24.09.2019 - 14:57 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Brouda, dou is da Oker

Ofensetzer, Vermesser, Journalist, Spielekritiker, Autor. Eugen Oker war ein Multitalent. Alfred Wolfsteiner baut dem gebürtigen Schwandorfer im Künstlerhaus das Denkmal, das in seiner Heimatstadt fehlt.

Alfred Wolfsteiner, Eugen-Oker-Kenner und ehemaliger Leiter der Schwandorfer Stadtbibliothek, ließ die Geschichten und Gedichte des Autors im Künstlerhaus aufleben.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Da trötet der Elefant, und die Tiere beratschlagen, wie sie den stinkreichen Dschungelbesitzer, der sie mit einem Zaun aussperren will, wieder loswerden. Die Lösung: Die Vögel bombardieren das Grundstück mit ihren Hinterlassenschaften, die Hyänen heulen dazu. Der Dschungelbesitzer gibt auf. Trörö. Fritz Gebhardt alias Eugen Oker hat die Fabel den Babba dem Maxl erzählen lassen. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Geschichte auch als Parabel zum WAA-Widerstand taugt. Selbst Kindergeschichten hatten bei dem Autor etwas hintersinniges, voll von sprachlichen Feinheiten.

In "Schwanheim"

Alfred Wolfsteiner, ehemaliger Stadtbibliothekar und profunder Kenner Eugen Okers und seines Werks, hat dem gebürtigen Schwandorfer am Montag im ausverkauften Oberpfälzer Künstlerhaus ein Denkmal gebaut. Der Abend gehörte zu den "Literaturtagen im Oberpfälzer Jura 2019", Volkshochschule und Künstlerhaus machten da gerne mit. Wolfsteiner zeichnete ein klares Bild von jenem kreativen Multitalent, das Schwandorf nach seinem Wegzug 1971 nie mehr offiziell besucht hat, nach seinen Büchern wie den "Lebensfäden" und dem "Lebenspullover". Seine Schilderungen des Lebens in "Schwanheim" trafen den ein oder anderen Nachbarn offenbar ins Mark, das reichte bis zu Prozessen. Dass Fritz Gebhardt beizeiten auch ein rechter Oberpfälzer Sturschädel gewesen sein soll, wie Wolfsteiner erklärt, war einer möglichen Versöhnung eher nicht dienlich.

Wenn Wolfsteiner aber Oker erzählen lässt, wie er nach dem Krieg seiner Heimatstadt zueilt, weil er gerade vom Bombenangriff erfahren hat, sich um die Seinen in der Hafnerwerkstatt sorgt und fluchend vor dem zerbombten Haus steht, da wird klar, welch grandioser Erzähler dieser Gebhardt war. Immer mit einer Portion Humor, wenn etwa der Vater einen US-Soldaten auffordert, einen Ziegelstein wegzuschießen, weil der auf den Abort zu fallen droht. "Fetzenfein" beschreibt Oker das Leben in den Trümmern.

Bekannt wurde Oker durchs Radio, mit "Bayern, wo's kaum einer kennt" hat er den Gernstls dieser Zeit eine Vorlage geliefert. In "Leips" (rückwärts lesen!) hat er Spiele vorgestellt und kritisiert. Und dann natürlich die Geschichten "Babba, sagt der Maxl", für die Gebhardt den Astrid-Lindgren-Preis erhielt. Vor dem Fritz-Bauer-Preis durfte Oker noch den ersten (und bislang einzigen) "Schwarzhofener Literaturpreis" entgegen nehmen, dotiert mit zwei Kilo Steinpilzen, wie Wolfsteiner erzählt. Das war die Art Humor, die dem Fritz Gebhardt gefiel.

Den Oberpfälzer Dialekt hat Oker in poetische Höhen gehoben. Der Band "So wos schüins mou ma soucha" ist bei aller Bissigkeit eine reine Liebeserklärung. Das Gedicht "Heimat" etwa: "Wensd niad fuaddgäisd, halzdas, dahoim, niad lang aas." Einen ganzen Text widmet Oker den "stürzenden Diphthongen" im Dialekt. "Brouda, Brouda, so a Douda, is a Louda", heißt es da, und Wolfsteiner als waschechter Oberpfälzer kostet das natürlich aus, als idealer Interpret der Sprache Okers. Günter Schmid (Akkordeon) und Johannes Bauer (Bass) umrahmen den Abend passend mit alten Schlagern und das Publikum singt mit.

"So wos schüins"

Bekanntestes Werk Okers ist wahrscheinlich "Winnetou in Bayern", jene als Kinderbuch verkannte Geschichte über Schwandorfs Felsenkellerdiebe, die hier natürlich "Santer" heißen. Der Apotheker Altenöder kommt drin vor, sein Enkel Peter Altenöder erzählte am Montag von seinem Großvater, der einst die Marienapotheke führte.

"Der Fritz hätte gesagt: So wos schüins häd I gern a no erlebt", ergriff Ehrenbürger Franz Sichler zum Schluss das Wort, als Weggefährte von Fritz Gebhardt. Eine Versöhnung der Stadt mit ihrem Sohn wäre längst angebracht, meinte Sichler. Allein: Noch nicht einmal eine Straße ist nach Oker benannt. So bleibt der Abend zum "100.", den Fritz Gebhardt im Juni gefeiert hätte, vorerst das einzige Denkmal. Aber ein sehr gelungenes.

Der Fritz hätte gesagt: So wos schüins häd I gern a no erlebt.

Ehrenbürger Franz Sichler, Freund Eugen Okers.

Ehrenbürger Franz Sichler, Freund Eugen Okers.

Eugen Oker, geboren als Fritz Gebhardt in Schwandorf, hat seiner Heimatstadt in seinen Romanen und Geschichten ein Denkmal gesetzt. Das Bild entstand Ende der 1990er-Jahre. Am 24. Juni 2019 wäre Fritz Gebhardt 100 Jahre alt geworden. Am 14. März 2006 ist er gestorben.
Peter Altenöder, Enkel des Apothekers aus Okers "Winnetou in Bayern", zeigte alte Bilder und erzählte Anekdoten.
Günter Schmid (Akkordeon, links) und Johannes Bauer (Bass) spielten alte Schlager. Das Publikum stimmte gerne mit ein.

Zum zehnten Todestag von Eugen Oker

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