Ohne über dessen Herkunft Bescheid zu wissen, bringt Christian Springer den Komponisten der Bayernhymne Konrad Max Kunz ins Spiel, der nur einen Steinwurf von der Spitalkirche entfernt im Schwandorfer Blasturm geboren wurde. Die bayerische Staatsregierung suchte im Jahre 2012 einen Text für die dritte Strophe des von dem Schwandorfer komponierten Lobgesangs auf das Bayernland. Eine Jury entschied sich für einen der Vorschläge, die anonym eingeschickt worden waren. Der Verfasser forderte darin gleiches Recht für Mann und Frau in einem vereinten Europa. Als sich dann aber herausstellte, dass die Version von Muhammed Agca stammte, lehnte sie die CSU-Mehrheit im Landtag ab.
Anstand vorleben
Gegen solch latent vorhandenen Rassismus kämpft Christian Springer an – in Schulen, im Fernsehen und in Vorträgen. Am Donnerstag sprach der Kabarettist, Schauspieler und Buchautor im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus in der voll besetzten Spitalkirche in Schwandorf. Er hält den Scheuers, Schuhbecks und Hoeness' in dieser Gesellschaft den Spiegel vor und meint: „Wer von anderen Anstand erwartet, muss ihn selbst vorleben.“
Darf man in diesen Kriegs- und Krisenzeiten Kabarett machen? „Du darfst nicht nur, du musst“, so die klare Antwort des bekannten Theatermannes, der seit 30 Jahren im „Schlachthof“ des bayerischen Fernsehens auftritt. Das Manko: „Unsere Zuschauer sind im Schnitt 60 Jahre alt.“ Springer möchte aber die jungen Leute erreichen und sie vor den Extremisten warnen, die die Demokratie zur Zerstörung derselben nutzen wollen. Von Schwandorf machte er sich deshalb auf den Weg nach Forchheim, um in einer „Schule gegen Rassismus“ das dort hängende Schild mit Leben zu füllen. Für ihn ist es eine Schande, „dass es solche Schilder überhaupt noch braucht“. Und: „Wir sollten bei aller Fehlerhaftigkeit unsere Demokratie schätzen und verteidigen.“ Nur acht Prozent der Weltbevölkerung dürften in dieser Freiheit leben.
Freiheit des anderen
Christian Springer will seinen Zuhörern die Angst vor den Extremisten nehmen und warnt vor Vergleichen mit den Nazis. Denn: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich." Die deutsche Nachkriegsdemokratie habe schon so manche Anfeindungen von Links und Rechts überwunden. Der Kabarettist wirbt deshalb für Toleranz: „Wir müssen auch die Freiheit des anderen aushalten können.“













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