19.05.2021 - 19:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Blaskapellen in den Startlöchern: Erst testen, dann proben

Für rund 2000 Blasmusiker im Landkreis Schwandorf könnten am Freitag wieder Proben im kleinen Rahmen beginnen, nach über einem halben Jahr Pause. Wir haben nachgefragt, wie die Kapellen starten wollen.

Blasmusik - wie hier die Nabburger Jugendblaskapelle beim "Tonart" – gehört zu vielen Festen. Seit November waren Präsenz-Proben verboten. Ab Freitag können kleine Gruppen wieder gemeinsam üben.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Seit November ohne Proben, von großen Konzerten ganz zu schweigen: Die Blaskapellen waren zum pianissimo gezwungen. Wer ein Instrument spielt, weiß: Ohne Übung geht wenig. Erst recht nicht in einem großen Ensemble. Da geht's um mehr, als um "richtig" gespielte Noten. Die Mitmusiker hören, dem Dirigenten folgen, gemeinsam ein Stück zum "swingen" bringen. Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Teile. Ab Freitag gibt's Hoffnung: Dann dürfen Laienensembles zumindest in kleinen Gruppen wieder proben, unter Voraussetzungen.

Blasmusik: Es geht ans Eingemachte

Nabburg

Wenn einer die Blasmusik-Szene im Landkreis kennt, dann Joseph Ferstl. Der Kreisvorsitzende des Nordbayerischen Musikbunds ist auch Vorsitzender der Jugendblaskapelle Nabburg. "Probenmäßig ginge wieder was. Die Frage ist: Tun sich die Leute das an?", sagt er mit Blick auf die Corona-Vorgaben. Zwar werde es unter den knapp 2000 Musikern in den 32 Kapellen des Kreisverbands einige geben, die als vollständig geimpft oder genesen gelten. Alle anderen müssen einen gültigen, negativen Test vorlegen, wenn sie proben wollen. Manche Entscheidung kann Ferstl da auch nicht verstehen: "Schüler müssen in der Schule getestet werden. Der Test gilt dann aber nicht für die Freizeit, es gibt keine Bestätigung. Das versteht kein Mensch." Die Kapellen sondieren nach seinen Worten, wie die Proben organisiert werden können. Das Wetter lasse derzeit kaum Proben im Freien zu. "Alle Kapellen versuchen, das irgendwie auf die Reihe zu bekommen." Auch die Nabburger.

Wieder miteinander musizieren

Wichtig sei, dass zumindest spielfähige Besetzungen zusammenkommen könnten. "Damit man miteinander Musik machen kann." Registerproben alleine reichen kaum. "Wir müssen auch ausprobieren: Was können wir noch". In einem halben Jahr Pause gehe so manches verloren. Online-Proben könnten die Präsenz nicht ersetzen. "Jede Kapelle wird sehen müssen, was übrig geblieben ist. Wir brauchen Proben, dass wir uns wieder finden." Was ihn freut: "Die jungen Musiker sind fleißig dabei geblieben." Das Online-Vorspielen für die Leistungsprüfungen sei gut angenommen worden. Aber: "Auch die Lehrer sagen mir, live ist live." Was Ferstl befürchtet: Dem ein- oder anderen könne es zu viel Aufwand sein, sich vor den Proben auch noch testen lassen zu müssen. Auch wenn die Kapellen selbst Tests anbieten können. Kosten dafür könnten bei einem Hilfsprogramm des Freistaats angemeldet werden, sagte Ferstl.

Dem Kolping-Spielmannszug Oberviechtach hat die Pandemie nicht nur die Proben, sondern auch das Jubiläum verhagelt. Jubiläumskonzert, Festwochenende: Corona hat die Feier des 50-jährigen Bestehens vorerst unmöglich gemacht. Ein Konzert ist auf 23. Oktober verschoben. "Aktuell proben wir noch online", sagt Dirigent Reinhard Plößl, "anders ging ja nicht". Am Freitag – dem normalen Probetag – will der Spielmannszug noch nicht in die Präsenz-Proben einsteigen. "Wir planen, in der kommenden Woche unsere Proben zu organisieren, in kleinen Gruppen." Die knapp 30 Aktiven warten natürlich drauf, auch die etwa 10 Nachwuchsmusiker, die derzeit in Online-Ausbildung sind. "Präsenz-Proben sind das oberste Ziel. Sie sind nicht zu ersetzen", sagte der Stabführer. Wie Tests und Dokumentation geregelt werden, sei noch ungeklärt.

"Wir werden es am Freitag probieren", sagt Bernhard Müller. Die Test- und Dokumentationspflicht bedeute zwar einigen Aufwand, betont der Vorsitzende der VHS-Jugendblaskapelle Schwandorf. Aber: Es werde Zeit, dass sich die Musiker wiedersehen, im Proberaum in der Fronberger Grundschule oder im Freien, wenn es das Wetter erlaubt. "Wir nutzen die App ,Konzertmeister‘, dort koordinieren wir unsere Termine." Die Musiker, die am Freitag dabei sein wollen, können sich dort anmelden. Wer zur Probe will, muss einen negativen Test oder einen Impfnachweis vorlegen. Der Vorstand will Selbsttests besorgen, wenn es nötig wäre. "Es geht in erster Linie auch um den Zusammenhalt", sagt Müller. Die knapp 40 Musiker vom "großen Orchester" sind alle bei der Stange geblieben.

Um Nachwuchs besorgt

"Leider sind uns ein paar Nachwuchsmusiker abgesprungen", bedauert Müller. "Da müssen wir, wenn es wieder leichter wird, unser Augenmerk drauf richten". Nun sollen Stück für Stück die einzelnen Register zusammengeholt werden. "Ich hoffe, dass die Inzidenz weiter sinkt. Unter 50 wäre es leichter," sagt Müller. Auftreten will die Kapelle natürlich auch baldmöglichst wieder. "Die Leute warten ja drauf", womit Müller Musiker wie Publikum einschließt. Dazu besteht auch bald die Chance: Laut Kabinettsbeschluss vom Dienstag sollen ebenfalls ab Freitag Kulturveranstaltungen im Freien mit bis zu 250 (getesteten) Gästen möglich sein. Jetzt müssen die Kapellen aber erst mal proben.

Kabinett beschließt weitere Lockerungen

Bayern

"Schüler müssen in der Schule getestet werden. Der Test gilt dann aber nicht für die Freizeit, es gibt keine Bestätigung. Das versteht kein Mensch."

Joseph Ferstl, Kreisvorsitzender des Nordbayrischen Musikbunds.

Joseph Ferstl, Kreisvorsitzender des Nordbayrischen Musikbunds.

Der Kolping-Spielmannszug Oberviechtach wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Das Jubiläumskonzert ist verschoben.
Hintergrund:

Noch kein Rahmenkonzept

  • Laienensemble dürfen ab 21. Mai wieder proben, mit maximal 10 Musikern im Innenraum oder 20 im Freien, so lange die Corona-Inzidenz im Landkreis unter 100 liegt. Auch entsprechende Abstandsregeln gelten.
  • Wer nicht vollständig geimpft ist oder als genesen gilt, muss einen gültigen, negativen Corona-Test vorlegen. Die Testpflicht soll bei einer Landkreis-Inzidenz unter 50 fallen.
  • Näheres soll ein Rahmenhygienekonzept der zuständigen Ministerien regeln, das seit 10. Mai angekündigt ist, aber bis Mittwoch nicht vorlag.

 

 

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