15.07.2020 - 15:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Besuche im Seniorenheim und Krankenhaus als Verwaltungsakt

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In Krankenhäusern und Seniorenheimen herrschen auch im Landkreis Schwandorf noch strengere Corona-Vorschriften. Angehörige zu besuchen ist möglich, allerdings steckt eine Menge Arbeit für das Personal dahinter. Wie wird das alles geregelt?

Am Eingang zum Schwandorfer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ist ein Gesundheits-Check, um die Corona-Pandemie einzuschränken.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Nahezu "so wie vor Corona" ist unser Alltag mittlerweile. Bis auf die Maskenpflicht beim Einkaufen läuft vieles wieder normal. Zumindest oberflächlich betrachtet. Aber gerade in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern oder Senioren- und Pflegeheimen gelten weiterhin strenge Vorschriften, um Patienten, Bewohner, Besucher und das Personal zu schützen.

Im "Barmherzige Brüder Krankenhaus St. Barbara" in Schwandorf hält man sich streng an die staatlichen Vorgaben. Immerhin: seit 2. Juli gibt es Lockerungen. "Wir haben die Besuchszeit auf bis zu zwei Stunden pro Tag anstatt einer Stunde verlängert, und der Besucher kann täglich wechseln. Vorher wurde eine feste Besuchsperson benannt", erklärt Pressesprecherin Caroline Kappes auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Seit 9. Mai sind Besuche im Krankenhaus möglich, immer noch herrschen strenge Auflagen

Schwandorf

Im Vordergrund stehe allerdings immer, dass Patienten, Besucher und Mitarbeiter ausreichend geschützt sind. Auf die Einhaltung der Hygieneregeln muss weiterhin akribisch geachtet werden. Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind oder im Verdacht einer Infektion stehen, dürfen das Krankenhaus selbstverständlich nicht betreten.

Am Eingang findet ein Screening statt, das heißt es wird die Temperatur gemessen und gefragt, ob man Corona-Symptome hat. Wenn dieses auffällig ist, muss der Besucher ebenfalls draußen bleiben. Bei Menschen, die im Sterben liegen und Palliativpatienten kann in Absprache mit dem Arzt eine Ausnahme gemacht werden.

Klare Handlungsempfehlung

Andrea Birzer leitet das Seniorenheim "Arche Noah" in Nabburg. Sie ist sehr glücklich darüber, dass ihre Schützlinge wieder Besuch haben dürfen. "Es ist zwar ein immenser Verwaltungsakt, aber wenn alle an einem Strang ziehen, geht es schon." Für den Besuch in Alten- und Pflegeheimen gibt es eine Handlungsempfehlung des Bayerischen Staatsministeriums, an das sie sich halten.

Alle tun nicht nur in dieser Zeit ihr Bestes.

Otto-Josef Langenhan, Kreisgeschäftsführer des BRK

Otto-Josef Langenhan, Kreisgeschäftsführer des BRK

Wenn man einen Angehörigen besuchen will, muss man sich zunächst telefonisch melden und einen Termin ausmachen. "Wir können nicht mehr als vier Leute gleichzeitig da haben", sagt Birzer. Deshalb ist es umso wichtiger die Termine zu koordinieren. Etwa auf eine Stunde ist der Besuch begrenzt, damit möglichst viele drankommen. Es darf auch eine zweite Person mitkommen. "Wenn zum Beispiel mal ein Enkerl mitwill", präzisiert Birzer.

Getroffen wird sich dann im Eingangsbereich, der Lobby sozusagen. Natürlich mit Mund-Nasen-Schutz und 1,5 Meter Abstand. "Selbstverständlich verstehen wir aber auch den Wunsch unsere Bewohnerinnen und Bewohner und derer Angehörigen sich wieder zu sehen, miteinander zu sprechen und vielleicht in den Arm zu nehmen. In normalen Zeiten wünschen wir uns dies und fördern dies sogar. Wir haben nur leider noch keine normalen Zeiten", sagt Otto-Josef Langenhan, Kreisgeschäftsführer des BRK.

Bei dementen Personen muss der Besuch auf dem Zimmer stattfinden, da sie sich nur schwer an solche Regeln halten könnten. Außerhalb der Besuchszeit können die Heimbewohner in kleinen Gruppen ihren Alltag leben, ihren Hobbys nachgehen und erhalten Ansprache.

Enormer Verwaltungsakt

Die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Schwandorf würde wunderbar klappen. "Da muss ich ein großes Lob aussprechen", sagt Andrea Birzer. Wenn ein Heimbewohner ins Krankenhaus muss, wird dieser sofort auf ein Einzelzimmer gebracht und "isoliert" behandelt - im positivsten Sinne. Das gewährleistet, dass er nach dem Krankenhausaufenthalt nicht in Quarantäne muss, sondern sofort zurück in die Gruppe kann - vorausgesetzt es liegen keine Corona-Symptome vor.

Ganz zu Beginn der Corona-Pandemie haben deshalb zwei Heimbewohnerinnen 14 Tage in ihren Zimmern verbringen müssen, die Pfleger konnten nur in Ganzkörper-Schutzanzügen zu ihnen. "Das war ganz schlimm für die Frauen", erinnert sich Birzer und ist froh, dass dies nun anders ist.

Nur zwei Stunden

Auch im Alten- und Pflegeheim Oberviechtach geht "ohne Termine gar nichts", wie Katharina Schneider, Heim- und Pflegedienstleiterin, versichert. Die Angehörigen dürfen die Bewohner unter Einhaltung aller Hygienevorschriften vormittags von 10 bis 11 Uhr besuchen oder nachmittags zwischen 13 und 17 Uhr und dann auch für zwei Stunden am Stück. "Also man hat wirklich viel Zeit", betont Schneider. Am Eingang wird man von einem Mitarbeiter abgeholt. "Bei schönem Wetter findet der Besuch möglichst draußen statt, das ist natürlich noch besser", so Schneider. Die Besuche würden "wunderbar" klappen und die Familien seien auch sehr dankbar, dass es überhaupt geht.

"Die Situation für Bewohner und Mitarbeiter ist so sicher noch immer nicht optimal - wie mir vermittelt wird, haben wir aber Wege gefunden, dass alle damit umgehen können", sagt Otto Langenhan. Alle würden nicht nur in dieser Zeit ihr Bestes tun und versuchen, Schaden und Leid fernzuhalten. "Vielleicht braucht es nur noch etwas Geduld", so seine Hoffnung.

Nach vorheriger Anmeldung und unter gewissen Auflagen dürfen Angehörige in Senioren- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern besucht werden. Beim Alten ist aber noch lange nicht alles.

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