22.03.2020 - 13:29 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Clevere Lösungen für Produktion nötig

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Große Arbeitgeber der Region sind von der Coronakrise betroffen. Neben der Sorge um die Mitarbeiter wird natürlich auch versucht, die Produktion weiter laufen zu lassen. Wir haben nachgefragt.

Bei Horsch in Schwandorf läuft die Produktion noch. Verschiedene Vorkehrungen sollen für Sicherheit unter den Beschäftigten sorgen. Unser Archivbild zeigt die neue Werkhalle vor der Krise.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Daniel Brandt ist beim Landmaschinenhersteller Horsch zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Was tut sich bei Horsch in Sachen Corona für die rund weltweit über 1600 Mitarbeiter? "Es wurden bereits vor zwei Wochen die ersten primär hygienischen Maßnahmen eingeleitet. Seitdem kamen quasi täglich neue Regeln hinzu, die dem Schutz der Mitarbeiter und damit auch deren Angehörigen dienen", sagt Brandt. Stand heute versuche das Unternehmen, die Anzahl der Mitarbeiter auf maximal einen pro Büro zu reduzieren. "Unsere Kantine hat geschlossen. Besprechungen gibt es nur per Video, Gespräche innerhalb einer Abteilung nur per Telefon."

Mit Schutzmasken

Wo Mitarbeiter zusammen arbeiten müssen (Produktion oder Service), erhalten diese Schutzmasken. "Philipp Horsch persönlich hat den Mitarbeitern alle Punkte in einer Videobotschaft erklärt und darum gebeten, auch im privaten möglichst auf maximalen Schutz zu achten", teilte Brandt mit. Zudem wurden die Arbeitszeiten so angepasst, dass die Mitarbeiter möglichst in Schichten arbeiten, um die Zahl der Personen an allen Standorten auf einen Minimalwert zu reduzieren. Home-Office unterstütze hier natürlich zusätzlich.

Der Landmaschinenhersteller spürt die Auswirkungen der Krise über die Mitarbeiter hinaus. "Erste Lieferanten nicht nur aus Italien und Österreich kündigen uns an, dass sie uns nicht mehr rechtzeitig mit allen benötigten Teilen versorgen können. Aktuell spüren wir den Mangel bei den Zulieferern noch nicht, aber erwarten ihn natürlich durch die Warnungen", so der Unternehmenssprecher. "Dennoch versuchen wir die Produktion so lange aufrecht zu erhalten wie wir können und dürfen. Denn die Sicherheit aller Mitarbeiter hat für Horsch höchste Priorität." Da bei den Landwirten jetzt die Saison anbreche und die Felder bewirtschaftet werden müssen, unternehme Horsch alles, um bereits gebaute Maschinen sofort zu den Kunden und Händlern zu liefern. Hierzu seien die Kapazitäten beim Transport stark aufgestockt worden.

Bislang plane Horsch derzeit keine Kurzarbeit. "Das erste Mittel sind der Abbau von Überstunden und Betriebsurlaub, da wir keinerlei finanzielle Einschnitte für die Mitarbeiter möchten", betonte Brandt. "Glücklicherweise haben wir durch das bisher konstante Firmenwachstum auch immer wieder Überstunden aufgebaut, die wir nun für diese Ausnahmesituation gut nutzen können", betont Philipp Horsch in einem Statement.

Die Standorte im Ausland setzen laut Brandt ebenfalls die Maßnahmen der deutschen Standorte um. "Produktionsstandorte wie in den USA, Brasilien oder Russland spüren natürlich ebenfalls die Probleme mit drohenden Lieferengpässen wie in Deutschland. Da die ausländischen Standorte aber nur für das jeweilige Land produzieren, sind die Auswirkungen nicht ganz so hoch wie hier", sagte Brandt.

