14.08.2019 - 09:21 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Im Clinch mit sieben Polizisten

Ein gerichtliches Nachspiel gibt es für eins turbulenten Jahreswechsel. Ein 25-Jähriger muss nun für ein Jahr in Haft.

Das Gericht konnte keine Milde walten lassen: Ein 25-Jähriger muss seine Aggressivität hinter Gittern büßen.
von Autor HWOProfil

Raketen zischen in den Nachthimmel und Böller begrüßen das Jahr 2019. Als das geschieht, müssen sich sieben Polizisten mit einem 25-Jährigen herumschlagen, der vor einem Wackersdorfer Lokal regelrecht ausrastet und nicht zu bändigen ist. Jetzt muss der junge Mann ein Jahr hinter Gitter.

Die Polizei in der Kreisstadt musste in der letzten Silvesternacht alles aufbieten, was an Beamten zur Verfügung stand. Um 23.45 Uhr hatte die Einsatzzentrale davon erfahren, dass da ein Gast vor einem Wackersdorfer Szenelokal grundlos zu Boden geschlagen worden war. Zwei Streifenwagenbesatzungen rückten aus, sahen sich am Einsatzort einer größeren Menschenansammlung gegenüber und bekamen, nachdem sie sich mit Blaulicht einen Weg gebahnt hatten, sofort Kontakt mit einem 25-Jährigen, der den Alarmruf durch sein aggressives Vorgehen gegenüber einem ihm völlig unbekannten Gast verursacht hatte. Was folgte, war ein mit Stress beladener Start ins neue Jahr für die Exekutive. Der 25-Jährige, mit über zweieinhalb Zentnern Gewicht fast schon Bud Spencer gleichend, wurde sofort ausfällig und mochte sich nicht belehren lassen. Die vier Uniformierten wollten ihn vorläufig festnehmen, stießen auf Gegenwehr, bekamen Tritte und Hiebe. Einer von ihnen wurde durch die Lederjacke hindurch massiv in den Oberarm gebissen. Er wehrte sich mit Fausthieben.

Unterdessen war Verstärkung angefordert worden. Drei weitere Polizisten kamen, wurden von dem Tobenden ebenfalls attackiert und übel beleidigt. Schließlich gelang es, den 25-Jährigen in einen Kleinbus zu bugsieren und zur Blutentnahme in Krankenhaus zu bringen. Da er dort Selbsttötungsabsichten äußerte, entschied der Einsatzleiter: "Er kommt ins Bezirkskrankenhaus". Auch auf der Fahrt nach Regensburg hatten sich zwei begleitende Beamte mit dem Mann weiter abzuärgern.

Vor der Schwandorfer Amtsrichterin Franziska Bücherl wurde das Spektakel nun eingehend erörtert. Mit fast einem Dutzend Zeugen und einem Angeklagten, der sofort alles zugab, sich bei allen entschuldigte und den genossenen Alkohol verantwortlich machte. Tatsächlich hatte er in der Silvesternacht gewaltig getrunken und es auf 1,9 Promille gebracht. Doch das, so stellte sich heraus, ist bei ihm offenbar ein Dauerzustand. Denn auch bei vorausgehenden Körperverletzungen hatten Bier und Schnaps tragende Rollen gespielt.

Der 25-Jährige gab sich kleinlaut und einsichtig. Weil er unter Bewährung stand und bisher nie etwas tat, um seiner Alkoholsucht Einhalt zu gebieten, sah die Richterin keinen Grund zu erneuter Nachsicht. Sie schickte den jungen Mann ein Jahr hinter Gitter und gab ihm mit auf den Weg, dass dies auch schon die öffentliche Sicherheit gebiete. Wer sich nahezu eine Stunde lang vor den Augen einer Menschenmenge wie ein Berserker aufführe und dabei sieben Polizisten angreife, "hat keine Milde von der Justiz zu erwarten."

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