08.01.2019 - 10:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Jede Blüte ist wichtig

"Artenvielfalt" lautet das Jahresthema der Gartenpfleger im Landkreis. Referent Günter Reil, wünscht sich, dass die Gärten wieder naturnaher und blütenreicher werden. Die Zukunft der Schmetterlinge hängt davon ab.

Der Schachbrettfalter gilt als gefährdet. Er wurde deshalb zum Schmetterling des Jahres 2019 gekürt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Fachvortrag eines Experten steht auch beim 63. Dreikönigstreffen der Gartenpflegervereinigung des Landkreises im Mittelpunkt. Vorsitzende Petra Schmid hatte dazu Günter Reif in die Kantine des Landratsamtes eingeladen. Dieser ist Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Kulmbach und seit 40 Jahren als Gartenpfleger aktiv.

Reif interessierte sich deshalb auch für die Vereinsangelegenheiten des Schwandorfer Verbandes (wir berichteten) und lobte das über viele Jahre hinweg erfolgreiche Konzept. "Ich bin ein verrückter Hobbygärtner", outete sich der Gast aus Kulmbach, der mit seiner erfrischenden Art keine Sekunde Langeweile im rund eineinhalbstündigen Vortrag aufkommen ließ. Dazu trugen auch seine brillanten Schnappschüsse mit dem Makroobjektiv bei. In seinem Garten beobachtete er über 50 Arten von Schmetterlingen, ihre Fortpflanzung und Lebensweise. Besonders interessant für die Zuhörer waren auch die bevorzugten Nahrungspflanzen. "Wir sollten mehr Natur zulassen", betonte Reif. Denn je naturnaher und blütenreicher das eigene Grün ist, desto besser sei dies für die Tag- und Nachtfalter.

Februar bis November

"Schmetterlinge gehören zu den Insekten, die am stärksten rückläufig sind. In Bayern stehen 50 Prozent auf der Roten Liste", betonte der Referent. Deshalb sei es wichtig, dass Gemeindeflächen nur ein bis zweimal gemäht werden, die Gartenbeete im Herbst nicht abgeräumt werden und ein Nahrungsangebot von Ende Februar (Krokusse) bis in den November (Schmuckkörbchen) hinein, bereitgestellt wird. "Jede Blüte ist wichtig", betonte der engagierte Oberfranke.

Er mahnte zu einer reichhaltigen Pflanzenwelt für den Nektar, aber auch als Raupenfutter. Reif ermunterte die Gartenbesitzer, möglichst viele Zwiebeln für Frühblüher zu setzen und Blumenwiesen als Nahrungsquellen anzulegen. Neben einem Merkblatt über die "fliegenden Edelsteine" hatte Vorsitzende Petra Schmid eine Samentüte für einen Quadratmeter Schmetterlings-Wildbienensaum für jeden Zuhörer vorbereitet. Und der Referent hatte Echinacea-Samen dabei. Von folgenden Pflanzen werden die häufigeren Tagfalter unwiderstehlich angezogen: Silberblatt (Kleiner Fuchs), Phlox (Aurorafalter), Krokus (Zitronenfalter), Petunie (Taubenschwänzchen), Federnelke (Distelfalter), Fetthenne (Admiral) oder Herbstaster (Tagpfauenauge).

"Narrischer" Zitronenfalter

Reif stellte einige "Familien" wie Weißling, Bläuling, den Dickkopffalter als Hochgeschwindigkeitsflieger oder die schönen Edelfalter vor. Der leidenschaftliche Fotograph und Naturfreund zeigte auch die jeweilige Mumienpuppe und beschrieb besondere Gewohnheiten. Zitronenfalter, Tagpfauenauge, C-Falter sowie Kleiner und Großer Fuchs halten einen Winterschlaf und dies überwiegend in Garagen, Schuppen und Holzlegen. Der "Narrischte" sei der Zitronenfalter mit seinem Pelz und dem Glykol in den Adern. Der Schönste sei für ihn der Ritterfalter. Natürlich hatte er abschließend auch ein Foto vom Schmetterling des Jahres 2019 dabei: Der Schachbrettfalter aus der Unterfamilie der Augenfalter innerhalb der Familie der Edelfalter.

Der Applaus belohnte den Gast für seine weite Anreise am Feiertag. Mit den Gartenpflegern traf er aber auch auf das richtige Publikum, welches das Gespür für die kleinen Wunder der Schöpfung mit ihm teilt. Im Laufe des Jahres wird es noch weitere Aktionen zum Thema "Artenvielfalt und blühende Landschaft" geben.

Schmetterlinge gehören zu den Insekten, die am stärksten rückläufig sind. In Bayern stehen 50 Prozent auf der Roten Liste.

Günter Reif aus Kulmbach

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