Schwandorf
29.06.2018 - 15:09 Uhr

Von Büchern und Menschen

Wenn er an die Brückl-Fibel denkt, kommt Alfred Wolfsteiner ins Schwärmen. Das Lesebuch ist ihm präsent wie am ersten Tag. "Heute schreibe ich fast mehr, als ich lese", sagt der Bibliothekar. Dafür bleibt ihm ab 1. August mehr Zeit.

Bibliothekar Alfred Wolfsteiner blättert in einem Buch, auf das er zu Recht stolz ist: Die Schwandorfer Stadtchronik, an der er als Redakteur und Autor wesentlich mitgearbeitet hat. Hösamer
Bibliothekar Alfred Wolfsteiner blättert in einem Buch, auf das er zu Recht stolz ist: Die Schwandorfer Stadtchronik, an der er als Redakteur und Autor wesentlich mitgearbeitet hat.

"Man arbeitet mit keinem Buch so intensiv wie mit dem ersten Lesebuch", sagt Wolfsteiner. Er muss es wissen. Seit fast 40 Jahren ist er Bibliothekar, seit Oktober 1982 in Schwandorf. "Mit Menschen und mit Büchern zu arbeiten, für mich gibt's nix schöneres". Das Talent ist ihm gegeben, das durften Generationen von Schülern genauso erleben wie erwachsene Literaturfans, die in Wolfsteiner immer einen guten Ratgeber zur Seite hatten. Seine Ausbildung in einer wissenschaftlichen Bibliothek ist dabei vor allem den jungen Leuten zugute gekommen. Material für ein Referat, eine Facharbeit? "Frag' mal den Wolfsteiner", war nicht nur Gauß-Gymnasium ein geflügeltes Wort. "Für das Bibliothekswesen hab ich mich schon früh interessiert", erzählt er, der in Schnufenhofen (Kreis Neumarkt) aufgewachsen ist. Als ihm dann ein Bibliothekar den "Ulysses" von James Joyce mit den Worten über den Thresen reicht, dass er als junger Mann das eh nicht verstehen werde, hat das Wolfsteiner nur angestachelt.

Nach Internatszeit in Burghausen und Abitur am Ostendorfer in Neumarkt ging's für Wolfsteiner an die Beamtenfachhochschule für Archiv- und Bibliothekswesen nach München. Als junger Diplombibliothekar war er zunächst an der Uni Regensburg, dann mit 26 Jahren schon als Bibliothek-Chef in Bamberg, schließlich Schwandorf. Als Leiter einer Bibliothek zu bestimmen, was angeschafft wird, "das ist toll", sagt Wolfsteiner. Gut 25000 Medien zählte die Bibliothek 1982, und 76 000 Ausleihungen. 2017 waren es rund 58 000 Medien und fast 232 000 Leihen. Rund 40 Prozent der Kunden kommen von außerhalb. Eine Erfolgsstory, die sich Wolfsteiner auf die Fahnen schreiben darf, wenn er jetzt zum 1. August in Ruhestand geht. Zumal die Schwandorfer Bücherei zu den Pionieren gehört, wenn es um neue Medien geht. Egal ob CD, DVD, PCs, Wlan-Zugang, E-Book-Leihe oder Musik-Streaming. "Man darf sich dem nicht verschließen", sagt Wolfsteiner. Das Buch werde nie seine Bedeutung verlieren. Mit vielen Veranstaltungen wurde die Bibliothek zum Treffpunkt kulturell interessierter Menschen. "Die Leser und die Bücher wachsen einem ans Herz", sagt er. In Schwandorf geriet er mitten hinein in die WAA-Auseinandersetzungen, in denen sich Wolfsteiner im Widerstand stark engagierte. Das führte ihn zur SPD - mit Hans Schuierer als Vorbild. Die Kommunalpolitik fesselt ihn noch heute, als zweiten Bürgermeister von Schwarzhofen.

"Wenn ich was anfange, dann ziehe ich es durch. Manchmal fange ich etwas zu viel an", sagt er mit seinem typischen Lachen. Vor allem der Heimatkunde widmet Wolfsteiner viel Herzblut. "Heimat", das sei ihm wichtig, wahrscheinlich wegen der Internatszeit. Aufsätze, Artikel, Bücher: Wer im Bayerischen Verbundkatalog nach Alfred Wolfsteiner sucht, stößt auf 195 Einträge. Der wichtigste vielleicht: "Schwandorf in Geschichte und Gegenwart", die Stadtchronik in zwei Bänden von 2001. Wolfsteiner hat sie als Redakteur betreut, dazu 21 Fachleute gewonnen, die zehn Jahre an dem Werk arbeiteten. "Da bin ich heute noch stolz, dass sich die unter einen Hut gebracht habe", sagt Wolfsteiner, "die Chronik wird mich überleben."

Wer schreibt, bleibt, heißt es. Aber nicht deshalb wird es von Wolfsteiner noch viel Interessantes zu lesen geben, es macht ihm einfach Spaß, zu forschen und zu schreiben. Da ist ja auch das Projekt "Andiamo", das alte Straßen und Wege vor dem Vergessen retten will und an dem Wolfsteiner mitarbeitet. Jetzt freut er sich darauf, mehr Zeit mit seiner Frau Angela Heller-Wolfsteiner zu verbringen. Und da gibt es ja noch die Gemeindebibliothek in Schwarzhofen. Da könnte man doch eine heimatkundliche Fachbibliothek aufbauen. . .


Leonie Flachsmann (links) leitet künftig die Stadtbibliothek. exb
Leonie Flachsmann (links) leitet künftig die Stadtbibliothek.
Info:

Leonie Flachsmann

Seit 18. Juni ist als Alfred Wolfsteiners Nachfolgerin Leonie Flachsmann in der städtischen Einrichtung in der Sandstraße. Zur Zeit wird die neue Kollegin eingearbeitet und es stehen auch noch zwei größere Veranstaltungen an, die gemeinsam organisiert werden. In der Sitzung im Mai dieses Jahres hatte sich der Personalausschusses einstimmig für die Bewerberin Leonie Flachsmann (30) entschieden. Sie ist in Emmendingen (Baden-Württemberg) geboren und hat im Jahr 2015 ihr Studium für das Bibliothekswesen an der Hochschule der Medien in Stuttgart abgeschlossen. Anschließend machte sie in Betriebswirtschaft und Marketing ihr Master-Diplom gemacht. Als bekennende "Leseratte" und schriftstellerisch ambitionierte Diplombibliothekarin freut sich Leonie Flachsmann auf ihre neue Aufgabe in Schwandorf.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.