenherstelller in die beiden Gebäude. Auf rund 1000 Quadratmetern sollen hier 19 möblierte Wohneinheiten entstehen. Horsch-Mitarbeiter aus den verschiedenen Niederlassungen im In- und Ausland sollen hier an der Ettmannsdorfer Straße 139 untergebracht werden, wenn sie etwa zu Schulungszwecken für längere Zeit im Stammwerk auf dem Sitzenhof tätig sind.

Die Bauarbeiten sind aber momentan eingestellt. Das bestätigte der städtische Pressesprecher, Lothar Mulzer, den Oberpfalz-Medien auf Anfrage. "Mit Bescheid vom 28. März 2018 wurde durch die Stadt die Baugenehmigung für das Vorhaben der Firma Horsch erteilt. Dagegen wurde durch einen Anlieger Klage beim Verwaltungsgericht Regensburg erhoben", teilte Mulzer mit. Beklagte ist die Stadt. Das Verwaltungsgericht Regensburg ordnete mit Beschluss vom 10. Juli die aufschiebende Wirkung der Klage an und stellte die Baumaßnahmen ein. Die Stadt habe als Folge dieses Gerichtsbeschlusses mit Bescheid vom 19. Juli die Baueinstellung förmlich angeordnet. Mulzer: "Seit dem 19. Juli ruht die Baustelle".

Gewerbe als Angriffspunkt

Das Verwaltungsgericht Regensburg bestätigte gegenüber der Redaktion die Klage. Die Baugenehmigung verletze den Anspruch auf Erhalt der Gebietsart, sei einer der Klagegründe, so der Sprecher des Gerichts, Vorsitzender Richter Markus Eichenseher. Nach Auffassung der Klägerseite lasse der Bescheid der Stadt erkennen, dass es sich bei dem Bereich am Ettmannsdorfer Berg um ein allgemeines Wohngebiet handle. Nach Auffassung der Klägerseite sei sogar - faktisch - ein reines Wohngebiet vorherrschend. Bei dem geplanten Bauvorhaben liege aber keine "normale Wohnnutzung", sondern eine gewerbliche Nutzung vor, führen die Kläger laut Eichenseher an. Das Raumkonzept sei einem Beherbergungsbetrieb angenähert, meint der Kläger laut Eichenseher. Jedenfalls stehe die vorgesehene Nutzung nach Auffassung der Klägerseite im Widerspruch zu den bislang vorhandenen Nutzungen, so dass sie auch nicht als gebietsverträglich angesehen werden könne. Daneben moniere der Kläger unter anderem, dass das Hanggrundstück für die Bebauung nicht geeignet sei und wendet sich gegen die aus seiner Sicht unzureichende Verkehrserschließung über eine Stichstraße.

Beschwerde eingelegt

Die siebte Kammer des Verwaltungsgerichts habe am 10. Juli die aufschiebende Wirkung der Klage angeordnet, weil die Richter jedenfalls mit Blick auf den geltend gemachten Gebietserhaltungsanspruch die Erfolgsaussichten der Klage zumindest als offen angesehen hätten, so Eichenseher. Heißt: Die Richter sehen die Möglichkeit, dass der Kläger Recht bekommen könnte. Gegen diesen Beschluss, der den Baustopp nach sich zog, habe der beigeladene Bauherr - also Horsch - laut Eichenseher Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München eingelegt. Über diese Beschwerde ist noch nicht entschieden, teilte das Münchner Gericht auf Nachfrage mit. Erst danach wird das Regensburger Gericht in der Hauptsache entscheiden.

Das Unternehmen Horsch äußerte sich gegenüber den Oberpfalz-Medien nur zurückhaltend zu dem offenen Verfahren. "Wir bedauern den Baustopp," so Firmensprecher Daniel Brandt, "und werden unterstützen, wo wir können, damit es bald weitergehen kann."

Ein "Boardinghaus" bietet hotelähnliche Leistungen, ist aber auf einen längeren Aufenthalt der Gäste angelegt. Mitte April hatten die Bauarbeiten für die beiden Gebäude mit 27 Betten mit einem Spatenstich begonnen. Die Erdgeschosse stehen bereits. Die 15 Einzel-, je 2 Doppel- und Dreibettzimmer verteilen sich auf etwa 1000 Quadratmetern Wohnfläche. Das Grundstück misst etwa 2000 Quadratmeter.

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