31.01.2020 - 10:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Der Chef geht weiter zu Fuß

Kann ein Unternehmen an den Rand seiner Existenz gelangen, wenn der Chef vorübergehend keinen Führerschein hat? Die Schwandorfer Amtsrichterin Franziska Bücherl hörte das Argument und entschied völlig anders.

von Autor HWOProfil

Der 66-jährige Mann besitzt im Landkreis Cham eine Firma mit 20 Mitarbeitern. Er selbst sitzt nicht nur im Büro, er ist permanent auf Achse, wenn es um Kundenaufträge geht. Allerdings mit dem Wagen so flott unterwegs, dass durch diverse Verstöße im Lauf der Zeit acht Punkte in Flensburg zusammenkamen.

Die Verkehrsbehörde musste daraufhin reagieren. Sie entzog ihm die Fahrlizenz für längere Zeit, gab sie nicht automatisch zurück und verfügte die Teilnahme an einer Eignungsprüfung. Der 66-Jährige ließ sich währenddessen chauffieren, absolvierte den sogenannten MPU-Test erfolgreich und hätte den Führerschein zurück erhalten.

Zwei Wochen vor der Aushändigung wurde der Unternehmer bei Neukirchen-Balbini gestoppt und kontrolliert. Dabei stellten Polizeibeamte fest: Der Mann durfte nicht am Steuer sitzen. Daraufhin bekam er eine Geldstrafe und drei weitere Monate Fahrverbot. An sich keine allzu drastische Ahndung. Doch dann, so wurde nun vor der Amtsrichterin ins Feld geführt, habe sich ergeben, dass ein Betriebsangehöriger, der ihn während der vorangegangenen Führerscheinsperre chauffiert hatte, wegen längerer Erkrankung nicht mehr hilfreich tätig werden konnte.

Als die Richterin in den Unterlagen blätterte, wurde plötzlich deutlich: Der Firmeninhaber hatte trotz des Intermezzos bei Neukirchen-Balbini zwei Wochen darauf, wie von der Verkehsbehörde angekündigt, seine Lizenz zurückbekommen und war nur kurze Zeit später auf der Autobahn als Temposünder "geblitzt" worden. Mit einem erneutem Eintrag in die Kartei.

Das Wort "unbelehrbar" fiel in der Verhandlung ebenso wie die dringende Bitte des Verteidigers, ein Unternehmen mit 20 Bediensteten nicht dadurch zu gefährden, dass sein Mandant nun weitere drei Monate nicht fahren dürfe. Denn jetzt gebe es keinen mehr, der den Chef an Einsatzorte bringe.

"Sie hätten eben zwangsläufig noch zwei Wochen warten müssen", sagte die Richterin in ihrem Urteil. Sie verhängte 2400 Euro Geldbuße und hielt an den bereits im Strafbefehl stehenden drei Monaten Fahrverbot fest. "Ich denke nicht", so fügte sie hinzu, "dass Ihre Firma deswegen untergeht."

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