28.05.2019 - 15:02 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Bilder als Inspirations-Quelle

Als Jugendlicher hörte Mulo Francel (51) Songs von ABBA, Peter Maffay und Reinhard Mey - bis er die Plattensammlung seines verstorbenen Vaters mit amerikanischem Jazz entdeckte. Nach dem ersten Schock fasziniert ihn die Musik.

Musiker Mulo Francel lässt sich von Bildern inspirieren. Am Mittwoch war der Künstler zu Gast bei Sven Faller (rechts).
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Mulo Francel tourt mit seinen Ensembles um die Welt, von Europa bis Kanada, von Malaysia bis Mexiko und vom Balkan bis New York. In Amerika hat auch Bassist Sven Faller lange Zeit gelebt. Beide kennen sich seit der Jugend, haben sich zwischenzeitlich aus den Augen verloren und in Singapur zum ersten Mal wieder getroffen. Kürzlich standen sie auf der Show-Bühne des ausverkauften Oberpfälzer Künstlerhauses.

"Live-Talk & Musik": Das Format von Sven Faller hat mittlerweile Kultstatus. Der Wahl-Schwandorfer lädt sich regelmäßig Gäste ein, die nicht nur gut musizieren, sondern auch unterhaltsam plaudern können. Mulo Francel bezeichnet das Saxofon und den Bass als Eckpunkte eines Orchesters. "Sie müssen sich", so ermuntert er die Zuhörer, "dazwischen noch ein Klavier und ein Schlagzeug vorstellen". An diesem Abend kommt das Duo aber gut ohne Begleiter aus.

Anekdoten aus aller Welt

"Wie lässt du dich inspirieren für deine Musik?", fragt Sven Faller. "Das funktioniert über Bilder", erzählt Mulo Francel und zeigt ein Foto, bei dem der Eiffelturm zwischen zwei Frauenbeinen emporragt. "Was anderen feministisch erscheint, ist für mich inspirativ", so der Künstler. Er schreibt Lieder über "einen alten Menschheitstraum, das Fliegen" und schwärmt von der persischen Lyrik, der schon Goethe erlegen sei. Muro Francel und Sven Faller verbindet nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch eine starke Affinität zum Geschichtenerzählen. Sie haben ihre Musik in unterschiedlichste Länder getragen und von diesen Reisen Anekdoten, Melodien und Inspirationen mitgebracht.

In die zweite Hälfte steigt das Duo mit einem "kubanischen Walzer" ein, ein Genre, dass Francel "selbst erfunden hat", wie Faller bemerkt. Das ist typisch für ihre Arbeitsweise. Alles, was die Künstler unterwegs bewegt, wird aufgegriffen und in die eigene musikalische Welt integriert. So auch "ein energiegeladenes Neuarrangement" des Volksliedes "Die Gedanken sind frei" aus dem neuen Programm "Volkslied reloaded" der Formation "Quadro Nuevo". Es ist der Versuch, die Tradition des deutschen Volksliedes wieder zu beleben.

Faller erzählt, wie sein amerikanischer Stief-Großvater ihm die "Deutsche Klassik" nahegebracht habe. Während er selbst amerikanische Musik im Radio hörte, sammelte der Opa Schallplatten mit deutscher Musik, die er später dem Stief-Enkel vererbte. In der folgenden Komposition von Faller, die den Großeltern gewidmet ist, spielt Francel "klagende Phrasen" auf der Klarinette, die an die Volksmusik der Juden erinnern. Das Set endet mit osteuropäischen Klängen auf der Bassklarinette. Das Stück "Die Reise nach Batumi" handelt von einer Reise in die mystische Stadt im Kaukasus, die aber nie ans Ziel führt.

Zwei Zugaben

Als Zugabe gab es eine swingende Komposition von Faller mit dem Titel "Autobahn". In seiner Ansage erzählt er, dass die vielen Stunden, die er auf der Autobahn verbringt, einen fast schon therapeutischen Effekt haben und die meisten Ideen hervorbringen. Zugleich gebe es keinen Ort in Deutschland, an dem man einen besseren Überblick über die Höhen und Tiefen der Volksseele bekommen könne. Nach der zweiten Zugabe, einer romantischen Jazzballade, ist das Publikum sichtlich beseelt und feiert die beiden Musiker mit langanhaltendem Applaus.

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