EMZ trennt Bereiche

EMZ Hanauer mit Sitz in Nabburg agiert ebenfalls weltweit, produziert Bauteile und Systeme für Hausgeräte, Haus- und Umwelttechnik. Unternehmenssprechin Andrea Barth betont: "Zunächst geht es um den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen. Dazu haben wir umfangreiche Maßnahmen getroffen. Das reicht von einfachen Verhaltensregeln bis zu Homeoffice". Das Unternehmen bemühe sich, verschiedene Bereiche getrennt zu halten. "Wir trennen unser Werk in fünf Bereiche, zwischen denen kein Mitarbeiteraustausch mehr stattfindet. Wir trennen dabei auch die Eingänge und Toiletten. Das betrifft auch die Nutzung der Kantine mit zwischenzeitlichen Desinfektionsmaßnahmen oder auch die Trennung der Nutzung von Waschräumen für bestimmte Gruppen." Gerade die Produktion, die ja nur vor Ort passieren könne, verdiene hier besonderes Augenmerk. "Großartig ist zu sehen, wie alle Mitarbeiter im Unternehmen in dieser schwierigen Situation zusammenstehen und unaufgeregt aber konsequent die notwendigen Maßnahmen umsetzen", sagte Barth.

"Derzeit spüren wir interessanterweise auftragsseitig noch kaum Veränderungen. Im Gegenteil, manche Kunden ziehen aktuell Aufträge vor." Die Lieferketten seien aber anstrengender geworden. Teile müssten teilweise teuer eingeflogen werden, was die Kosten treibe. "Wir haben aktuell nur von einem Kunden in den USA gehört, dass er über eine vorübergehende Werksschließung nachdenkt, wie es in der Automobilindustrie schon passiert. Das zeigt uns aber auch: Auch wir könnten absehbar mit Auftragsrückgängen konfrontiert werden. Das bedeutet, wir fahren auf Sicht und beschäftigen uns in unserem Coronakrisenstab tagesaktuell mit den neuesten Entwicklungen." Aktuell gebe es keine Veranlassung für Kurzarbeit.

China produziert

Für einige wenige Mitarbeiter, die aufgrund der Kinderbetreuungssituation nicht arbeiten können, versucht EMZ, unbürokratische Lösungen zu finden. In erster Linie per Urlaub und Überstundenabbau. Auf einer internen Plattform können sich Mitarbeiter auch austauschen. "Darüber hinaus haben wir einige wenige Mitarbeiter in einer freiwilligen Quarantäne, die aber überwiegend von zu Hause arbeiten können." Der EMZ-Standort in China produziere nach längerer Zwangspause schon mehrere Wochen wieder. Die geschäftlichen Aktivitäten in Italien laufen weiter. "Das bedeutet auch, dass unser Servicepersonal weiterhin voll im Einsatz ist und unsere digitalen Zugangssysteme für Müllcontainer wartet", sagte Barth. "Mexiko, wo es bisher ja nur vergleichsweise wenige Fälle gibt, und Tschechien laufen bisher normal", so Barth.

Allerdings: Tschechien hat seine Grenzen für den Personenverkehr dicht gemacht. "Unser tschechischer Werksleiter, der eigentlich in Deutschland wohnt, konnte gerade noch vorher mit Sack und Pack nach Tschechien einreisen." Aller Austausch finde inzwischen digital statt. "Wir haben wie die meisten Unternehmen und Einrichtungen alle Mitarbeiter, bei denen es aufgabentechnisch infrage kommt, in Home-Office geschickt."

Bei Benteler Schwandorf läuft die Produktion derzeit noch, wie die Unternehmenssprecherin der Benteler-Group, Birgit Held, auf Nachfrage mitteilte. (Stand Freitag, 12 Uhr). "Wir besprechen mit den Arbeitnehmervertretern die Möglichkeit von Kurzarbeit und gegebenenfalls Produktionsstopps." Sobald eine gemeinsame Lösung gefunden sei, werde das Unternehmen das kommunizieren.

Horsch-Pressesprecher Daniel Brandt.
Noch läuft bei EMZ die Produktion.
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